Donnerstag, 19. Oktober 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
26. Juni 2017 Seite 1/6

Fokale Therapie des Prostatakarzinoms

A. Hegele, Ltd. Oberarzt und Stv. Kliniksdirektor, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Marburg, Philipps Universität, M. Thiemer, Oberarzt, Klinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Marburg, Philipps Universität, A. Mahnken, Direktor der Klinik f. diagnostische und interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Marburg, Philipps Universität.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland. Nach dem Robert Koch-Institut zeigt sich eine steigende Inzidenz, für 2016 geschätzt auf 66.900 Neuerkrankungen. Bei Erstdiagnose findet sich bei ungefähr 75% der Patienten ein lokal begrenztes Karzinom (T1+T2). Im Spannungsfeld der therapeutischen Bandbreite des Niedrigrisiko-Karzinoms von der radikalen Prostatektomie, der Bestrahlung und der Active Surveillance ergibt sich zwangsläufig die Diskussion bezüglich einer möglichen Über- und Untertherapie. Somit rückt die fokale Therapie des Prostatakarzinoms in den Fokus dieser Diskussion. Fokale Therapieansätze werden aktuell beim lokalisierten Niedrigrisiko-Prostatakarzinom diskutiert mit dem Ziel des Organerhalts und der Reduktion von Nebenwirkungen bei maximaler onkologischer Sicherheit – speziell im Vergleich zu den oben genannten radikalen Therapieoptionen. Durch die Einführung der multiparametrischen MRT hat sich zusätzlich in den letzten Jahren ein grundlegendes Problem der fokalen Therapie – die präzise Erfassung der multifokalen Prostatakarzinom-Areale – deutlich verbessert. Inwieweit die fokale Therapie des Prostatakarzinoms aktuell eine vertretbare Alternative zu den etablierten Therapieformen wie radikale Prostatektomie, Radiatio-Therapie und Active Surveillance darstellt, ist unklar, sodass sie in den aktuellen S3-Leitlinien nicht empfohlen wird. Allerdings nimmt die Anzahl der Studien im Bereich der fokalen Therapie ständig zu, so dass wir Sie mit diesem Beitrag über unterschiedliche fokale Therapieansätze aus der Urologie, Strahlentherapie und Radiologie informieren wollen.
Anzeige:
 
 
Hochintensivierte fokussierte Ultraschallwellen (HIFU)

Bei dieser Therapie, welche schon über 20 Jahre bei Prostataerkrankungen zur Anwendung kommt, werden Ultraschallwellen mittels eines rektalen Schallkopfes appliziert. Dies führt zu einer sowohl thermischen als auch mechanischen Destruktion des Prostatakarzinoms. Aktuelle erste Studienergebnisse beziehen sich vor allem auf die Hemiablation bei unilateralem Prostatakarzinom mittels hochintensiven fokussierten Ultraschalls. In einer prospektiven Single-center-Untersuchung (n=67) erfolgte eine HIFU-Hemiablation des unilateralen Prostatakarzinoms (86,6% Gleason Score 3+3/13,4% Gleason Score 3+4). Nach 12 Monaten zeigte sich bei 85% der Patienten in der Kontroll-Biopsie kein Prostatakarzinom mehr, nach 3 Monaten zeigte sich keine therapiebedingte Inkontinenz und die Potenz konnte bei 52% erhalten werden (1). Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine aktuelle prospektive französische Multi-center-Untersuchung an über 100 Patienten: bei 95% der Patienten war nach 12 Monaten kein Prostatakarzinom histologisch zu detektieren, nach 2 Jahren waren 89% der Patienten noch ohne eine radikale Therapie bei guter Kontinenz (97%) und Potenz (78%). Die Nebenwirkungsrate war moderat und die Lebensqualität hoch (2). In Deutschland wird aktuell eine Phase-II-Studie („Hemi“, AUO AP 68/11, einarmig, nicht-randomisiert) durchgeführt mit einer ähnlichen Fragestellung zur Wertigkeit der Hemiablation mittels HIFU. Erste fokale HIFU-Therapien lediglich der Index-Läsion zeigten akzeptable Nebenwirkungen bezüglich Kontinenz und Potenz bei guter onkologischer Kontrolle nach 12 Monaten (3). Mit HIFU-Geräten der neuen Generation („Focal One“) ist nun technisch auch eine optimierte fokale Therapie ausschließlich der betroffenen Prostata-Areale durch eine Real-time-Fusion von MRT und transrektalem Ultraschall (TRUS) möglich. Ergebnisse der ersten Machbarkeitsstudien wie z.B. „Pro-Focus“ bleiben abzuwarten, um die fokale HIFU-Therapie onkologisch zu bewerten.


Vaskuläre photodynamische Therapie der Prostata (VTP)

Nach i.v. Injektion der photoaktiven Substanz Padeliporfin (Handelsname TOOKAD®) wird diese durch perineal via Template in die Prostata eingeführte Laserfasern aktiviert. Hierdurch erfolgt die Freisetzung hydroxiler Radikale mit konsekutiven Gefäßwandnekrosen und Gewebeuntergang mit dem Ziel der Hemiablation des befallenen Prostata-Seitenlappens. Für die Lagekontrolle der Laserfasern ist eine spezielle Software notwendig (TOO-GUIDE TRUS®) (4). In einer gepoolten Analyse von 3 Phase-II-Studien ließ sich 6 Monate nach VTP Therapie bei 80,6% der Patienten (n=67) histologisch kein Prostatakarzinom mehr nachweisen. In der nach 7 Tage durchgeführten Kontroll-MRT zeigte sich bei 86,3% der Patienten eine suffiziente Nekrose des therapierten Seitenlappens (4 mg/kg Padeliporfin, 200 J/cm, Lichtintensitätsindex ≥1) bei moderaten Nebenwirkungen wie perinealen Schmerzen (15,4%), Dysurie (33,3%) und Harnverhalt (11,1%) (5). Erste Daten einer multizentrischen randomisierten Phase-III-Studie (PCM301) beim Niedrigrisiko Prostatakarzinom zeigten 24 Monate nach VTP (n=206) eine im Vergleich zur Active-Surveillance-Gruppe (n=207) geringere Progression des Prostatakarzinoms (28% vs. 58%, p<0,001). Ebenso war eine Kontrollbiopsie 24 Monate nach VTP bei 49% der Patienten negativ im Vergleich zur Active-Surveillance-Gruppe mit 14% (p>0,0001). Im Verlauf war bei 6% der VTP-Patienten (vs. 29% unter Active Surveillance) die Notwendigkeit zu einer radikalen Therapie gegeben (6). Der Grund der doch hohen Progressionsrate unter Active Surveillance in der Studie im Vergleich zu anderen bereits publizierten Active-Surveillance-Studien (z.B. PRIAS) ist unklar. Kritisch ist es anzusehen, dass in dieser Studie Patienten behandelt wurden, welche möglicherweise keiner Therapie bedürfen. Die Ausweitung der Methode auch bei sekundärem Gleason-Score 4 wäre sicherlich in zukünftigen Studien sinnvoll, ebenso wie die Einbeziehung der multiparametrischen MRT vor Einschluss und Randomisierung der Patienten – dies war im Durchführungszeitraum der Studie (2011-2013) noch nicht etabliert.


Fokale Strahlentherapie der Prostata

Strahlentherapeutische Behandlungsverfahren bei Prostatakarzinomen über alle Stadien hinweg sind seit Jahren etabliert. Hierzu zählen zum einen die rein perkutane Strahlentherapie, etabliert als Photonen-Therapie, aber auch der Einsatz von Konzepten mit Protonen. Die Kombination aus perkutaner Strahlentherapie und interstitiellem brachytherapeutischem Boost, die Low-dose-rate(LDR)-Brachytherapie mit permanenter Implantation von Strahlern und auch die Mono-High-dose-rate(HDR)-Brachytherapie werden mit guten Erfolgen an vielen Zentren durchgeführt. In der deutschen S3-Leitlinie sind die genannten strahlentherapeutischen Verfahren als gleichwertige Alternativen zur radikalen Prostatektomie und zur Active Surveillance gewertet (Evidenzgrad 2+). Die einzige ausgewertete randomisierte Studie, die einen Vergleich zwischen den Modalitäten Active Surveillance, radikale Prostatektomie und Strahlentherapie untersuchte, ist die britische ProtecT-Studie. Diese zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsmodalitäten bezüglich des Überlebens. Patienten, die eine aktive Therapie erhalten hatten, zeigten eine geringere Wahrscheinlichkeit für eine Tumorprogression und für die Entstehung von Metastasen (7). Die deutsche PREFERE-Studie, die diese Fragestellung langfristig untersuchen sollte, wurde kürzlich wegen unzureichender Rekrutierung geschlossen.
 
Vorherige Seite
1 2 3...6
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
Anzeige:
Zur Fachinformation
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
NET
CUP
CML
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs