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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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14. November 2013

Bildgebung des mRCC im Zeitalter der "Targeted Therapies" - ist RECIST noch aktuell?

S. Rheinheimer, A. H. Mahnken, Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Marburg.

Die RECIST-Klassifikation gilt aktuell als Standard für klinische Therapiestudien bei soliden Tumoren einschließlich des metastasierenden Nierenzellkarzinoms. Sogenannte "Targeted Therapies" haben auf die Größe von Läsionen einen geringeren Einfluss als klassische Chemotherapie-Schemata. Entsprechend bildet die auf Veränderungen der Tumorgröße ausgelegte RECIST-Klassifikation ein Therapieansprechen nicht ideal ab. Andere radiologische Kriterien für ein Therapieansprechen, die durch teils automatisierte Bildbearbeitungsverfahren und durch neuartige funktionelle Darstellungen zugänglich werden, müssen zusätzlich Einzug in klinische Studien erhalten. Neuere Kriterien, wie Änderungen der Binnenstruktur von Nierentumorgewebe, werden zur Entwicklung neuer "Response"-Kriterien beitragen. Dieser Artikel fasst den aktuellen Stand der Bildgebung des metastasierenden Nierenzellkarzinoms hinsichtlich der "Response"-Bewertung zusammen und zeigt neue bildgebende Ansätze einer Therapiebewertung auf.

Einleitung

Bereits mit Einführung wurde die Computertomographie (CT) zum diagnostischen Goldstandard für die bildgebende Diagnostik des Nierenzellkarzinoms (RCC). Unverändert ist sie heute Standard für die Diagnostik von Nierenläsionen geblieben und auch Ursache zahlreicher Zufallsdiagnosen geworden. Zusätzlich zur Detektion von Läsionen sind Charakterisierung, Staging, zeitliche Verlaufsbeurteilung und Beurteilung von Interventionsmöglichkeiten Aufgaben der Bildgebung. Bei metastasierenden Nierenzellkarzinomen (mRCC) muss das Therapieansprechen akkurat aufgezeigt werden, damit Therapieanpassungen frühzeitig möglich sind und Nebenwirkungen sowie Kosten gemindert werden. Nicht zuletzt ist dies auch für die Erforschung neuer Therapien wichtig.

Nierenzellkarzinome sind genetisch und morphologisch in sich heterogen. Vor Therapie und im Verlauf zeigen RCCs häufig eine unscharfe Abgrenzbarkeit, zystische Grundstruktur, Nekrosen, Einblutungen, irregulärer Formen wie beispielsweise Cava-Tumorzapfen, und schwer abschätzbare bindegewebige Strukturveränderungen. Damit sind Staging und vor allem Re-Staging nach Therapiebeginn anspruchsvoll und bedürfen des Einsatzes von Kontrastmitteln. Ein zuverlässiges Staging ist nicht immer möglich. So können z.B. nicht kontrastierte Areale durch therapiebedingte Nekrosebildung oder Einblutungen wie ein Tumorprogress wirken, was als sogenannte "Pseudoprogression" bezeichnet wird (1). Weiterhin können Binnenstrukturen und physiologische Eigenschaften sich unabhängig von einer Therapie und möglicherweise auch unter Therapie erheblich verändern. Interventionelle Eingriffe wie Chemoembolisation, Thermoablation und Bestrahlung von Primärtumor oder Metastasen beeinflussen zusätzlich die radiologische Abgrenzbarkeit der Läsionen und können die Einschätzung einzelner Tumore unmöglich machen.

Aus der Therapie des hepatozellulären Karzinoms (HCC) ist bereits seit Längerem bekannt, dass die klassischen Response Evaluation Criteria in Solid Tumors (RECIST) nur bedingt zur Beurteilung eines Therapieansprechens nach interventioneller Lokaltherapie oder auch nach Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren geeignet sind. Demzufolge wurden modifizierte Kriterien entwickelt und klinisch evaluiert („mRECIST“). Angesichts ähnlicher therapeutischer Entwicklungen stehen derartige Entwicklungen auch für das mRCC an.

Aktuelle Bildgebung des mRCC

Entscheidend für die bildgebende Charakterisierung einer Nierenläsion ist die Kontrastmittelaufnahme als Surrogat für die Tumorperfusion. Die Hemmung der Perfusion ist der Ansatzpunkt moderner "Targeted Therapies". Als Therapieansprechen wird die Abnahme der Kontrastmittelaufnahme betrachtet. Eine hohe komplementäre Aussagekraft bezüglich Nierenläsionen haben kontrastmittelgestützte Sonographie, CT und Kernspintomographie (MRT) (2). In Abhängigkeit vom individuellen Risikoprofil (Allergien, Nierenversagen, Metallimplantate usw.) kommen diese Verfahren ergänzend zum Einsatz.

CT- und MRT-Untersuchungen sollten neben einer nativen Untersuchung eine arterielle und spät-venöse und nephrographische Kontrastphase umfassen. In Einzelfällen kann diese um eine weitere Ausscheidungsphase nach ca. 7 bis 10 Minuten ergänzt werden (2). So kann die Binnenstruktur und die Ausdehnung der Läsion zuverlässig erkannt und von benignen Läsionen abgegrenzt werden. Im CT entspricht eine Zunahme der CT-Dichtwerte um > 15 Hounsfield-Einheiten (HU) einer Kontrastmittelaufnahme, geringere Dichteänderungen müssen als Artefakt, sogenanntes "Pseudoenhancement", betrachtet werden.

Vorteil der CT gegenüber der MRT ist neben der nahezu ubiquitären und schnellen Verfügbarkeit, die gleichzeitig mögliche Abklärung von thorakalen und abdominellen Weichteil- und Knochenmetastasen. Weiterhin ermöglicht die CT ohne zusätzlichen Aufwand eine verbesserte Operationsplanung durch die Verfügbarkeit von CT-angiographischen Bildern (2). Demgegenüber weist die MRT einen höheren intrinsischen Weichteilkontrast auf, was ein exaktes lokales Staging vereinfacht. Über die mittels CT oder MRT bestimmte Tumorperfusion können Aussagen zum histologischen Grading des RCC gemacht werden; eine gesteigerte Tumorperfusion korreliert hier mit einem höheren histologischen Grading und somit einer höheren Aggressivität des Tumors (3). Weiterhin gibt es Hinweise, dass RCC mit hoher Kontrastmittelaufnahme ein besseres Ansprechen auf "Targeted Therapies" zeigen (4).

Die Sonographie hat durch Bildqualitätsoptimierungen wie Tissue Harmonic Imaging, Spatial-Compounding-Technik und Speckle-Reduction-Technik, 3D-Techniken und mit der Einführung von Ultraschall-Kontrastmitteln sowohl beim Nachweis als auch der Charakterisierung von zystischen Nierenveränderungen zu den anderen dynamisch kontrastverstärkten Schnittbildverfahren aufgeschlossen (5). Dennoch eignet sie sich nicht zum Staging des mRCC, da die erhobenen Daten Untersucher-abhängig sind und Fernmetastasen nicht erfasst werden (6). Allerdings wird der Einsatz der Perfusions-Sonographie zur Einschätzung des Therapieansprechens untersucht. Erste, vorab publizierte Ergebnisse legen nahe, dass eine Therapieanpassung auf Basis von sonographischen Perfusionsmessungen umsetzbar ist - ähnlich der bereits etablierten CT- und MR-Perfusionsbildgebung.

Therapien und Prognosefaktoren des mRCC


Abgesehen von einer solitären Metastasierung, welche chirurgischen oder lokal-ablativen Therapien zugänglich ist, bedeutet die Diagnose eines mRCC derzeit eine palliative therapeutische Vorgehensweise. Abhängig von der klinischen Situation des Patienten ist die Tumorlast nicht der alleinige prognosebestimmende Aspekt des Patienten und muss in den klinischen Kontext gesetzt werden. Neben der histologischen Einteilung und dem TNM-System wurde eine Fülle von klinischen Scoring-Systemen zur Prognoseeinschätzung beschrieben (z.B. Motzer- und Heng-Kriterien). Neben vielen weiteren Parametern sind eine lange Zeit bis zum Therapiebeginn, ein niedriger Karnofsky-Index, eine hohe Laktat-Dehydrogenase (LDH), ein niedriger Hämoglobinwert und ein kurzer zeitlicher Abstand zwischen Tumornephrektomie und Auftreten von Metastasen prognoseverschlechternd. Die Suche nach geeigneten prädiktiven Biomarkern, z.B. aus dem "Von-Hippel-Lindau-Pathway" oder mittels "Vascular Endothelial Growth Factor"-Spiegel, dauert an.

"Targeted Therapies" sind inzwischen die Leitlinientherapie von mRCC, wobei ein progressionsfreies Intervall (PFS) meist für wenige Monate erreicht wird. Zu den "Targeted Therapies" gehören Angiogenese-, Multikinase- und mTOR-Inhibitoren, welche die Immuntherapien abgelöst haben. Zahlreiche weitere Substanzen, wie z.B. c-Met-Inhibitoren werden erprobt (7). Allen gemeinsam ist ein Einfluss über zahlreiche Wachstumsfaktoren auf die Angiogenese. Die mTOR-Inhibitoren beeinflussen zudem direkt die Glykolyse. Anders als zytotoxische Chemotherapeutika hemmen diese modernen Therapeutika die Tumoraktivität und haben einen geringeren Einfluss auf die Größe der Läsionen.

RECIST


Standard für die objektivierte radiologische Beschreibung des Therapieansprechens bei metastasierten soliden Tumoren, inklusive dem mRCC, sind die RECIST-Kriterien (Tab. 1) (6). Es handelt sich dabei um einen Zugang zum Therapieansprechen, der auf der Summation der Durchmesser von Einzelläsionen (Target-Läsionen) basiert (Abb. 1), die bei Erstbestimmung anhand definierter Kriterien festgelegt werden.
 

Tab. 1: Vereinfachte Zusammenfassung der RECIST-Kriterien.
TL=Targetläsion; NTL=Non-Targetläsion; CR=Komplette Remission; PR=Partielle Remission; PD=Progressive Erkrankung; SOL="sum of lesions", Summe der Durchmesser der TL.
 

Schon bei der Einführung wurden die unidirektionalen Messkriterien und die technisch-historisch entstandene, willkürliche Einteilung der Response-Schritte - auch von den Autoren dieser Klassifikation selbst - kritisch diskutiert. Jedoch belegen große Studiendatenbanken die prognostische Aussagekraft von RECIST. Trotz der bekannten Limitationen kommen diese vergleichsweise einfach anwendbaren Kriterien in klinischen Studien der Phase II und III zum Einsatz (8). Damit entscheidet die Reliabilität von RECIST über die Anwendung neuartiger Tumortherapien und über Therapieindikationen. Verglichen mit herkömmlichen Therapieregimen ist bei "Targeted Therapies" trotz gesichert längerem PFS eine nach RECIST niedrigere Rate des Therapieansprechens erhoben worden (1, 9). Daher werden andere radiologisch objektivierbare Parameter gesucht, die besser mit dem PFS korrelieren. Die aktuelle radiologische Beurteilung eines Therapieansprechens wird in der Literatur kritisch diskutiert (1, 10). Im Folgenden soll auf Neuerungen und Forschungsansätze in der bildgebenden Beurteilung eines Therapieansprechens bei mRCC eingegangen werden.
 

Abb. 1: 63 Jahre alter Patient mit pleural metastasierendem klarzelligem Nierenzellkarzinom rechts (G3 pT3a PN0 pM1, L0 V1 Pn0 R0). Pleurametastase 3 Monate nach Beginn der Therapie mit Pazopanib (links) und 1 Jahr nach Therapiebeginn. Die Größe der zystisch transformierten Pleurametastase ist leicht rückläufig, bei klinisch beschwerdefreiem Patienten. Dies entspricht einer "stable disease" nach RECIST.
 

Alternativen zu RECIST

In Anlehnung an die radiologische Bildgebung des HCC werden in der Literatur sowohl Modifikationen von RECIST als auch andere, alternative Kriterien des Therapieansprechens vorgeschlagen (Tab. 2). Die für die Beurteilung des HCC entwickelten mRECIST-Kriterien setzen beispielsweise als Parameter der "Complete Response" das Verschwinden der arteriellen Kontrastmittelaufnahme voraus. Diese Überlegungen werden derzeit auch auf die Bildgebung des mRCC übertragen.
 

Tab. 2: Zusammenstellung verschiedener alternativer Parameter eines Therapieansprechens.
CR=Komplette Remission; PR=Partielle Remision; SD=Stabile Erkrankung; PD=Progressive Erkrankung; DM=Durchmesser; KM=Kontrastmittel; TL=Targetläsion; NTL=Non-Targetläsion; SOL="Sum of Lesions", Summe der Durchmesser der TL; SUV="standardized uptake value" in der PET; FDG=Fluorodesoxyglucose; FLT=Fluorodesoxythymidin; TKI=Tyrosinkinaseinhibitor; PFS=Progressionsfreies Überleben; TTP=Zeit bis zur Progression; MRS=Magnetresonanzspektroskopie.
 

Modifizierte RECIST

Für das mRCC wurden unterschiedliche Modifikationen von RECIST erforscht, z.B. zweidimensionale Ansätze oder geänderte Grenzwerte für die Größenänderung der Zielläsionen zur Eingruppierung in die "Response"-Gruppen (11, 12). In neueren Studien ist die semi-automatisierte Volumenmessung RECIST überlegen (8). Grundsätzliche Probleme, wie z.B. eine fehlende Abgrenzbarkeit zu Narbengewebe, limitieren jedoch auch die Volumenmessung. Um dieser Limitation entgegenzuwirken versuchten verschiedene Arbeitsgruppen insbesondere beim Lungenkarzinom die Bildung von Kavernen bzw. die Ausbildung von Nekrosen in eine modifizierte RECIST-Klassifikation einfließen zu lassen - mit unklarer prognostischer Relevanz (13, 14).

Ein weiterer früher Ansatz bzgl. der Binnenstrukturänderungen wurde von der Arbeitsgruppe Choi vertreten. In der CT wurde an Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) die therapieabhängige Veränderung der Kontrastmittelanreicherung erhoben (15). Bei Therapieansprechen zeigten die Läsionen eine verminderte Kontrastmittelaufnahme. Die Änderungen wurden - ähnlich den mRECIST-Kriterien beim HCC - in der Choi-Klassifikation festgehalten, welche sowohl die Größenregredienz als auch die relative Änderung der Kontrastmittelaufnahme als Zeichen eines Therapieansprechens betrachtet (Tab. 2). Diese Kriterien korrelierten in der frühen Untersuchung besser mit dem Gesamtüberleben und dem PFS als RECIST, änderten aber das therapeutische Vorgehen nicht signifikant.

Beim mRCC kombinierten Nathan et al. und Smith et al. RECIST mit dem von Choi et al. beschriebenen Konzept (15-17). Nathan et al. wiesen an mit Tyrosinkinaseinhibitoren behandelten Patienten mit mRCC nach, dass nach 12 Wochen eine Größenreduktion der Zielläsionen von ≥ 10% und eine Abnahme der Kontrastmittelanreicherung um ≥ 15% in der arteriellen Phase gemeinsam besser mit dem PFS korrelierten als RECIST alleine (16). Die Gruppe von Smith erkannte, dass Läsionen, die wenig Kontrastmittel anreichern, bei der relativen Betrachtung einer Fehlauswertung unterliegen und sie vereinfachte die Läsionscharakterisierung in den "MASS"-Kriterien weiter (17). Neben einer Größenabnahme wird die alleinige Signalabschwächung einer Läsion um 40 HU im Therapieverlauf als Ansprechen definiert (Tab. 2). Mit diesen Kriterien erreichte die Gruppe an 84 Patienten eine Sensitivität von 86% und eine Spezifität von 100% zur Identifikation von Patienten mit einem PFS über 250 Tagen. Aktuell wird intensiv an technischen Ansätzen gearbeitet, um die Kontrastmittelaufnahme von Tumoren besser zu quantifizieren. Hierzu gehören die quantitative Perfusionsbildgebung mittels MRT und CT sowie die spektrale CT ("Dual-Energy" CT).

Tumorwachstumsrate


Eine Durchmesseränderung über die Zeit (Wachstumsrate) bewährte sich als unabhängiger Prognoseparameter (18). Ferté et al. belegten an einem großen Patientenkollektiv die anhaltende Hemmung der Tumorwachstumsrate durch Sorafenib in Patienten, welche per RECIST bereits in den Arm der progressiven Erkrankung klassifiziert wurden.

Binnenstruktur von mRCC-Gewebe

Weiterhin ist - wie schon bei den genannten modifizierten RECIST betrachtet - die Berücksichtigung von Änderungen der Tumor-Binnenstrukturen sinnvoll. Nekrosen, Zysten, Einblutungen und andere funktionelle Änderungen wie Perfusions-, Diffusions- und Stoffwechseleigenschaften könnten ein Therapieansprechen genauer dokumentieren. Automatisierte Bildbearbeitung macht eine Betrachtung dieser Kriterien inzwischen objektivierbarer. Dynamische (semi-)quantitative kontrastmittelverstärkte Methoden (DCE-CT, DCE-MRT, DCE-Sonographie) und auch kontrastmittelfreie funktionelle MRT-Methoden erlauben die detaillierte Beschreibung der Perfusion unterschiedlicher Körperregionen.

Goh et al. analysierten automatisiert die CT-Textur von mRCC als Prädiktor eines Therapieansprechens nach einer Behandlung mit Tyrosinkinaseinhibitoren (19). Im Rahmen der Therapie wurde dabei eine Homogenisierung des Tumorgewebes beobachtet. Diese Arbeitsgruppe betrachtet die Textur des Tumorgewebes in Bezug auf die "Time to Progression" (TTP) als unabhängigen Prognoseparameter.

Aktuell werden funktionelle MR-Sequenzen zur RCC-Diagnostik untersucht. Diffusions- und Perfusionsbildgebung sowie die Magnetspektroskopie sind vielversprechende Ansätze, die abseits der alleinigen morphologischen Beschreibung Stoffwechselprozesse und Hämodynamik abbilden (20-22). Renale Primärläsionen wurden mit unterschiedlichsten Techniken untersucht, dagegen gibt es kaum Erfahrungen bezüglich des Signalverhaltens im Rahmen von "Targeted Therapies". Die Diffusions-MRT bietet die Möglichkeit zur Metastasensuche und wird aktuell diesbezüglich untersucht. Niedrige ADC-Werte zeigen als quantitativer Parameter der Gewebekonstitution eine hohe Zellularität an, wie sie typisch für Tumorgewebe ist (Abb. 2). Abhängig von der Diffusionswichtung fließen zudem Perfusionseigenschaften in die Diffusionsdaten ein, welche ebenfalls als quantitativer Parameter diagnostisch interessant sind.
 

Abb. 2: 42 Jahre alte Patientin mit klarzelligem Nierenzellkarzinom (pT1a, G2) der rechten Niere. Die T1-kontrastmittelverstärkte MR veranschaulicht einen nicht-kontrastmittelanreichernden Tumor (A), der sich schwach hypointens in der T1-gewichteten Bildgebung darstellt. Die T1-Kontrastmittelaufnahme wurde mit der ADC-Karte (B; rot - ADC) übereinandergelegt. "Intravoxel Incoherent Motion"-Diffusions-MR (IVIM): Die D-Karte zeigt eine stark eingeschränkte Diffusion und die f-Karte zeigt ebenfalls niedrigere Werte als gesunder Nierencortex. Tumor: ADC 0,71 µm²/ms; f 9,96%; D 0,65 µm²/ms; Kontrollregion in der gesunden Niere der Gegenseite: ADC 1,95 µm²/ms; f 14,96%; D 1,91 µm²/ms.
 

PET-CT

Klinisch hat die Positronenemssionstomographie (PET) in der Diagnostik des mRCC nur eine untergeordnete Bedeutung. Der Vorteil des Einsatzes der 18-Fluor-Desoxyglucose (FDG) oder Fluor-Desoxythymidin FLT-PET zur Evaluation eines Therapieansprechens ist derzeit unklar (23). Aktuell werden spezifische Tracer, z.B. markierte Pharmaka wie die Cu-Bevacizumab-Immuno-PET bezüglich ihrer Aussagekraft zur Beurteilung eines Therapieansprechens erforscht (24).

Diskussion

Die radiologische Einschätzung des Therapieansprechens beim mRCC wird von folgenden Anforderungen limitiert: Es müssen aussagekräftige pathophysiologische Vorgänge, die ein Therapieansprechen beweisen, zum klinisch relevanten Zeitpunkt zuverlässig und reproduzierbar gemessen werden. Angesichts der breiten Variabilität der Ausgangsbefunde (Histologie, Staging, klinische Rahmenbedingungen) und der ebenso breiten Verfügbarkeit an Therapieoptionen muss davon ausgegangen werden, dass die Abschätzung eines Therapieansprechens nicht in allen Fällen verlässlich ist. In diesem Zusammenhang ist daher auch eine Bewertung der bisher zumeist nur kleinen und heterogenen Studienkollektive problematisch.

Die aktualisierte RECIST-1.1-Klassifikation kann mittels kontrastmittelverstärkter Spiral-CT reproduzierbar und deutschlandweit flächendeckend angeboten werden. Häufig ist die CT im Rahmen der Basisdiagnostik enthalten. Jedoch ist die frühe Abschätzung des PFS mittels RECIST-1.1-Messungen nicht verlässlich möglich und frühzeitige Therapieanpassungen können nicht auf Basis dieser Kriterien vorgenommen werden (10). Modifikationen der Kriterien eines Therapieansprechens bezogen auf mRCC könnten klinische Entscheidungen vereinfachen (Tab. 2). Wesentlich wird künftig die Standardisierung der Untersuchungsprotokolle und Untersuchungszeitpunkte sein, welche eine Vergleichbarkeit großer/multizentrischer Kollektive schaffen kann und z.B. ein Monitoring der Wachstumsrate der Zielläsionen oder eine Langzeitnachsorge über das PFS hinaus ermöglicht, welches bisher unzureichend erforscht wurde. Eine Standardisierung ist bei der CT am besten umsetzbar. Die tragende Rolle dieser Modalität ist daher weiter unumstritten.

RECIST als Grundidee behält auch in Zeiten der "Targeted Therapie" seine Berechtigung - u.a. weil alternative Verfahren in Studien bisher unzureichend belegt wurden. Viele Details der Klassifikation müssen jedoch detaillierter festgelegt werden, z.B. die Einschätzung von Läsionen, die einer lokalen Therapie unterzogen wurden. Die Wachstumsrate als Aktivitätsparameter der Läsionen erscheint sinnvoll. Dem gegenüber stehen eine zunehmende Komplexität der Klassifikation und die separierte Betrachtung von einzelnen Tumorentitäten. Trotzdem müssen schrittweise weitere Modifikationen in das RECIST-System einfließen. Eine Tumorvolumetrie und die Betrachtung des Kontrastmittelverhaltens sind hier naheliegende Parameter. Durch den technischen Fortschritt mit einer automatisierten Datenerfassung wird dies zusehends vereinfacht.

Messungen der Kontrastmittelaufnahme von Einzelläsionen unter Therapie sind vielversprechend. So ist die Reduktion der Kontrastmittelaufnahme nach Therapiebeginn um > 40 HU Hinweis auf ein Therapieansprechen. Ein verlängertes Gesamtüberleben ist jedoch nicht sicher an diesen Parameter geknüpft (17). Die (semi-)quantitative Auswertung der Perfusionseigenschaften von mRCC ist hinsichtlich des Informationsgehaltes den Momentaufnahmen überlegen. Schlechtere Verfügbarkeit und schwierigere Standardisierbarkeit stehen dem entgegen. In der DCE-Sonographie können prognostisch relevante Metastasen sehr oft nicht dargestellt werden.

Die große Vielfalt funktioneller Darstellungen ist potentiell in der Lage, die biologische Wirksamkeit der "Targeted Therapies" nachzuweisen. Die überschaubare Datenlage, die mangelnde Standardisierung und die eingeschränkte Verfügbarkeit verlängern jedoch den Einzug dieser Verfahren in die Routine-Diagnostik. Zukünftige, vielversprechende Ansätze sind derzeit - trotz teils widersprüchlicher Datenlage - die PET/CT mit unterschiedlichen gezielten Tracern und die funktionelle MRT ("blood oxygen level dependent" (BOLD), "arterial spin labeling" (ASL) und Diffusion). Trotzdem führt bis heute die morphologische Beschreibung das Staging von Nierenläsionen an. Automatisierte Verfahren zur quantitativen Erfassung der Morphologie (z.B. Heterogenitätsmessungen oder Histogrammanalysen) stehen noch am Anfang der klinischen Umsetzung. Daher sollten neben den bekannten Klassifikationen die aktuellen pharmakonspezifischen Merkmale eines Therapieansprechens im Gesamtkontext des Individuums beachtet werden, wie z.B. Nekrosen durch Sorafenib und mTOR-Inhibitoren (10).

Zusammenfassung


Als robuste Methode zur Abschätzung des längerfristigen Therapieergebnisses sind die RECIST-Kriterien weiter klinisch Goldstandard - auch hinsichtlich "Targeted Therapies". Defizite dieser Klassifikation, wie die eingeschränkte kurzfristige Aussagekraft über ein Therapieansprechen oder schlicht inkomplett abgrenzbare Läsionen, müssen künftig durch neue, zusätzliche Faktoren kompensiert werden. Hier kommen beispielsweise die Adjustierung der Grenzwerte, automatisierte Messungen und die Betrachtung der Kontrastmittel- oder Traceraufnahme zum Einsatz. In Anlehnung an Therapieregime ist die Standardisierung der Diagnostik notwendig. Die sogenannte funktionelle CT oder MR-Bildgebung hat ein enormes Potential, bleibt jedoch aktuell speziellen Fragestellungen vorbehalten.


 

Prof. Dr. med. Andreas H. Mahnken, MBA, MME

Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Universitätsklinikum Marburg
Baldingerstrasse
35043 Marburg

Tel.: 06421/5866231
E-Mail: mahnken@med.uni-marburg.de



Abstract

S. Rheinheimer, A. H. Mahnken, Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Marburg


The RECIST classification is the current standard of response assessment in the treatment of solid tumors including metastatic renal cell carcinoma. So called "targeted therapies" have less effect on lesion size when compared to chemotherapy. Other response criteria, facilitated by automatic image rendering and functional imaging techniques, are needed to foster further progress in clinical research. Knowledge about imaging changes in lesion structure of renal cell carcinoma tissue will contribute to the development of new response criteria. This article summarizes the current state of renal tumor imaging with respect to assessing treatment response. The value of most recently explored imaging techniques and response criteria will be discussed.

Keywords: Renal Cell Carcinoma, Therapy, RECIST, CT, MRI




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