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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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24. Juni 2016

Fortschritte in der Therapie des Mammakarzinoms durch zielgerichtete Ansätze

Das Armamentarium beim Mammakarzinom konnte vor allem dank der Entwicklung zielgerichteter Therapien maßgeblich bereichert werden. Dadurch ist es gelungen, die Prognose der meisten Patientinnen mit Brustkrebs deutlich zu verbessern. Auf einem Symposium der Roche Pharma AG im Rahmen des Senologiekongresses gaben Experten ein Überblick über die aktuellen zielgerichteten Therapien und diskutierten behandlungsrelevante Fragen interaktiv.
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HER2-negatives Mammakarzinom: Bevacizumab bis zur Progression

Über die neuesten Erkenntnisse bezüglich der optimalen Behandlungsdauer mit Bevacizumab (Avastin®) beim HER2-negativen metastasierten Mammakarzinom (mBC) berichtete PD Dr. Marc Thill, Frankfurt am Main. „Die gute Wirksamkeit von Bevacizumab kann noch erhöht werden, wenn es bis zur Krankheitsprogression verabreicht wird“, konstatierte Thill. Er stellte die konsistent guten Ergebnisse verschiedener Studien vor, welche die prognostische Relevanz einer Bevacizumab-Erhaltungstherapie belegen. Demzufolge haben Patientinnen mit einem HER2-negativen mBC einen klaren Vorteil im Gesamtüberleben (OS), wenn sie über die Chemotherapie hinaus mit Bevacizumab bis zur Progression weiterbehandelt wurden. So zeigte u.a. eine retrospektive Analyse, dass Patientinnen mit HER2-negativem mBC fast 24 Monate länger überlebten, wenn eine Bevacizumab-Erhaltungstherapie durchgeführt wurde (55,5 vs. 31,7 Monate; p=0,003) (1).

Auch die Vorteile durch den Einsatz von Bevacizumab in der Firstlinie konnten mittlerweile zahlreiche Ergebnisse belegen, wie Thill ausführte. „Eine Firstline-Therapie mit Bevacizumab ist wirksam bei Hormonrezeptor-positiven wie auch bei triple-negativen Tumoren“, so Thill. „Als bestes Chemotherapie-Backbone hat sich hier Paclitaxel als wöchentliche Gabe herausgestellt“, sagte Thill. Daher wird die Kombination aus Paclitaxel weekly und Bevacizumab für die Firstline-Therapie des HER2-negativen mBC in den AGO-Leitlinien mit einem Plus empfohlen. Thills Fazit: „Eine Erhaltungstherapie mit Bevacizumab über 1 Jahr ist nicht nur gut verträglich, sondern auch mit einem OS-Benefit assoziiert.“

Gegenanzeigen für die Bevacizumab-Therapie seien laut Thill vorliegende Komorbiditäten, thromboembolische Ereignisse, ein nicht suffizient einzustellender Hypertonus, Nierenerkrankungen und Wundheilungsstörungen.


10 Jahre Trastuzumab – eine Erfolgsgeschichte

Prof. Dr. Christian Jackisch, Offenbach, stellte in seinem Vortrag aktuelle Daten zur adjuvanten Therapie des HER2-positiven frühen Mammakarzinoms mit Trastuzumab (Herceptin®) vor. Wie der Onkologe berichtete, wechselten nach der 2005 auf dem ASCO vorgestellten Interimsanalyse der HERA-Studie 52% der Patientinnen in den Verum-Arm. Nun liegen die 10-Jahres-Daten der HERA-Studie vor, die belegen, dass der Vorteil im Gesamtüberleben trotz dieses massiven Cross-overs deutlich erkennbar ist (2). „Nach 10 Jahren sind 7 von 10 Patientinnen krankheitsfrei und darüber hinaus 8 von 10 Patientinnen am Leben“, fasste Jackisch die positiven Ergebnisse zusammen. Auch die unter Trastuzumab beobachtete kardiale Dysfunktion hat sich als reversibel erwiesen. „Bei gutem kardialen Monitoring kann die adjuvante gezielte Therapie mit Herceptin® das Überleben vieler Patientinnen verlängern“, so Jackisch. Die 10-Jahres-Daten der BCIRG-006-Studie bestätigten ebenfalls die Vorteile im krankheitsfreien Überleben (DFS) durch die Behandlung mit Trastuzumab unabhängig vom Chemotherapie-Partner. „Trastuzumab hat die Chance auf Heilung von Patientinnen mit frühem HER2-positiven Brustkrebs erheblich verbessert“, so Jackisch abschließend.


Individualisierte Therapie beim HER2+ Mammakarzinom

Der Vorteil einer neoadjuvanten Therapie ist laut Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Heidelberg, dass sie als „in-vivo-Effektivitätstestung“ dienen kann. Er erklärte weiter, dass die pathologische Komplettremission (pCR) nach neoadjuvanter Therapie unter bestimmten Voraussetzungen ein früher Surrogatmarker für ein besseres Überleben (v.a. bei aggressiven Mammakarzinomen wie dem HER2-positiven oder dem triple-negativen Mammakarzinom) sein kann. So war die pCR auch der primäre Endpunkt in der für die Zulassung von Pertuzumab (Perjeta®) relevanten Studie: Die doppelte HER2-Blockade mit Trastuzumab und Pertuzumab erhöhte bei Frauen mit frühem HER2-positiven Brustkrebs in Kombination mit Docetaxel die pCR-Rate signifikant von 21,5 auf 39,3% (p=0,0063) (3). Mittlerweile ist auch ein signifikanter Vorteil im Gesamtüberleben belegt: Frauen mit fortgeschrittener Erkrankung lebten in der CLEOPATRA-Studie im Median 15,4 Monate länger, wenn sie Pertuzumab im Rahmen der Firtsline-Therapie zusätzlich zu Trastuzumab und Docetaxel erhielten (56,5 vs. 40,8 Monate; HR=0,68; p<0,001) (4). „Dies ist das längste mediane Gesamtüberleben, das bisher bei Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom in der metastasierten Situation in Studien erreicht wurde“, sagte Schneeweiss. „Pertuzumab zusätzlich zu Trastuzumab und Docetaxel verbessert als Firstline-Therapie beim HER2+ metastasierten Mammakarzinom PFS, OS und Ansprechraten unabhängig vom Hormonrezeptor-Status und der (neo-)adjuvanten Vorbehandlung. Darüber hinaus ist die doppelte HER2-Blockade auch in Kombination mit anderen Taxanen oder Vinorelbin gut verträglich und effektiv“, resümierte Schneeweiss.


Secondline-Therapie beim HER2-positiven Brustkrebs

Um die Frage der optimalen Secondline-Therapie beim HER2-positiven mBC zu beantworten, war in der EMILIA-Studie randomisiert Trastuzumab Emtansin (T-DM1, Kadcyla®) mit der Kombination aus Capecitabin und Lapatinib beim progredienten HER2+ fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs nach vorangegangener Taxan- und Trastuzumab-Therapie verglichen worden.

Die Studie zeigte eine Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens unter T-DM1 von 5,8 Monaten (T-DM1: 30,9 Monate; Capecitabin + Lapatinib: 25,1 Monate; HR=0,68; p<0,001). Mittlerweile liegen auch die finalen Daten der Studie vor, wie Prof. Dr. Nadia Harbeck, München, berichtete: Verglichen mit dem Kontrollarm (Capecitabin + Lapatinib) blieb der OS-Vorteil unter T-DM1 in der Intent-to-treat (ITT)-Population in der Zweitlinientherapie erhalten – und das trotz den 27% der Patienten, die durch ein Cross-over in den T-DM1-Arm gewechselt sind (5). Das mediane OS betrug in der ITT-Population 29,9 Monate in der T-DM1-Gruppe vs. 25,9 Monate in der Capecitabin/Lapatinib-Gruppe (HR=0,75; p=0,0003). Darüber hinaus waren auch die unerwünschten Ereignisse – ausgenommen Thrombozytopenien – im T-DM1-Arm deutlich geringer als im Vergleichsarm.
 
Abb. 1: Therapiesequenz beim HER2-positiven metastasierten Brustkrebs.
Abb. 1: Therapiesequenz  beim HER2-positiven metastasierten Brustkrebs.

Für spätere Therapielinien liegen die Daten der THERESA-Studie vor, die ebenfalls die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von T-DM1 belegen konnten, wie Harbeck anmerkte. In der Studie war T-DM1 mit einer Therapie nach Wahl des Arztes verglichen worden (6). „Aufgrund der positiven Daten  hat T-DM1 in den AGO-Empfehlungen ein Doppelplus erhalten“, sagte Harbeck. Die Onkologin fasste die Therapiesequenz-Möglichkeiten beim HER2+ mBC, die sich anhand der neuen Erkenntnisse ergeben, zusammen (Abb. 1). „Es ist wichtig, das Wirksamste gleich am Anfang zu geben“, gab sie ihren Kollegen abschließend mit auf den Weg.
(sk)
Lunchsymposium „Zielgerichtete Therapieansätze: Heute & Morgen“, anl. des Senologiekongresses, 27.05.2016, Dresden; Veranstalter: Roche Pharma AG
Literatur:
(1) Mentuccia L et al. ASCO 2015; Abstract 549.
(2) Jackisch C et al. SABCS 2015; Poster PD5-01.
(3) Gianni L et al. Lancet Oncol 2012; 13:25-32.
(4) Swain S et al. N Engl J Med 2015; 372:724-34.
(5) Diéras V et al. SABCS 2015; P4-14-01.
(6) Krop IE et al. Lancet Oncol 2014; 15:689-99.
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