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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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06. Dezember 2016

Das Bewusstsein für Tumorkachexie schärfen

Die Tumorkachexie ist ein prognostisch ungünstiger Faktor. Dennoch wird die Kachexie im klinischen Alltag selten als eigenständige Indikation diagnostiziert. Zum einen scheint sie im Bewusstsein der Ärzte zu wenig verankert zu sein, zum anderen wird sie oft nicht erkannt, denn auch ein normalgewichtiger oder adipöser Patient kann kachektisch sein.
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Die Kachexie wird definiert als ungewollter Gewichtsverlust von mehr als 5% des stabilen Ausgangsgewichtes innerhalb eines Jahres oder als Body Mass Index (BMI) < 20 kg/m2, erläuterte PD Dr. Stephan von Haehling, Göttingen. Kachektisch kann also auch ein Patient mit normalem oder hohem BMI und adipöser Statur sein. Zusätzliche Kriterien sind z.B. Appetitverlust, Erschöpfung, verminderte Muskelkraft oder auffällige Laborwerte, speziell erhöhte Entzündungsparameter. Entscheidend ist aber laut von Haehling der ungewollte Gewichtsverlust – unabhängig davon, welches Gewicht der Patient gerade hat.

Pathophysiologisch spielen vermutlich die entzündlichen Prozesse eine entscheidende Rolle, in deren Folge es zu einer Zerstörung von Muskelfasern kommt. Erst, wenn die Muskulatur soweit abgebaut ist, dass bereits geringste körperliche Anstrengungen die Patienten strapazieren, beginnt die Fettverbrennung. Das erklärt laut von Haehling, warum ein kachektischer Patient nicht zwingend abgemagert ist.

Von Haehling betonte, dass die Kachexie ein unabhängiger Prädiktor für eine ungünstige Prognose ist. Er empfiehlt daher, im Rahmen der Basisdiagnostik den BMI bzw. bei normalgewichtigen Patienten bzw. jenen mit adipöser Statur den prozentualen Gewichtsverlust der letzten 12 Monate zu bestimmen. Die Frage, ob ein Patient kachektisch ist, sollte regelmäßig im Tumorboard besprochen und die Diagnose „Kachexie“ in den Arztbrief aufgenommen werden.

Prof. Dr. Rudolf Huber, München, bestätigte, dass v.a. bei adipösen Patienten der kachektische Zustand viel zu spät diagnostiziert werde. Er wies darauf hin, dass gerade bei Lungenkarzinom-Patienten neben Appetitlosigkeit auch Stoffwechselveränderungen die Entstehung der Kachexie unterstützen. Huber empfiehlt eine multimodale Intervention, bei der es darum geht, die Grunderkrankung inkl. einhergehender Symptome gut zu behandeln, zudem den Ernährungszustand frühzeitig zu verbessern und die subjektive Lebensqualität der Patienten, z.B. durch psychoonkologische Betreuung zu stärken. Der Muskelabbau lasse sich zudem durch moderate Aktivität positiv beeinflussen.

Derzeit gibt es keine zugelassene medikamentöse Therapie für kachektische Patienten. In der klinischen Prüfung befinden sich Ghrelin-Rezeptor-Agonisten: In Placebo-kontrollierten Phase-III-Studien (1, 2) zeigte sich hier bei kachektischen Patienten mit fortgeschrittenem bzw. metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) eine Gewichtszunahme, eine Appetitsteigerung und eine verbesserte Lebensqualität.
Birgit-Kristin Pohlmann (bp)
Satellitensymposium „Tumorkachexie“, DGHO-Kongress, 14.10.2016, Leipzig; Veranstalter: Chugai
Literatur:
(1) Temel J et al. Ann Oncol 2014, 25: #1483O_PR.
(2) Temel J et al. Lancet, online Feb 2016.
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