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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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27. Oktober 2015

18. Europäischer Krebskongress (ECC) 2015

Erstlinientherapie beim Nierenzellkarzinom: Verträglichkeit entscheidend für Therapieauswahl

Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Sunitinib und Pazopanib, die in der Erstlinientherapie des Nierenzellkarzinoms eingesetzt werden, sind vergleichbar gut wirksam, für die Auswahl der Therapie stehen primär Verträglichkeit und Patientenpräferenz im Vordergrund, wie Prof. Susanne Osanto, Leiden, bei einem Satellitensymposium von Novartis Oncology während des ECC in Wien erläuterte.

Die Erstlinientherapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms (mRCC) hat sich mit der Einführung der Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) Sunitinib und Pazopanib sowie des mTOR-Inhibitors Temsirolimus für Patienten mit hohem Risiko deutlich verbessert. Alle 3 Therapeutika gehen mit erheblichen unerwünschten Wirkungen einher, es gibt jedoch keine randomisierten Studien, in denen die Nebenwirkungen der Substanzen direkt verglichen werden. 

Belastende unerwünschte Wirkungen von TKI sind vor allem Mukositis, Fatigue, Hand-Fuß-Syndrom und Durchfall. Sie können die Lebensqualität des Patienten, die Wirksamkeit der Therapie und die Therapiekosten negativ beeinflussen. 

 

Sunitinib versus Pazopanib: vergleichbar gut wirksam

Die Wirksamkeit von Sunitinib und Pazopanib ist vergleichbar gut, wie die Ergebnisse der COMPARZ-Studie (Comparing the efficacy, safety and tolerability of pazopanib vs. sunitinib) gezeigt haben (1). Das Nebenwirkungsprofil der beiden Substanzen war in dieser Studie jedoch unterschiedlich. Fatigue, Hand-Fuß-Syndrom, Hautausschlag, Verstopfung, Dyspepsie, Stomatitis, Hypothyreose sowie Leukopenie, Thrombozytopenie, Lymphozytopenie, Neutropenie und Anämie waren unter Sunitinib häufiger, während bei Pazopanib Leberenzymwerte öfter erhöht waren als unter Sunitinib. 

Eine Meta-Analyse mit 9 Studien ergab, dass die Erhöhung der Leberenzymparameter früh im Verlauf der Therapie auftrat, im Median nach 42 Tagen (2). In 89% der Fälle normalisierten sich die Leberwerte wieder, bei 36% der Patienten sogar ohne Dosismodifikation. Es ist also nach Aussage von Osanto davon auszugehen, dass Pazopanib die Leber nicht dauerhaft schädigt. Ein in der Fachinformation beschriebener Algorithmus erleichtert das Management dieser unerwünschten Wirkung.

 

Patienten bevorzugen Pazopanib

Welche Präferenz die Patienten haben, wurde in der randomisierten, doppelblinden Cross-Over-Studie PISCES untersucht (3). In die Studie wurden nicht-vorbehandelte Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Nierenzellkarzinom eingeschlossen, die zunächst 10 Wochen mit Pazopanib (n=86) oder Sunitinib (n=82) behandelt wurden. Nach einer 2-wöchigen Washout-Periode wechselte die Pazopanib-Gruppe auf Sunitinib und die Sunitinib-Gruppe auf Pazopanib für jeweils 10 weitere Wochen. 

Abb. 1: Faktoren, die in der PISCES-Studie den Ausschlag für die Patienten-Präferenz von Pazopanib oder Sunitinib gaben, nach (3).
Abb. 1: Faktoren, die in der PISCES-Studie den Ausschlag für die Patienten-Präferenz von Pazopanib oder Sunitinib gaben, nach (3).

 

„Überraschenderweise sprach die Patientenpräferenz sehr deutlich für einen Therapiebeginn mit Pazopanib“, so Osanto. 70% der Patienten bevorzugten Pazopanib, während 22% Sunitinib als erste Präferenz hatten. Die Entscheidung für Pazopanib basierte v.a. auf besserer Lebensqualität, weniger Fatigue, Geschmacksänderungen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Erbrechen, Hand-Fuß-Syndrom und Appetitverlust (Abb. 1). Wurden die Patienten nach dem wichtigsten Parameter für ihre Entscheidung befragt, nannten die meisten als Argument für Pazopanib, dass weniger Fatigue auftrat. Auch mehr Ärzte bevorzugten Pazopanib vor Sunitinib (61% vs. 22%). 

Die unterschiedlichen Verträglichkeitsprofile der Substanzen und die hieraus folgende Patientenpräferenz sind – so das Fazit von Osanto – ein wichtiger Faktor für die Therapieauswahl.

(sh)
Satellitensymposium „Therapeutic Considerations in Advanced Renal Cell Carcinoma: A Continuum of Care“, 25.09.2015, Wien; Veranstalter: Novartis
Literatur:

(1) Motzer RJ, et al. N Engl J Med 2013;369:722-731.

(2) Powles T, et al. Eur J Cancer 2015;51:1293-1302.

(3) Escudier B, et al. J Clin Oncol 2014;32:1412-1418.

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