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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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30. Juni 2017

Firstline-Behandlung des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms

Interview mit Prof. Dr. med. Jacobus Pfisterer, Kiel.

Die Firstline-Behandlung mit Bevacizumab (Avastin®) und Chemotherapie ist die Standard-Option für Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (FIGO-Stadium IIIB-IV gemäß alter Klassifikation). Das gilt unabhängig von postoperativem Tumor-Rest, Lebensalter der Patientin oder Aszites. Auch im Langzeitverlauf über insgesamt 15 Monate ist Bevacizumab wirksam und gut verträglich, erläuterte Prof. Dr. Jacobus Pfisterer, Direktor des Zentrums für Gynäkologische Onkologie, Kiel, im Gespräch.
Prof. Dr. med. Jacobus Pfisterer, Kiel.
JOURNAL ONKOLOGIE: Wovon hängt der Therapie-Erfolg beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom ab?

Pfisterer:
Die Patientinnen sollten – wenn immer möglich – eine post-operativ adäquate Systemtherapie aus Bevacizumab und Chemotherapie nach „state of the art“ erhalten. Dem sollte eine Operation mit dem Ziel einer makroskopischen Tumor-Freiheit vorangegangen sein. Die Kombinationstherapie ist aber unabhängig vom Operations-ergebnis wirksam.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welchen Stellenwert besitzt Bevacizumab und Carboplatin/Paclitaxel in der modernen Firstline-Therapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms?

Pfisterer:
Die Firstline-Therapie mit Bevacizumab und Carboplatin/Paclitaxel ist die Standard-Behandlung für Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom. Sie sollte daher jeder Patientin angeboten werden, wenn keine Kontraindikationen vorliegen. Wir klären unsere Patientinnen über die Datenlage auf und weisen darauf hin, dass sich mit Bevacizumab der Krankheitsprogress deutlich hinausschieben lässt und dass die Therapie mit dem monoklonalen Antikörper in der Regel gut vertragen wird. Die meisten unserer Patientinnen entscheiden sich anschließend für die kombinierte Behandlung.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Patientinnen profitieren besonders von der Kombinationstherapie?

Pfisterer:
Im klinischen Alltag sehen wir, dass alle Patientinnen von der Firstline-Behandlung mit Bevacizumab profitieren können. Damit bestätigen sich die Daten der Subgruppenanalyse der Zulassungsstudie GOG 0218 (1, 2): Hier erreichten alle klinisch relevanten Subgruppen eine dem Gesamtkollektiv vergleichbare relative Reduktion des Rezidiv- bzw. Progressionsrisikos um etwa 30%. Eine besonders wichtige Option scheint Bevacizumab darüber hinaus für Patientinnen mit Aszites zu sein (3). Das erhöhte Progressionsrisiko dieser Patientinnen lässt sich deutlich senken und es werden erfahrungsgemäß weniger Aszites-Punktionen nötig.


JOURNAL ONKOLOGIE: Profitieren auch älteren Patientinnen ≥ 65 Jahre von Bevacizumab?

Pfisterer:
Ja, das ist durch Studiendaten (1, 2) belegt und wir sehen es auch im klinischen Alltag. In der Zulassungsstudie erreichten die älteren Patientinnen eine vergleichbar relative Reduktion des Progressionsrisikos um etwa 30%. Zudem ist das Spektrum unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei älteren Patientinnen nicht vergrößert;  lediglich Hypertonien sind im Alter häufiger. Das Alter ist aber – um das noch einmal klar zu sagen – per se kein Grund, Patientinnen keine Bevacizumab-haltige Therapie anzubieten.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie beurteilen Sie die Verträglichkeit?

Pfisterer:
Die Patientinnen vertragen Bevacizumab insgesamt sehr gut. Häufigste unerwünschte Wirkung ist die Hypertonie; diese lässt sich medikamentös allerdings gut einstellen. Proteinurien oder gastrointestinale Komplikationen sind nach unserer Erfahrung eher selten. Bei Wundheilungsstörungen geben wir Bevacizumab erst zum 2. oder 3. Zyklus – das hat sich bisher bewährt. Ich kann mich an keine Patientin erinnern, die wegen Nebenwirkungen die Therapie mit Bevacizumab beendet hat.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Rolle spielt die Therapiedauer?

Pfisterer:
Wir wissen, dass die Therapiedauer mit dem Erfolg korreliert. Daher ist wichtig, den Patientinnen Bevacizumab über insgesamt 15 Monate zu geben, sie also nach Beendigung der Chemotherapie mit Bevacizumab alleine weiter zu behandeln. Das steht so in der Fachinformation (4) und basiert auf den Studiendaten (1, 2). Unsere eigenen klinischen Erfahrungen bestätigen das im historischen Vergleich.
Literatur:
(1) Burger RA et al. N Engl. J Med 2011;365: 2473-83.
(2) Burger RA et al. J Clin Oncol 2011;29 (suppl), 337s: 5023a.
(3) Ferriss JS et al. Gyn Oncol 2015;139: 17-22.
(4) Fachinformation Avastin®, Stand: Juni 2017.


Avastin® 25 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.
Wirkstoff: Bevacizumab, ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper. Zusammensetzung: Jede Durchstechflasche Bevacizumab 25 mg/ml enthält 100 mg Bevacizumab in 4 ml bzw. 400 mg in 16 ml. Sonstige Bestandteile: ά, ά-Trehalose 2 H2O, Natriumphosphat, Polysorbat 20, Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: In Kombination mit Fluoropyrimidin-basierter Chemotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem Kolon- oder Rektumkarzinom. In Kombination mit Paclitaxel oder Capecitabin zur First-Line-Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem Mammakarzinom. In Kombination mit einer platinhaltigen Chemotherapie zur First-Line-Behandlung von erwachsenen Patienten mit inoperablem fortgeschrittenem, metastasiertem oder rezidivierendem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom, außer bei vorwiegender Plattenepithel-Histologie. In Kombination mit Erlotinib zur First-Line-Behandlung von erwachsenen Patienten mit inoperablem fortgeschrittenem, metastasiertem oder rezidivierendem nicht-kleinzelligem Nicht-Plattenepithel-Bronchialkarzinom mit Mutationen, die den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) aktivieren. In Kombination mit Interferon alfa-2a zur First-Line-Behandlung von erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem und/oder metastasiertem Nierenzellkarzinom. In Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel zur Primärbehandlung von erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primärem Peritonealkarzinom in den FIGO-Stadien IIIB, IIIC und IV. In Kombination mit Carboplatin und Gemcitabin zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit einem ersten platinsensitiven Rezidiv eines epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die zuvor noch nicht mit Bevacizumab oder mit anderen VEGF-Inhibitoren bzw. auf den VEGF-Rezeptor zielenden Substanzen behandelt wurden. In Kombination mit Paclitaxel, Topotecan oder pegyliertem liposomalem Doxorubicin zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit platinresistentem Rezidiv eines epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die zuvor mit höchstens zwei Chemotherapien behandelt wurden und die zuvor keine Therapie mit Bevacizumab oder einem anderen VEGF-Inhibitor bzw. auf den VEGF-Rezeptor zielenden Substanzen erhalten haben. In Kombination mit Paclitaxel und Cisplatin, oder alternativ mit Paclitaxel und Topotecan, bei Patienten, die keine platinhaltige Therapie erhalten können, zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit persistierendem, rezidivierendem oder metastasiertem Zervixkarzinom. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gg. den Wirkstoff, einen der sonstigen Bestandteile, CHO-Zellprodukte oder andere rekombinante humane oder humanisierte Antikörper, Schwangerschaft. Nebenwirkungen: Sehr häufig, schwer: Hypertonie, Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Händen oder Füßen, (febrile) Neutropenie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Asthenie, Fatigue, Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen. Häufig, schwer: Darmperforationen, Blutungen, einschl. Blutungen in der Lunge bei Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs, arterielle und venöse Thromboembolien, Lungenembolien, Beinvenenthrombose, Herzinsuffizienz, Wundheilungsstörungen, Rötung, sich schälende Haut, Empfindlichkeit, Schmerzen oder Blasenbildung an Fingern oder Füßen, Anämie, Lethargie, Magen- und Darmbeschwerden,  Muskel- und Gelenkschmerzen, Muskelschwäche, Dehydrierung, Schleimhautentzündung, Stomatitis, Schmerzen, einschl. Kopf-, Rückenschmerzen, Schmerzen im Becken und Analbereich, Abszess, Infektion, Sepsis, Harnwegsinfektion, Durchblutungsstörung im Gehirn oder Schlaganfall, Schläfrigkeit, Nasenbluten, Tachykardie, Ileus, Proteinurie, Dyspnoe, Hypoxie, Infekt. der Haut od. unter der Haut liegender, tieferer Schichten, Fisteln einschl. rektovaginale Fisteln beim Zervixkarzinom. Unbekannte Häufigkeit, schwer: allergische Reaktionen, negative Auswirkungen auf die Gebärfähigkeit der Frau, posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES) mit epileptischen Anfällen, Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Änderungen des Sehvermögens, hypertensive Enzephalopathie, Verstopfung sehr kleiner Blutgefäße in der Niere, pulmonale Hypertonie, Perforation der Nasenscheidewand, Magen-Darm-Perforation, Magen-Darm-Ulzera, Rektalblutungen, Kiefernekrosen, Gallenblasenperforation. Sehr häufig, nicht schwerwiegend: Verstopfung, Anorexie, Fieber, Augenbeschwerden (einschl. erhöhte Tränenbildung), Sprechstörungen, verändertes Geschmacksempfinden, laufende Nase, trockene Haut, schuppende und entzündete Haut, Hautverfärbung, Gewichtsverlust. Häufig, nicht schwerwiegend: Veränderungen der Stimme, Heiserkeit. Veränderung von Laborwerten in Blut und Urin (Neutrophile, Mineralstoffe, Blutzucker, Serumkreatinin, alkalische Phosphatase, Eiweiß).  Verschreibungspflichtig. Hinweise der Fachinformation beachten. Pharmazeutischer Unternehmer: Roche Registration Limited, UK-Welwyn Garden City. Weitere Informationen auf Anfrage erhältlich. Vertreter in Deutschland: Roche Pharma AG, 79630 Grenzach-Wyhlen. Stand der Information Juni 2017.
 
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