Donnerstag, 14. Dezember 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren
Zentren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
13. März 2017 Seite 1/5

Histopathologische und molekulare Subklassen des Magenkarzinoms

C. Röcken, Institut für Pathologie, Christian-Albrechts-Universität Kiel.

Das Magenkarzinom ist weltweit der fünfthäufigste maligne Tumor mit deutlichen geographischen Unterschieden in der Inzidenz. In den westlichen Industrienationen ist die Prognose oft ungünstig, da auf Grund fehlender Vorsorgeprogramme die Karzinome meistens erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden. Magenkarzinome sind überwiegend Adenokarzinome und werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in das tubuläre, papilläre, muzinöse, gering kohäsive (einschließlich des Siegelringzellkarzinoms) Karzinom sowie den Mischtyp unterteilt. Das Karzinom mit lymphoidem Stroma und das hepatoid differenzierte Adenokarzinom zählen zu den selteneren Varianten. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Studien veröffentlicht, die verschiedene molekulare Klassifikationen des Magenkarzinoms vorschlugen. Die methodisch umfassendsten Studien unterschieden vier molekulare Subtypen: das chromosomal instabile, das genomisch stabile, das Epstein-Barr-Virus-positive und das mikrosatelliteninstabile Magenkarzinom. Während das genomisch stabile, das Epstein-Barr-Virus-positive und das mikrosatelliteninstabile Magenkarzinom noch relativ gut voneinander abgegrenzt werden können, umfasst das chromosomal instabile Magenkarzinom vermutlich eine relativ heterogene Gruppe. Zukünftige Studien müssen zeigen, ob die (morpho)-molekulare Klassifikation des Magenkarzinoms für prognostische und prädiktive Aussagen geeignet ist.
Anzeige:
 
 
Das Magenkarzinom ist weltweit der fünfthäufigste maligne Tumor mit ca. 1 Mio. Neuerkrankungen (7% der Gesamtkrebsinzidenz) und 723.000 Todesfällen allein in 2012 (1). Die Inzidenz und Prävalenz des Magenkarzinoms zeigt große geographische Schwankungen. Die höchsten Inzidenzraten finden sich in Ostasien, Zentraleuropa und Osteuropa, die zusammengenommen ca. 87% aller Magenkarzinome weltweit stellen. Signifikant geringere Inzidenzraten finden sich in Afrika und Nordamerika (1). Die standardisierten Inzidenzraten des nicht-kardialen Magenkarzinoms sind seit Jahrzehnten rückläufig, wohingegen die Inzidenz des proximalen Magenkarzinoms bzw. des Karzinoms des ösophagogastralen Übergangs stabil war bzw. gestiegen ist. Die Prognose des Magenkarzinoms ist in Ländern ohne Vorsorgegastroskopie schlecht, da das Magenkarzinom oft erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. In Ländern mit Vorsorgegastroskopie ist die Prognose deutlich besser, da das Magenkarzinom dort in einem früheren, potenziell kurativen Stadium diagnostiziert wird. In den westlichen Industrienationen ist das Magenkarzinom oft eine Erkrankung des Seniums und erreicht seinen Altersgipfel erst in der 7. und 8. Lebensdekade. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt dann < 35%.


Ätiologie

Das Magenkarzinom tritt sporadisch, familiär gehäuft oder hereditär auf. 1988 beschrieb Correa ein Modell der Karzinogenese des Magenkarzinoms: eine chronische atrophisierende Gastritis führt zur intestinalen Metaplasie, Dysplasie und schließlich zum Karzinom (2). In seinem Modell führte Correa noch eine Salz-haltige Kost und Medikamente als wesentliche Ursachen der chronischen Gastritis auf. Nach der Entdeckung von Helicobacter pylori als bakterielle Ursache einer chronischen Magenschleimhautentzündung (Typ-B-Gastritis) revidierte Correa sein Modell der Karzinogenese des Magenkarzinoms und führte Helicobacter pylori als Auslöser der chronischen Magenschleimhautentzündung hinzu (3). Seitdem sind eine Fülle epidemiologischer, tierexperimenteller und therapeutischer Hinweise zusammengetragen worden, die den Zusammenhang zwischen Helicobacter-pylori-Besiedelung und Magenkarzinom gesichert haben. Die Besiedlung der Magenschleimhaut durch Helicobacter pylori kann zu drei verschiedenen Phänotypen führen: Die antrumprädominante Gastritis ist durch Magenschleimhaut- und Duodenal-ulcera charakterisiert und hat in der Regel kein erhöhtes Entartungsrisiko. Die korpusprädominante Gastritis kann zu Schleimhautatrophie, intestinaler und pseudopylorischer Metaplasie sowie Hypazidität führen. Sie geht mit einem substantiell erhöhten Krebsrisiko einher (4). Die indolente Form der Helicobacter-pylori-assoziierten Gastritis hat weder Ulzerationen noch ein erhöhtes Krebsrisiko. Es wurden zahlreiche bakterielle Virulenzfaktoren identifziert, die die Kolonisation der Magenschleimhaut, die Erregerpersistenz und das Krebsrisiko beeinflussen wie z.B. CagA, DupA, IceA1, NapA, oipA und VacA (5). Diese bakteriellen Faktoren werden durch Wirtseigenschaften wie z.B. Polymorphismen in pro- und antiinflammatorischen Genen, sowie Umwelt- und sozio-ökonomische Faktoren moduliert. Das Helicobacter-pylori-assoziierte Krankheitsbild und Krebsrisiko sind somit das Resultat einer komplexen Interaktion zwischen Erreger, Wirt und Umgebungsfaktoren (6).

Die familiär gehäuft auftretenden Magenkarzinome können somit das Ergebnis gemeinsamer Risikofaktoren sein, wie z.B. Infektion mit Helicobacter pylori, Ernährungsgewohnheiten und Genpolymorphismen. Ca. 5-10% der Patienten mit einem Magenkarzinom tragen eine Keimbahnmutation. Ihre Magenkarzinome sind somit als hereditär zu klassifizieren (7, 8). Davon entfallen ca. 30-40% auf Magenkarzinome mit einer Mutation oder Kopienzahlenänderung im CDH1-Gen, das E-Cadherin kodiert. Meist liegt ein Magenkarzinom vom diffusen Typ vor. Inzwischen wurden über 50 verschiedene Mutationen in CDH1 beschrieben. Sie verteilen sich über das gesamte Gen. Bei drei Familien mit hereditärem Magenkarzinom vom diffusen Typ wurden Mutationen im CTNNA1-Gen (alpha-E-Catenin) gefunden (9, 10). Bei einer Familie mit einem hereditären Magenkarzinom vom intestinalen Typ, das mit einer proximalen Polypose einhergeht, fand sich eine Mutation im APC-Promoter-1B-kodierenden Gen (11, 12).

Darüber hinaus wurden verschiedene Gene mit einem hereditären Magenkarzinom in Verbindung gebracht, die jedoch einer Verifizierung bedürfen, wie z.B. Insulinrezeptor (INSR), F-Box-Protein 24 (FBXO24), Mitogen-aktivierte Proteinkinase-Kinase-Kinase 6 (MAP3K6), Protease Serin 1 (PRSS1) und DOT1-ähnliche Histon H3K79 Methyltransferase (DOT1L) (10, 13). Darüber hinaus findet sich ein Magen-karzinom auch bei anderen seltenen erblichen Krankheitssyndromen wie beispielsweise der Familiären Adenomatösen Polyposis Coli (APC), dem Lynch-Syndrom (hMLH1, hMLH2), dem Cowden-Syndrom (PTEN), der Juvenilen Polypose, dem Li-Fraumeni-Syndrom (P53), der MUTYH-assoziierten adenomatösen Polypose (MUTYH), dem Peutz-Jeghers-Syndrom (STK11) und erblichem Brust- und Eierstockkrebs (BRCA1/2) (14).
 
Vorherige Seite
1 2 3...5
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CML
NET
CUP
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
ASH 2017