Samstag, 23. September 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
14. Mai 2012

GeparSepto-Studie mit nab-Paclitaxel startet

Interview mit Prof. Michael Untch, Berlin.

JOURNAL ONKOLOGIE sprach mit Prof. Michael Untch, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des HELIOS Klinikums Berlin-Buch, über den bevorstehenden Start der GeparSepto-Studie und die Rolle von nab-Paclitaxel*, dem neuartigen Taxan, für die Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms.
Anzeige:
 
 
0 Herr Professor Untch, in welcher Situation setzen Sie heute nab-Paclitaxel ein?

Wir setzen nab-Paclitaxel derzeit in erster Linie bei Patientinnen mit metastasierter Erkrankung ein, die im Regelfall Her2-negativ sind und die in der adjuvanten Situation bereits mit Anthrazyklinen und/oder Taxanen vorbehandelt wurden. Das trifft heute auf einen Großteil der Patientinnen zu. Auch wenn eine Patientin adjuvant eine endokrine Therapie erhalten hat, weil sie z.B. Hormonrezeptor-positiv ist oder ein luminales Karzinom hat, wird beim Auftreten von Metastasen die Erstlinientherapie wahrscheinlich aus einem Anthrazyklin und/oder einem Taxan bestehen. Üblicherweise verwenden die meisten Ärzte sowohl in der adjuvanten als auch in der metastasierten Situation wöchentlich verabreichtes Paclitaxel oder dreiwöchentliches Docetaxel. In der metastasierten Situation könnte auch nab-Paclitaxel zum Einsatz kom men, entweder im zugelassenen 3-wöchentlichen oder auch im in den Studien geprüften wöchentlichen Regime.

Die klinische Erfahrung zeigt, dass wir auch noch eine weitere Indikation für nab-Paclitaxel haben, nämlich wenn Patientinnen auf die Paclitaxel-Verabreichung eine schwere allergische Reaktion mit Fieber, Kreislaufschwankungen, Kribbeln und schwerem Unwohlsein entwickeln, was ein Absetzen des Medikaments nötig macht. Die allergische Reaktion ist dabei nicht auf den Wirkstoff Paclitaxel, sondern auf das Lösungsmittel Cremophor zurückzuführen. Hier ist nab-Paclitaxel von großem Vorteil, da es keinerlei Lösungsmittel enthält. So können wir eine bisher bestehende große Lücke schließen: Patientinnen, die man mit konventionellem Paclitaxel nicht weiterbehandeln könnte, werden stattdessen mit nab-Paclitaxel therapiert.

Was unterscheidet das nab-Paclitaxel im Hinblick auf die Verträglichkeit von den konventionellen Taxanen?

Das Nebenwirkungsprofil von nab-Paclitaxel ähnelt dem der anderen Taxane. Es treten Übelkeit, Erbrechen, Myalgien, Neutropenien, Fatigue sowie Haarausfall auf, wobei wir unter der wöchentlichen Gabe von nab-Paclitaxel weniger Haarausfall beobachten, was für die Patientinnen natürlich eine Erleichterung ist. Es kann auch unter nab-Paclitaxel zu Neuropathien kommen, doch – und dies ist ein wesentlicher Vorteil dieser Substanz – gehen diese Symptome nach ca. 3 Wochen deutlich schneller und nachhaltiger wieder zurück als bei anderen Taxanen.

Kann nab-Paclitaxel zusammen mit Trastuzumab appliziert werden?

Bei Patientinnen mit Her2-positivem metastasierten Mammakarzinom, die 1x wöchentlich Paclitaxel und Trastuzumab erhalten, kann meiner Meinung nach ebensogut nab-Paclitaxel anstelle von Paclitaxel gegeben werden. Man kann beruhigt auf diese Kombination umsteigen, die Effektivität ist um keinen Deut geringer. Aus den USA gibt es mehrere Studien, die die Gleichwertigkeit einer Therapie von nab-Paclitaxel plus Trastuzumab gegenüber Paclitaxel und Trastuzumab gezeigt haben. In Deutschland gibt es allerdings erst wenig Erfahrung mit nab-Paclitaxel, in den USA haben die Ärzte schon wesentlich mehr Erfahrung mit dieser Substanz. Deshalb warten wir gespannt auf die Ergebnisse der neoadjuvanten GeparSepto-Studie.

Konventionelles Paclitaxel kann wöchentlich und in dreiwöchentlichen Abständen gegeben werden. Wie verhält es sich mit nab-Paclitaxel?

Ich persönlich halte große Stücke auf die wöchentliche Gabe von Paclitaxel, denn damit haben wir in Deutschland erstens die größte Erfahrung, zweitens ist die wöchentliche Gabe weniger toxisch und drittens signifikant effektiver als die dreiwöchentliche Gabe von Paclitaxel oder Docetaxel, wie beispielsweise Sparano et al. 2008 (1) in einer Studie mit 5.000 Patienten für die adjuvante Situation gezeigt haben.

Die wöchentliche Gabe wurde inzwischen als eine der möglichen Sequenzen in die deutschen Leitlinien aufgenommen und ist in den meisten deutschen Brustzentren heute das Standardschema.

Paclitaxel und nab-Paclitaxel sind zuerst im 3-wöchentlichen Applikationsintervall verglichen worden, dann auch in der wöchentlichen Gabe, u.a. in einer kleinen amerikanisch-kanadischen Studie mit der wöchentlichen Gabe im neoadjuvanten Setting (2).

Von nab-Paclitaxel in der wöchentlichen Gabe erwarte ich in Analogie zu konventionellem Paclitaxel die gleiche Effektivität, deshalb setzen wir es so auch in der GeparSepto-Studie ein.

Weshalb wird in der GeparSepto-Studie, die im April 2012 gestartet ist, die inverse Sequenz Taxan/Anthrazyklin eingesetzt?

Wir wissen seit der TECHNO-Studie (3), der GeparQuattro- (4) und der GeparQuinto-Studie (5), dass die effektivste (neo)adjuvante Chemotherapie ein Anthrazyklin und ein Taxan beinhalten sollte. Bisher haben wir immer das Anthrazyklin zuerst eingesetzt. Es gibt nun zwei kleinere Phase-II-Studien, eine von Robidoux aus Kanada (6) und eine weitere von Green vom MD Anderson (2), die gezeigt haben, dass die Umkehrung der Sequenz die Effektivität anscheinend noch steigert. Das muss nun in einer großen Studie überprüft werden.

Welche weiteren Ziele verfolgt die GeparSepto-Studie?

Die beiden genannten Studien (6, 2) hatten mit jeweils ca. 150 Patienten sehr kleine Fallzahlen. Wir wollen in der GeparSepto-Studie in den nächsten 2,5 Jahren 2.500 Patientinnen rekrutieren. Unser erstes Ziel ist es, herauszufinden, ob die Effektivität der Therapie höher ist, wenn das Taxan zuerst gegeben wird. Eine weitere Rationale besteht in der wöchentlichen Gabe von nab-Paclitaxel kontinuierlich über 18 Wochen. Hier erwarten wir eine geringere Neurotoxizität, beziehungsweise, dass sich die Patientinnen von der Neurotoxizität schneller erholen.

Die letzte und gleichzeitig wichtigste Rationale ist, dass wir bei den Her2-positiven Mammakarzinomen nicht nur Trastuzumab einsetzen, sondern dazu auch Pertuzumab. Von dieser dualen Anti-Her2-Blockade erwarten wir einen additiven Effekt im Hinblick auf die Effektivität. Gianni et al. haben dazu kürzlich die Phase-II-Studie NeoSphere im „Lancet“ veröffentlicht, in der die Kombination der beiden Antikörper mit Chemotherapie in der neoadjuvanten Situation besser war als der jeweils einzelne Antikörper mit Chemotherapie (7).

Welchen Vorteil verspricht man sich vom neoadjuvanten Einsatz von nab-Paclitaxel?

Die TECHNO-Studie (3) und eine neue Meta-Analyse (8) von Her2-positiven Patientinnen, die mit Trastuzumab in der neoadjuvanten Situation behandelt wurden, haben bewiesen, dass es eine Eins-zu-Eins-Korrelation zwischen pCR nach neoadjuvanter Therapie und dem Outcome gibt. Das heißt, die Patientinnen, die eine pathohistologische Komplettremission erreichen, überleben fast zu 100%. Natürlich wollen wir die pCR-Rate möglichst weit steigern. Man muss sich vor Augen halten, dass wir in den 80er/90er Jahren komplette Remissionsraten von lediglich 10% hatten, momentan liegen wir bei 40-50%. Dies wollen wir sogar noch toppen.

Was die Dosis angeht, gehen wir mit 150 mg/m2 bewusst sehr hart an die Toxizitätsgrenze heran. Wir dosieren so hoch, um die größtmögliche Effektivität zu erzielen. Kompromisse in Form von Dosisanpassungen oder Zyklusverschiebungen wollen wir nur dann machen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass man mit dieser Dosis durchaus einsteigen kann.

Wenn man durch die Kombination zweier Antikörper die pathohistologisch komplette Remissionsrate um absolut 15-20% steigern kann und dies on top zu einer hocheffektiven Chemotherapie gibt, nämlich in umgekehrter Sequenz erst nab-Paclitaxel, dann Anthrazyklin, so können wir vielleicht eine pCR-Rate von 60-70% erreichen. Bei den Her2-positiven und Hormonrezeptor-negativen Mammakarzinomen sind es wahrscheinlich über 70, vielleicht sogar 80% – und da sind wir von dem Wort „Dauerheilung“ nicht mehr weit entfernt.

Vielen Dank für das Gespräch!

ab

Literaturhinweis:

(1) Sparano JA et al. N Engl J Med 2008;358(16):1663-71
(2) Green MC et al. J Clin Oncol 2005;23(25):5983-5992
(3) Untch M et al. J Clin Oncol 2011;29(25):3351-7
(4) Untch M et al. J Clin Oncol 2010 28(12):2024-2031
(5) Untch M et al. Lancet Oncol 2012;13(2):135-144
(6) Robidoux A et al. Clin Breast Cancer 2010;10(1):81-6
(7) Gianni L et al. The Lancet Oncol 2012;13(1); 25-32
(8) Valachis A et al. Breast 2011; 20(6):485-90

Mehr unter: http://www.germanbreastgroup.de/studien

Interview im Rahmen der European Breast Cancer Conference (EBCC) in Wien, 22.03.2012

*nab Paclitaxel (Abraxane®) ist eine Albumin-gebundene Nanopartikelformulierung von Paclitaxel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
STICHWÖRTER:
Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
NET
CUP
CML
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
ASCO 2017