Dienstag, 12. Dezember 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren
Zentren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
13. März 2017 Seite 1/5

Immunonkologie – Onkolytische Viren

Interview mit Prof. Dr. med. Ulrich Lauer, Tübingen.

Als onkolytische Viren werden Viren bezeichnet, die Tumorzellen infizieren und lysieren, eine spezifische Immunantwort hervorrufen oder Toxine und Tumorsuppressorgene in Tumorzellen einbringen. Die Virotherapie soll dabei gut verträglich sein und keine schweren Nebenwirkungen bei den Patienten hervorrufen. Derzeit wird viel auf diesem Gebiet geforscht und einige vielversprechende Kandidaten befinden sich in klinischen Studien. Ein erster Vertreter dieser Klasse – Talimogen laherparepvec (T-VEC) – wurde in der EU im Dezember 2015 bereits zur Behandlung des metastasierten malignen Melanoms zugelassen. JOURNAL ONKOLOGIE sprach mit Prof. Dr. Ulrich Lauer, Tübingen, dem Leiter der Virotherapie-Studie mit GL-ONC1 (ein onkolytisches Vaccinia-Virus), dessen Wirksamkeit bei Peritonealkarzinosen getestet wird, über den derzeitigen Stand des Wissens bezüglich dieser möglichen neuen Säule der Tumortherapie.
Anzeige:
 
 
Prof. Dr. med. Ulrich Lauer
JOURNAL ONKOLOGIE: Woher stammt die Idee, dass Tumoren mit Hilfe von Viren bekämpft werden können?

Lauer:
Die Idee einer Virotherapie mit Krebszell-auflösenden (onkolytischen) Viren stammt nicht von einer genialen Überlegung eines Forschers am Schreibtisch, sondern von unserer „Mutter Natur“ selbst: im Zuge natürlicher viraler Infektionen von Krebspatienten wurden immer wieder spektakuläre Schrumpfungen von äußerlich sichtbaren Tumoren beobachtet und als Einzelfallbeschreibungen über die letzten 100 Jahre dokumentiert.

Von Anfang an wurde vermutet, dass es sich dabei nicht um bloße Koinzidenzen handeln kann. Man kam zu dem Schluss, dass unter den richtigen Umständen bestimmte Viren bestimmte Tumore kausal zerstören können, ohne den Patienten dabei einen unangemessenen Schaden zuzufügen. Dabei wurden Krebserkrankungen als bevorzugt angesehen, bei denen das Immunsystem in besonderer Weise kompromittiert ist (z.B. Lymphome und Leukämien). Diese historisch beobachteten Virus-assoziierten Tumorremissionen waren meist nur von kurzer Dauer, die Zeitspanne betrug in aller Regel lediglich 1-2 Monate.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Mechanismen sind für die onkolytische Wirkung verantwortlich?

Lauer:
Beim Befall durch Viren wird der Stoffwechsel der infizierten Krebszellen vollkommen umgekrempelt und unterliegt von nun an dem Primat, fast ausschließlich nur noch der Produktion neuer Viruspartikel zu unterstehen. Pro infizierter Krebszelle entstehen auf diese Weise dann hunderte bis tausende Nachkommenviren. Darunter erschöpft sich die infizierte Krebszelle und kann ihre zelluläre Integrität nicht mehr aufrechterhalten; sie löst sich regelrecht auf und „onkolysiert“. In diesem Zuge werden die neu gebildeten Viruspartikel massenhaft freigesetzt, die dann sofort bis dahin noch nicht infizierte Krebszellen in der Nachbarschaft befallen und ebenfalls onkolysieren. Dieser Prozess hält im Idealfall so lange an, bis keine einzige noch neu zu infizierende Krebszelle mehr vorhanden ist. Entsprechend können dann keine weiteren Viren mehr gebildet werden; die Virusvermehrung kommt von alleine vollständig und dauerhaft zum Erliegen.

Neben dieser „direkten“ Onkolyse gibt es den noch wichtigeren Prozess der „indirekten“, Virus-vermittelten Onkolyse: wenn eine Virus-infizierte Krebszelle zerplatzt, setzt sie quasi wie bei einer „stellaren Supernova“ auf einen Schlag massenhaft Virus-Antigene gemeinsam mit Tumorzell-spezifischen Antigenen frei. Bis dato war die Präsentation dieser Tumorzell-spezifischen Antigene für das Immunsystem nicht ausreichend, um dagegen genügend aktiv zu werden. Nun aber wird in dem durch das Virus induzierte Entzündungsmilieu das Immunsystem so stark stimuliert, dass gleichzeitig – quasi im Huckepack – auch eine effektive antitumorale Immunantwort gegen Tumorzell-spezifische Antigene induziert wird. Einmal ausreichend stimuliert, erkennen unsere Immunzellen von da an sämtliche Krebszellen als fremd, und zwar unabhängig davon, ob sie Virus-infiziert sind oder nicht. Auf diese Weise kann nun jede einzelne Krebszelle überall im Körper der betroffenen Patienten durch unsere Immunzellen aufgespürt und vernichtet werden. Somit stellt die Virotherapie eine besondere Form der Immuntherapie dar.
 
Vorherige Seite
1 2 3...5
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
Anzeige:
Zur Fachinformation
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
NET
CML
CUP
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
ASH 2017