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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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07. Mai 2013

Follow-Up-Studie 2012

Inanspruchnahme des qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings

Interview mit Irmgard Naß-Griegoleit

2004 wurde mit der Einführung des bevölkerungsbezogenen und qualitätsgesicherten Mammographie-Screening-Programms nach den "Europäischen Leitlinien für die Qualitätssicherung des Mammographie-Screenings" in Deutschland begonnen. Das Mammographie-Screening-Programm richtet sich an alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die im Zyklus von zwei Jahren schriftlich in eine Screening-Einheit eingeladen werden. In Deutschland sind rund 10,5 Mio. Frauen berechtigt, das Screening als Kassenleistung in Anspruch zu nehmen. Im Jahr 2008 wurde bereits eine erste Studie in 10 Bundesländern zum Thema "Inanspruchnahme des Mammographie-Screening - Barrieren und erste Erfahrung mit dem qualitätsgesicherten Screening" durchgeführt, mit dem Ziel, Erkenntnisse über Verhalten, Einstellungen, Wissen und Erfahrungen der anspruchsberechtigten Frauen zu gewinnen. Seit 2009 ist das Mammographie-Screening flächendeckend in allen 16 Bundesländern implementiert. Vier Jahre nach der ersten Erhebung bestand der Wunsch, eine Follow-up-Studie durchzuführen. Das Ziel der Follow-up-Studie war, die in 2008 gewonnenen Daten zu aktualisieren, Veränderungen von Einstellungen, Wissen und Erfahrungen zu beschreiben, insbesondere Unterschiede zwischen Teilnehmerinnen und Nicht-Teilnehmerinnen am Screening-Programm zu analysieren.

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Irmgard Naß-Griegoleit, Darmstadt

JOURNAL ONKOLOGIE sprach mit Irmgard Naß-Griegoleit, Women‘s Health Coalition, Darmstadt, Mitinitiatorin und Projektverantwortliche der Follow-up-Studie zur Inanspruchnahme des qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings.

JOURNAL ONKOLOGIE: Die Teilnahmerate am Mammographie-Screening hat sich von 2008 bis 2012 nur wenig erhöht und liegt mit 56% ziemlich stabil. Es hieß bisher, dass eine (30%ige) Senkung der Brustkrebssterblichkeit in Deutschland nur dann erreicht werden kann, wenn mindestens 70% der Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre am Screening teilnehmen. Wird dieses Ziel noch immer angestrebt? Und ist dieses Ziel realistisch?

Naß-Griegoleit: Auch wenn diese Zahl deutlich unter den angestrebten 70% liegt, konnte bisher keine Früherkennungsuntersuchung in Deutschland mehr als 56% erreichen. Die Teilnahmeraten für Darmkrebs liegen deutlich niedriger.

Was die Zielmarke "70%" angeht - hier hat in der Tat ein Umdenken stattgefunden. Im Nationalen Krebsplan (Stand 2012) wird als Ziel angegeben, dass die "informierte Inanspruchnahme der im Nutzen belegten Krebsfrüherkennungsprogramme der gesetzlichen Krankenkassen" gesteigert werden soll. Eine Arbeitsgruppe wird sich näher mit diesem Ziel beschäftigen.

Aus den Daten dieser Studie geht hervor, dass ca. 85% der befragten Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren eine positive Einstellung zum Mammographie-Screening haben. Trotzdem dürfte es schwierig werden, deutliche Steigerungsraten zu erreichen, zumal die jüngeren Jahrgänge dem Mammographie-Screening kritischer gegenüber stehen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie gut sind die Frauen über das Mammographie-Screening aufgeklärt? Gibt es Defizite?

Naß-Griegoleit:
Ja, es gibt erhebliche Wissensdefizite: 60% der Frauen in dieser Altergruppe wissen nicht, dass Brustkrebs und Alter in einem Zusammenhang stehen, obwohl alle wesentlichen Informationsmaterialien auf diesen Zusammenhang hinweisen. Der unglückselige Ausdruck "Vorsorge" hat sicherlich dazu beigetragen, dass insbesondere die Teilnehmerinnen am Screening glauben, dass durch das Screening Brustkrebs verhindert werden kann (57%) oder einen größtmöglichen Schutz vor Brustkrebs bietet (74%).

Trotz dieser Wissensdefizite fühlt sich die Mehrzahl der Frauen ausreichend über das Screening informiert. Da die subjektive Informiertheit und die tatsächliche Information auseinander fallen, dürften zusätzliche Informationen nicht unbedingt auf fruchtbaren Boden fallen. Es gibt noch viel zu tun!
 

Methodisches Vorgehen

Analog zur Erhebung aus dem Jahr 2008 bestand die quantitative Follow-up-Studie aus zwei Untersuchungsstufen. Als Vorphase der schriftlichen Erhebung wurde auf Basis öffentlich zugänglicher Verzeichnisse ein telefonisches Screening deutscher Haushalte durchgeführt, um ein unverzerrtes Sample für die Aussendung der Fragebögen zu erhalten und repräsentative Daten zur Einladungs- und Teilnahmerate zu ermitteln. In Anschluss daran wurde den teilnahmeberechtigten Frauen ein 6-seitiger, strukturierter Fragebogen zugesandt. Der Fragebogen der Follow-up-Studie war weitgehend identisch mit dem Fragebogen der ersten Erhebung im Jahr 2008.

Der Fragebogen wurde an 13.517 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren versandt, denen das qualitätsgesicherte Mammographie-Screening zumindest dem Namen nach bekannt war. Der Fragebogen wurde von 5.245 Frauen zurückgesandt, damit lag die Rücklaufquote bei 38,8%. Ausgeschlossen aus der Auswertung wurden die Fragebögen derjenigen Frauen, die außerhalb der Altersgrenze von 50 bis 69 Jahren lagen, die angegeben hatten, an Brustkrebs erkrankt zu sein, oder die weniger als 50% des Fragebogens beantwortet hatten. Zur Auswertung standen insgesamt 4.663 Fragebögen zu Verfügung.

Die statistische Datenanalyse erfolgte mit dem Statistikprogramm SPSS unter Einsatz von univariaten (Häufigkeitsverteilungen, Mittelwerte), bivariaten (Kreuztabellierungen) und multivariaten Analyseverfahren (Faktorenanalyse, Clusteranalyse) sowie Signifikanztests zur Untersuchung von Unterschieden zwischen Substichproben.

Initiiert von der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. und der Women’s Health Coalition e.V., finanziert vom Bundesministerium für Gesundheit.

Durchführung und Analyse: Comperis GmbH, Institut für psychologische Marktforschung, Stuttgart.


JOURNAL ONKOLOGIE:
Wodurch unterscheiden sich die Teilnehmerinnen und die Nicht-Teilnehmerinnen am Screening?

Naß-Griegoleit: Die Screening-Teilnehmerinnen haben generell eher eine positive Einstellung gegenüber Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen und dem Mammographie-Screening im Speziellen. Die von den Teilnehmerinnen wahrgenommene Sicherheit und Professionalität des Programms gibt ihnen Vertrauen und das gute Gefühl, das Richtige zu tun. Gleichzeitig wird der Nutzen des Screenings von den Teilnehmerinnen überschätzt. Dabei spielt die Facharztgruppe der Gynäkologen eine wichtige Rolle als bestärkender oder bestätigender Faktor für die Teilnahme. Die Erfahrungen der Teilnehmerinnen mit dem Screening sind größtenteils positiv, so dass sie auch weiterhin planen, am Screening teilzunehmen und empfehlen das Screening auch ihren Freundinnen und Bekannten.

Dagegen empfinden die Nicht-Teilnehmerinnen Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen generell eher als Belastung, sie stehen dem Mammographie-Screening eher skeptisch gegenüber und sehen in der Einladung eher eine Bevormundung. Die Nicht-Teilnehmerinnen haben seltener mit ihrem Frauenarzt über das Mammographie-Screening gesprochen. Diejenigen, bei denen das Thema im Arztgespräch diskutiert wurde, haben signifikant häufiger eine neutrale Reaktion des Arztes erfahren als die Teilnehmerinnen.

Im Vergleich zur ersten Erhebung hat die kritische Haltung dem Screening gegenüber bei den Nicht-Teilnehmerinnen deutlich zugenommen. D.h. die jetzigen Nicht-Teilnehmerinnen dürften kaum noch für das Screening zu gewinnen sein.

JOURNAL ONKOLOGIE:
Welche Konsequenzen sollten aus dieser Studie abgeleitet werden, um die "informierte Inanspruchnahme" zu erhöhen?

Naß-Griegoleit: Erstens sollte die Wissensbasis zum Mammographie-Screening verbessert werden. Der Zusammenhang zwischen Alter und Brustkrebs sollte noch deutlicher (auch visuell) und immer wieder kommuniziert werden. Es muss den Frauen in den Materialien gesagt werden, auch wenn dies banal klingt, dass das Mammographie-Screening eine Früherkennungsuntersuchung ist, mit der Brustkrebs und seine Vorstufen früher entdeckt werden können, aber Brustkrebs nicht verhindert werden kann oder einen Schutz vor Brustkrebs bietet. Solange diese "Basisinformationen" nicht bei den Frauen angekommen sind, kann man nicht von einer "informierten Inanspruchnahme" beim Screening sprechen.

Zweitens sollten die Frauenärzte, aber auch die Hausärzte, noch stärker in die Kommunikation einbezogen werden. Insbesondere Frauen, die wir in unserer Studie als "Ambivalente" bezeichnet haben, benötigen die "Rückendeckung" und den "Anstoß" durch ihre Ärzte.

Drittens muss ein stärkeres Bewusstsein generell für Früherkennungsuntersuchungen geschaffen werden.

Viertens müssen "Beweise" in Form von Studienergebnissen für den Nutzen des Mammographie-Screeningprogramms vorgelegt werden z.B. in Bezug auf weniger Chemotherapien oder andere belastende Therapien bei früh entdeckten Tumoren, Erhöhung der Lebensqualität etc.

Fünftens sollten für die Folgegeneration gezielt kommunikative Maßnahmen entwickelt werden, um bereits vor Erreichen des anspruchsberechtigten Alters eine Grundlage für die Akzeptanz des Screenings zu schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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