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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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18. Oktober 2013

Die Rolle des Cholin-PET/CT in der Primär- und Rezidivdiagnostik des Prostatakarzinoms

P. J. Olbert1, J. Heinis2, A. Hegele1, 1Klinik für Urologie und Kinderurologie, Prostatakarzinomzentrum im CCC Marburg, 2Klinik für Nuklearmedizin, Prostatakarzinomzentrum im CCC Marburg.

Unnötige Diagnostik und daraus resultierende Übertherapie des Prostatakarzinoms (PCA) sind Gegenstand intensiver Diskussion in den urologischen Fachgesellschaften, aber auch in der Öffentlichkeit und in der Laienpresse. Sensitive und spezifische diagnostische Methoden könnten ein Weg sein, zur Lösung dieser Problematik beizutragen. Das Cholin-PET/CT ist in der Lage, im Rahmen einer Fusionsbildgebung anatomisch/morphologische Informationen mit metabolisch-funktionellen Daten zu kombinieren. Trotz vielversprechender präklinischer und interessanter, initialer klinischen Daten hat die kostenintensive und logistisch anspruchsvolle Methode bislang nicht Eingang in die klinische Routine gefunden, die Aussagen der europäischen und deutschen Leitlinien sind nach wie vor vorsichtig und zurückhaltend. Ziel dieser Übersicht ist es, sowohl für die initiale Diagnostik des PCA als auch für Staging und Diagnostik im biochemischen Rezidiv für einen Überblick über die aktuelle Datenlage zum Cholin-PET/CT zu geben und Hinweise darauf zusammenzufassen, wo in der Zukunft bei Umsetzung entsprechender klinischer Forschungsprojekte die Rolle dieser innovativen Technologie liegen kann.

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Einleitung und Problemstellung

Die korrekte und risikoadaptierte Indikationsstellung für die unterschiedlichen Therapieoptionen beim PCA steht und fällt in allen Erkrankungsstadien mit einer möglichst präzisen Diagnostik. Beim lokalisierten PCA steht neben der Abschätzung des Progressionsrisikos insbesondere die lokale Tumorausbreitung und die exakte Diagnose von Lymphknotenmetastasen im Vordergrund. Im Rezidiv nach lokaler Therapie oder im Progress unter active surveillance ist die Unterscheidung zwischen lokaler (Prostata oder Anastomosenregion) oder systemischer Ausbreitung möglicherweise therapieentscheidend. Die Wertigkeit komplexer und kostenintensiver, bildgebender Verfahren in der Primär- und Rezidivdiagnostik des PCAs wird (trotz unbestreitbarer Verbesserungen in den letzten Jahren) aufgrund methodischer Schwächen und nicht zuletzt auch mangels reproduzierbarer Daten kontrovers diskutiert und auch in den Leitlinien eher zurückhaltend beurteilt (1, 2).

Der Reiz der Positronen-Emissionstomographie (PET), insbesondere in Fusionstechnik mit konventioneller Computertomographie (PET/CT) besteht in der Kombination morphologischer und funktioneller Informationen in einem Bilddatensatz, metabolisch aktive Regionen im PET können also definierten anatomischen Strukturen im CT zugeordnet werden, was das Verfahren naturgemäß für Tumorerkrankungen hochinteressant macht. Alberini et al. konnten bei Untersuchungen an über 19.000 Patienten bei ca. 80% der untersuchten Patienten Befunde erheben, die Einfluss auf die weitere Therapie hatten. Bei einer Subgruppe von über 2.000 Patienten mit positiven Tumormarkern aber negativer Bildgebung konnte mit einer Sensitivität von 97% eine Tumormanifestation in der PET/CT nachgewiesen werden (3). Bei verschiedenen Tumorentitäten, z.B. zur Metastasensuche beim Mammakarzinom, beim kolorektalen Karzinom oder zum Staging beim Ösophaguskarzinom oder aber bei Kopf-Hals-Tumoren hat die PET/CT (insbesondere mit 18-Fluordesoxyglucose, FDG) bereits Eingang in die klinische Routine für Primärdiagnostik und Verlaufskontrolle gefunden (4).

Diese Übersicht soll zunächst eine kurze Einführung über technische Details der Cholin-PET/CT beim PCA geben, hiernach wird - ausgehend von den aktuellen Statements der deutschen und europäischen Leitlinien - ein Überblick über die aktuelle Datenlage in der Primär- und Rezidivdiagnostik gegeben.

Cholin-PET/CT: Hintergrund und verwendete Radionuklide

Aufgrund der unzureichenden Aufnahme von FDG, insbesondere bei gut differenzierten und kleinvolumigen PCAs (5, 6) kommen beim PCA in erster Linie Tracer auf der Basis von radioaktiv markiertem Cholin, insbesondere C11-Cholin oder F18-Cholin zur Anwendung. Weiterhin besteht die Möglichkeit zur PET/CT-Fusionsbildgebung mit F18-Dihydrotestosteron, C11-Acetat und C11-Methionin (7-9). Da sich die überwiegende Mehrzahl der verfügbaren Studien und auch die Empfehlungen der Leitlinien auf das Cholin-PET/CT beziehen, beschänkt sich diese Übersicht auch auf diese Tracer.

Cholin ist ein Substrat des Phospholipidstoffwechsels und somit auch der Zellmembransynthese und wurde erstmals 1998 für die Bildgebung beim PCA beschrieben (10). Die Ra-tionale für die Verwendung von Cholin in der Bildgebung des PCAs beruht auf der erhöhten Aufnahme und dem gesteigerten Umsatz von Cholin in PCA-Zellen, wobei auch verschiedene Schlüsselenzyme des Cholinstoffwechsels hochreguliert sind (11). Eine Überexpression von wichtigen Molekülen des Cholin-Transports konnte ebenso nachgewiesen werden. Der zelluläre Aufnahmemechanismus und der intrazelluläre Metabolismus für C11- und F18-Cholin sind vergleichbar (12-14), ebenso die rasche Aufnahme in Primärtumor und Metastasen (12, 15), und beide Tracer werden in der Literatur für ein ähnliches Indikationsspektrum verwendet. Hierbei ist zu beachten, dass sich die Halbwertszeit (HWZ) der beiden Tracer beträchtlich unterscheidet. C11-Cholin ist mit einer HWZ von 20 min Einrichtungen vorbehalten, die über die radiochemischen Einrichtungen zur Tracerherstellung (Zyklotron) am Standort oder in unmittelbarer Standortnähe verfügen. Für F18-Cholin ist bei einer HWZ von 110 Minuten ein Transport des Tracers über etwas größere Distanzen möglich, beide Verfahren erfordern jedoch eine genaue, logistische Planung der Untersuchung gemeinsam mit dem Patienten oder dem Zuweiser.

Die physiologische Aufnahme beider Tracer in Gewebe und Organe sowie die Ausscheidung der Tracer weisen gewisse Unterschiede auf. Während beide in Speicheldrüsen, Leber, Milz, Pankreas und Darm aufgenommen werden, wird F18-Cholin vermehrt über die Harnwege ausgeschieden, was die diagnostische Genauigkeit im Bereich der Prostata, der Anastomosenregion oder auch der pelvinen Lymphknoten durch Signalüberlagerung des in der Blase gespeicherten Urins erschweren kann (16).

Obwohl die chemisch-physikalischen Eigenschaften von radioaktiv markiertem Cholin sowie die präklinischen Daten und auch einige frühe klinische Studien Anlass zu der optimistischen Vermutung geben, dass die Fusionsbildgebung aus PET und CT für die Diagnostik des PCAs im initialen Staging und in der Rezidivdiagnostik einen echten Fortschritt darstellen könnte, beurteilen die Leitlinien die Daten- und Sachlage eher kritisch: Im ersten Update der deutschen S3-Leitlinie empfiehlt die zuständige Arbeitsgruppe mit einem Übereinstimmungsgrad von 93 bzw. 100%, zur Primärdiagnostik und zum Staging die Durchführung eines PET-CT nicht. In der Rezidivdiagnostik wird diese negative Empfehlung auf Patienten mit einem PSA-Wert unter 1 ng/ml beschränkt, andererseits wird hieraus keine explizit positive Empfehlung für Patienten mit höheren PSA-Werten abgeleitet. Der geringere Übereinstimmungsgrad von nur 83% deutet hier einen höheren Diskussionsbedarf an (2). Auch die Guideline der EAU empfiehlt die routinemäßige Durchführung in den genannten Szenarien nicht, auch hier wird die Wertigkeit des Verfahrens in der Rezidivdiagnostik jedoch etwas positiver beurteilt als in der initialen Diagnostik/Staging (1).

Welche Daten rechtfertigen diese kritische Sichtweise und was für Forschungsbemühungen können hilfreich sein, um den Stellenwert der PET/CT-Diagnostik beim PCA besser einordnen zu können?

Das Cholin-PET/CT in der Primärdiagnostik

Die diagnostische Aussagekraft in der Primärdiagnostik des PCAs wurde von verschiedenen Arbeitsgruppen bei verhältnismäßig kleinen Fallzahlen mit unterschiedlichen Ergebnissen untersucht.

Reske et al. untersuchten das Ergebnis der C11-Cholin-PET/CT an einem Kollektiv von 26 Patienten mit bioptisch gesichertem PCA vor radikaler Prostat-ektomie. Die Wertigkeit dieser Serie beruht in der exakten, segmentalen Validierung des PET/CT-Ergebnisses anhand des Prostatektomie-Präparates bei allen Patienten (17). In der getrennten Analyse von 936 histopathologischen Segmenten konnte ein signifikanter Unterschied im Standardized Uptake Value (SUVmax) zwischen PCA und normalem Prostatagewebe nachgewiesen werden. Dieser Unterschied war bei PCA-Foci > 5 mm noch deutlicher (3,5 bzw. 3,8 vs. 1,7; p>0,001). Eine Abgrenzung zu BPH oder Prostatitis war trotz einer gewissen Überschneidung ebenfalls möglich, eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen benignen Diagnosen jedoch nicht. Bei einem SUV von 2,65 war die Sensitivität 81%, die Spezifität 87% und die Vorhersagegenauigkeit 84%. Eine Korrelation des SUVmax mit PSA-Wert oder Gleason-score konnte nicht gezeigt werden, was sich mit den Beobachtungen anderer Arbeitsgruppen deckt (18, 19).

Farsad et al. konnten diese Ergebnisse bei einem ähnlichen Kollektiv, bei dem das Prostatektomiepräparat in Sextanten aufgearbeitet und mit den entsprechenden Untersuchungsvolumina des C11-Cholin-PET/CT verglichen wurde, mit einer Sensitivität von 66%, einer Spezifität von 81% und einer Vorhersagegenauigkeit von 71% nicht reproduzieren, der negative prädiktive Wert lag hier bei nur 55% (18).

Testa et al. verglichen an einer mit 26 Patienten ebenfalls nur begrenzten Patientenkohorte vor radikaler Prostat-ektomie die C11-Cholin-PET/CT mit konventioneller MRT und MR-Spektroskopie. Die Befunder der bildgebenden Verfahren waren hierbei für die klinisch-pathologischen Befunde der radikalen Prostatektomie verblindet, waren jedoch über das positive Biopsieergebnis informiert. Bei insgesamt enttäuschenden Korrelationen zwischen Bildgebung und Histologie konnten keine relevanten Unterschiede zwischen PET/CT und MRT festgestellt werden. Die höchste Sensitivität wurde bei den Patienten erzielt, bei denen entweder MRT oder MR-Spektroskopie positiv waren, allerdings auf Kosten eines erheblichen Spezifitätsverlustes (20).

Tabelle 1 fasst die wichtigsten Rahmendaten einiger Arbeiten zur Primärdiagnostik des PCA zusammen.

Tab. 1: Rahmendaten einiger Arbeiten zur Primärdiagnostik des Prostatakarzinoms.


Prinzipiell unterliegt die Diagnostik der nativen Prostata gewissen Einschränkungen. Der Tracer-Uptake unterliegt, auch wenn bei Wahl eines entsprechenden Cut-off-Wertes eine Diskriminierung von PCA und Normalgewebe möglich erscheint, Überschneidungsbereichen zwischen BPH/Entzündung und PCA, die zu breit sind, um eine Therapieentscheidung oder die Indikation zu Biopsie zu rechtfertigen (17). Die zentralen Drüsenanteile zeigen häufig eine stärkere Tracer-Akkretion als die peripheren Bereiche, gut differenzierte, wenig proliferative sowie Tumorknoten unter 5 mm sind - der Auflösung gebräuchlicher PET/CT-Systeme entsprechend -, wahrscheinlich so gut wie nie nachweisbar und die Vorhersagegenauigkeit bezüglich des zu erwartenden Tumorstadiums ist nicht ausreichend (21, 23). Eine fokale Tracer-Anreicherung rechtfertigt einen Verdacht auf ein malignes Geschehen (23), andererseits können auch nicht maligne Ursachen eine fokale Tracer-Akkretion bedingen (22, 24). Hilfreich kann sein, dass eine moderate, fast immer zu beobachtende, nicht fokale Tracer-Aktivität in der Prostata nur sehr unwahrscheinlich eine maligne Ursache hat (23, 24). Die Beurteilung einer Cholin-PET/CT erfordert also neben einer standardisierten und reproduzierbaren Untersuchungstechnik viel Erfahrung des Befunders.

Ein kürzlich publizierter systematischer Review mit Meta-Analyse von Umbehr et al. bestätigt anhand der Analyse von gepoolten Daten aus 44 Publikationen, dass die Cholin-PET/CT für die Primärdiagnostik des PCA noch nicht mit hohem Evidenzgrad empfohlen werden kann, auch wenn vielversprechende Ansätze erkennbar sind (25).

Ein weiterer systematischer Review von Evangelista et al. (26) stellt den Nutzen der Cholin-PET/CT zur Lymphknotendiagnostik im primären, präoperativen Staging von intermediate- und high-risk-Patienten in Frage. Dies ist in der gepoolten Datenanalyse von 18 Studien insbesondere der mangelnden Sensitivität geschuldet (49,2%).

Aufgrund der genannten Limitierungen und fehlender, konfirmatorischer, prospektiver Daten kann das Cholin-PET/CT zum jetzigen Zeitpunkt für die Primärdiagnostik zur Biopsie- oder Therapieplanung nicht empfohlen werden. Auch bei besserer räumlicher Auflösung des PET und Kombination nicht mit dem CT sondern mit dem für die Primärdiagnostik des lokalisierten PCA ohnehin besser geeigneten MRT - entsprechende Systeme sind in der Entwicklung und klinischen Erprobung - sind prospektive, multizentrische Studienprotokolle mit zentralem, verblindetem Review von Bildgebung und Histologie notwendig, um eine breite klinische Anwendung dieser kostenintensiven Verfahren zu rechtfertigen. Die Konsequenz für die Therapieentscheidung muss immer ein im Vordergrund stehender Endpunkt solcher Studien sein, deren organisatorischer und finanzieller Aufwand erheblich ist.

Das Cholin-PET/CT in der Rezidivdiagnostik

In der Rezidivdiagnostik ist der Cholin-PET/CT aufgrund der therapieentscheidenden Diskriminierung zwischen einem rein lokalen Rezidiv im Bereich der vesikourethralen Anastomose und einem systemischen Rezidiv (Lymphknoten- oder Fernmetastasierung) bei differenziertem Einsatz ein größerer Stellenwert beizumessen. Problematisch bei der Beurteilung aller Studien in diesem Szenario ist die Validierung des erhobenen PET/CT-Befundes. Die Validierung erfolgt nur teilweise durch histologische Sicherung (Biopsie der Anastomose oder eines Lymphknotens); in vielen Fällen wird das bildgebende oder biochemische Ansprechen oder nicht-Ansprechen auf eine eingeleitete Therapie als indirekte Validierung genutzt, die genauen Definitionen hierfür differieren erheblich, sind häufig nicht präzise definiert und erschweren eine Vergleichbarkeit der Studien beträchtlich. Die PSA-Abhängigkeit der Ergebnisse ist außerdem im Gegensatz zur Primärdiagnostik des PCA groß.

Umbehr et al. (24) konnten in der bereits o.a. Meta-Analyse zeigen, dass der Evidenzgrad zur Unterstützung der PET/CT im Re-Staging-Szenario bei biochemischem Rezidiv höher ist als in der Primärdiagnostik. Die Arbeitsgruppe betont jedoch die Bedeutung der Patientenselektion; prädiktive Parameter wie PSA-Wert, PSA-Dynamik und initiales T-Stadium sollten berücksichtigt werden, um von vornherein falsch-negative Ergebnisse zu vermeiden.

Reske et al. erzielten an solch einer inhomogenen Kohorte nach radikaler Prostatektomie mit einer Mixtur von Validierungsmethoden eine Sensitivität von 73%, eine Spezifität von 88% und eine Vorhersagegenauigkeit von 78% (25).

Giovacchini et al. beschrieben kürzlich eine retrospektive, aber große Serie von 358 Patienten, die nach radikaler Prostatektomie ein C11-Cholin-PET-CT im Rahmen der Diagnostik bei biochemischem Rezidiv erhielten (26). Das PSA-Rezidiv war mit 2 konsekutiven PSA-Werten > 0,2 ng/ml definiert, der mittlere PSA-Wert der Kohorte lag bei 3,77, der Median bei 1,27 ng/ml. Mit 40% hatte ein erheblicher Anteil der Patienten einen PSA-Wert < 1 ng/ml. Die Einstufung des PET-Ergebnisses als positiv erfolgte durch histopathologische Sicherung, Nachweis einer bildgebenden und/oder biochemischen Progression im Follow up bzw. Nachweis einer bildgebenden oder biochemischen Remission nach Einleitung einer aktiven systemischen, radioonkologischen oder chirurgischen Therapie. Sensitivität, Spezifität und Vorhersagegenauigkeit lagen bei diesem gut definierten Kollektiv bei 85, 93 und 89%. Unabhängige Prädiktoren eines richtig positiven PET/CT-Befundes waren in der Multivarianz-Analyse der PSA-Wert, das Patientenalter, ein bereits früher nachgewiesenes, biochemisches Rezidiv, und ein lokal fortgeschrittenes Tumorstadium oder Lymphknotenmetastasen bei der radikalen Prostatektomie. In der ROC-Analyse erwies sich ein PSA-Schwellenwert von 1,4 ng/ml als bester Diskriminator zwischen positiven und negativen PET/CT-Ergebnissen.

In der Rezidivdiagnostik beim PSA-Rezidiv nach perkutaner Strahlentherapie konnten Breeuwsma und Mitarbeiter eine Sensitivität von 84% und eine Vorhersagegenauigkeit von 84% für das Vorliegen eines lokalen, regionären oder systemischen Rezidivs erzielen. Ein negativer prädiktiver Wert von nur 44%, eine Vielzahl verschiedener Validierungsmethoden und die Verwendung eines nicht integrierten PET/CT-Systems mit nachträglicher Fusionierung der Bilddatensätze erlauben noch keine suffiziente Aussage über den Stellenwert der Cholin-PET/CT in diesem Szenario, insbesondere nicht für die sichere Diagnostik des rein intraprostatischen Rezidivs (27). Die Differenzierung der Tracer-Akkretion in Tumorrezidiv und bestrahltem rezidivfreien Gewebe mit oder ohne inflammatorische Komponente ist außerdem bislang schlecht definiert (28, 29).

C11-Cholin kann für die Detektion von Lymphknotenmetastasen des PCA, die sich in anderen Bildgebungsverfahren anatomisch nicht abgrenzen lassen, nützlich sein. So konnte in 2 Studien mit histopathologischer Bestätigung der tumorbefallenen Lymphknoten eine Sensitivität von 60-100%, eine Spezifität von 66-98% und eine Vorhersagegenauigkeit von 88-92% erzielt werden (30, 31). Im Vergleich hierzu zeigen CT und MRT in einer Meta-Analyse der radiologischen Literatur eine Sensitivität von 26-56% bzw. 22-56% und Spezifität von 80-83% bzw. 79-83% (32). Ein erhöhtes Risiko für falschpositive Befunde und somit auch für die Übertherapie tatsächlich benigner, fälschlich als Metastasen eingeschätzter Lymphknoten scheint v.a. im Bereich der distalen, nahe dem Leistenband gelegenen, extern iliacalen Lymphknoten zu bestehen (31, 33).

Schlussfolgerungen

Das PCA ist eine heterogene Erkrankung, deren unterschiedlich aggressive Ausprägung eine differenzierte Diagnostik erfordert. Die Anwendung des PET/CT in der Diagnostik des Prostatakarzinoms sollte im Kontext mit den Limitierungen und Herausforderungen des Verfahrens selber und der anderen bildgebenden Modalitäten gesehen werden. Die Indikationsstellung sollte unter Berücksichtigung etablierter, prädiktiver Faktoren erfolgen.

C11- und F18-Cholin werden in zunehmender Frequenz v.a. in der Dia-gnostik des biochemischen Rezidivs verwendet, um zwischen lokalisierter und systemisch disseminierter Erkrankung unterscheiden zu können. Die Sensitivität des Verfahrens korreliert in diesem Szenario streng mit der Höhe des PSA-Wertes und ist unter einem PSA von 1 ng/ml wenig sensitiv. Prinzipiell ist die Auflösungsgrenze der PET-CT von etwa 5 mm zu beachten.

In der Primärdiagnostik erscheinen Sensitivität und räumliche Auflösung nicht ausreichend, um eine Anwendung in der diagnostischen Routine zu rechtfertigen, dies gilt sowohl für den Primärtumor als auch für die Lymphknotendiagnostik. Die Einflussfaktoren auf die Sensitivität sind in der Literatur außerdem widersprüchlich und bislang schlecht definiert.

Die Notwendigkeit prospektiver, klinischer Studien zu den verschiedenen Bildgebungsmodalitäten, so auch zum Cholin-PET/CT mit unterschiedlichen Tracern an homogenen Patientenkollektiven mit gut definierten, an risikoadaptierten Therapieentscheidungen orientierten Endpunkten kann nicht genug betont werden. Nur auf diesem Weg können moderne und innovative, aber auch kostenintensive diagnostische Verfahren eine bessere Evidenzbasis für hochqualitative Leitlinien erreichen.


 

PD Dr. med. Peter J. Olbert

Klinik für Urologie und Kinderurologie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg
Baldingerstrasse
35033 Marburg

Tel.: 06421/58-62573
Fax: 06421/58-65590
E-Mail: peter.olbert@med.uni-marburg.de



Abstract


P. J. Olbert1, J. Heinis2, A. Hegele1, 1Klinik für Urologie und Kinderurologie, Prostatakarzinomzentrum im CCC Marburg, 2Klinik für Nuklearmedizin, Prostatakarzinomzentrum im CCC Marburg

Overdiagnosis and resulting overtherapy in prostate cancer are under intensive discussion both in the urologic communities and in the public. Sensitive and specific diagnostic modalities could be one step forward to overcome this problem. Choline PET/CT provides fusion imaging that combines anatomic/morphological information with metabolic/functional data. Despite promising preclinical data and interesting, initial clinical results, this cost intensive and logistically demanding technology has not yet found its way into clinical routine, the German and European guidelines’ recommendations are careful and reluctant. This review has the goal (1) to give an overview of the recent data both on initial diagnosis and on staging/diagnosis for biochemical recurrence by Choline PET/CT and (2) to summarize the possible role of this innovativ technology in the future, if adequate research projects can be realized.

Keywords: prostate cancer, cholin, PET/CT, staging, diagnosis, relapse



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