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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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27. Juni 2016

GIST: Aus jeder Therapielinie das Bestmögliche machen

Für die Behandlung metastasierter Gastrointestinaler Stromatumore (GIST) stehen nur wenige Therapien zur Verfügung: Imatinib, für die Zweitlinie Sunitinib (Sutent®) und nach Sunitinib-Versagen Regorafenib*. Entscheidend ist daher ein verantwortungsvoller Umgang mit den Therapien.
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Wichtig ist nach Einschätzung von Prof. Dr. Peter Reichardt, Berlin, eine individuelle Therapiesteuerung, mit der in den meisten Fällen bei Nebenwirkungen eine gut verträgliche Dosierung gefunden werden kann. Eine Dosisadaptation ist notwendig, wenn es nicht gelingt, unter täglich 37,5 mg Sunitinib Nebenwirkungen mit Hilfe von Therapiepausen in den Griff zu bekommen. Da Nebenwirkungen wie Hypertonie oder Neutropenie bis zu einem gewissen Grad mit der Wirkung korrelieren, empfiehlt Reichardt, die Dosis so zu titrieren, dass noch leichte Nebenwirkungen bestehen, die der Patient gut verträgt, dem Arzt aber zeigen, dass der Spiegel ausreicht.

Individualisierte Therapie und TBP verlängern Überleben

Außerdem riet Reichardt, bei radiologischem Nachweis einer Progression und anhaltendem subjektivem Wohlbefinden des Patienten zu überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, die bisherige Therapie weiterzuführen (Treatment Beyond Progression, TBP). In dieser Situation bestehe der Tumor in der Regel aus Tumorzellpopulationen mit unterschiedlichen Sekundärmutationen, die sehr unterschiedlich auf Sunitinib und Regorafenib ansprechen. Daher sei es keineswegs sicher, dass ein Therapiewechsel den Progress hemme. Dagegen bestehe das Risiko, dass die Kontrolle über bisher in Schach gehaltene Tumorzellpopulationen verloren gehe.
 

Abb. 1: Gesamtüberleben (OS) von Patienten mit metastasierten GIST unter Behandlung mit Sunitinib in der Intent-to-treat(ITT)-Population bzw. bei Patienten, die die Behandlung bei radiologischem Progress (PD) fortgesetzt oder abgebrochen hatten (1).
Abb. 1: Gesamtüberleben (OS) von Patienten mit metastasierten GIST unter Behandlung mit Sunitinib in der Intent-to-treat(ITT)-Population bzw. bei Patienten, die die Behandlung bei radiologischem Progress (PD) fortgesetzt oder abgebrochen hatten (1).


Die Wichtigkeit einer individualisierten Therapiesteuerung bzw. einer TBP bestätigte eine große Treatment-Use-Studie, in der 1.131 GIST-Patienten mit Sunitinib behandelt wurden. Patienten mit individualisierter Dosierung blieben länger progressionsfrei (median 12,7 Monate) und hatten ein längeres Gesamtüberleben (23,5 Monate) als Patienten, die im gesamten Behandlungsverlauf die Initialdosierung mit 50 mg Sunitinib (4 Wochen, Wiederholung nach 6 Wochen) erhalten hatten (5,2 bzw. 11,1 Monate) [1]. Patienten, die bei radiologischer Progression weiter Sunitinib erhalten hatten, weil ärztlicherseits der Eindruck bestand, dass die Patienten weiter von Sunitinib profitieren, überlebten wesentlich länger als Patienten, die die Behandlung mit Sunitinib bei Progression abgebrochen hatten (22,8 vs. 13,2 Monate; Abb. 1).


* Bayer hat die Konsequenz aus dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 17. März 2016 geschlossen und hat den Vertrieb von Regorafenib (Stivarga®) in Deutschland am 15. April 2016 eingestellt. Der G-BA hatte Regorafenib zur Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mKRK) keinen Zusatznutzen erteilt. Bayer kann dies nicht nachvollziehen und bedauert unter diesen Umständen gezwungen gewesen zu sein, den Vertrieb für Regorafenib in Deutschland einzustellen. Die Zulassung in Europa ist nicht betroffen, und Stivarga® steht in europäischen Ländern wie bisher zur Verfügung. Bayer unterstützt Ärzte mit Informationen, wie im Bedarfsfall auch weiterhin die Behandlung von Patienten in Deutschland mit Stivarga® ermöglicht werden kann, z.B. durch Einzelimport nach § 73 Abs. 1 AMG.
Dr. Günter Springer
Pressegespräch „Therapiemanangement bei gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) – warum sich patientenindividuelle Behandlung lohnt“, 13.05.2016, Lissabon (Portugal); Veranstalter: Pfizer Oncology
Literatur:
(1) Reichardt P et al. Cancer 2015;121:1405-13.
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