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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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18. Oktober 2013

Update Lungenkarzinom

"Aufbruchstimmung ja, aber die Richtung ist noch nicht klar"

Interview mit PD Dr. Wolfgang Schütte, Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau.

Der Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung bei Männern und Frauen. Die Prognose ist nach wie vor ungünstig. Doch durch das bessere Verständnis der Biologie dieser Tumoren sowie eine genauere molekulare Analyse nichtkleinzelliger Lungekarzinome ist Bewegung in die Therapie gekommen, die jetzt mit selektiv wirksamen Substanzen eine individuellere Therapie ermöglicht. PD Dr. Wolfgang Schütte, Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin II am Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau sprach mit JOURNAL ONKOLOGIE über die Highlights der diesjährigen Kongresse sowie Studien, die für Diskussionsstoff gesorgt haben, und die die Entwicklungen in der Therapie des Lungenkarzinoms aufzeigen.

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PD Dr. Wolfgang Schütte, Halle-Dölau

JOURNAL ONKOLOGIE: Herr Dr. Schütte, was waren für Sie die Highlights vom ASCO 2013 im Bereich Lungenkrebs?

Schütte: Ein Highlight war sicherlich der Inhibitor des VEGFR (vascular endothelial growth factor receptor) Nintedanib, der in einer Phase-II-Studie in der Secondline-Therapie zusammen mit Docetaxel im Vergleich zur alleinigen Docetaxel-Therapie zu einem deutlich verlängerten Überleben geführt hat (1).

Ein spannendes Thema ist auch die Immuntherapie beim Lungenkrebs mit Anti-PD-1- und Anti-PD-L1-Antikörpern. Aber dazu wurden meist nur Kasuistiken vorgestellt. Dies war insgesamt ein Phänomen des diesjährigen ASCO gewesen - es ist zwar sehr viel Bewegung in die Therapie des Lungenkarzinoms gekommen, aber keiner weiß noch so recht, in welche Richtung es gehen wird.

Für Diskussionsstoff sorgten auch die Studien 65+ (2), PointBreak (3) und PRONOUNCE (4). In der von uns durchgeführten Studie 65+, eine offene, multizentrische Phase-III-Studie, nahmen 251 Patienten mit fortgeschrittenem oder rezidiviertem nicht-squamösen NSCLC teil. Die Patienten erhielten entweder 4-6 Zyklen PBC (Pemetrexed 500 mg/m2 plus Bevacizumab 7,5 mg/kg plus Carboplatin AUC 5) oder nur Pemetrexed plus Bevacizumab (PB), an die sich eine Erhaltungstherapie mit Bevacizumab oder Pemetrexed plus Bevacizumab anschloss. Das Durchschnittsalter im PBC-Arm war 72 Jahre, das im PB-Arm 71 Jahre.

Während Patienten mit gutem Allgemeinzustand im PBC-Arm ein signifikant besseres progressionsfreies Überleben (PFS) als im PB-Arm aufwiesen, war das PFS der Patienten mit eingeschränktem Allgemeinzustand im PB-Arm tendenziell besser. Das Gesamtüberleben unterschied sich bei Patienten mit gutem und eingeschränktem Allgemeinzustand nicht. Grundsätzlich kann man aus den Ergebnissen ableiten, dass auf Carboplatin als Chemotherapie-Backbone nicht verzichtet werden kann und auch bei älteren Patienten eingesetzt werden sollte, dass aber bei älteren Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand der Einsatz von Carboplatin zu überdenken ist.

Wir haben in der Studie 65+ mit der Pemetrexed-Kombination ein medianes Überleben von 15 Monaten bei den älteren Patienten erzielt. In der Studie PointBreak war das Überleben hingegen mit der gleichen Kombination, die wir in der 65+-Studie verwendet haben, sogar bei jüngeren Patienten schlechter. In PointBreak lag das mediane Überleben bei den jüngeren Patienten nur bei 12,6 Monaten. Hinzu kommt, dass in einer Subgruppenanalyse der PointBreak-Studie ältere Patienten ein noch schlechteres Ergebnis aufwiesen.

Verglichen wurde in PointBreak eine Induktionstherapie mit Pemetrexed/Bevacizumab/Carboplatin gefolgt von Pemetrexed/Bevacizumab mit der Standardtherapie Paclitaxel/Carboplatin/Bevacizumab gefolgt von Bevacizumab. Es konnte keine signifikante Verbesserung durch Pemetrexed nachgewiesen werden.

JOURNAL ONKOLOGIE: Was könnte die Unterschiede zwischen den Ergebnissen der Studien 65+ und PointBreak erklären?

Schütte: Die Unterschiede sind möglicherweise auf die Patientenselektion zurückzuführen, möglicherweise auch auf eine bessere Gesamtbetreuung der Patienten in Deutschland. Vor zwei Jahren war ja ein großes Thema, dass allein eine frühzeitige, die Chemotherapie begleitende palliative Therapie das Überleben von Lungenkrebspatienten um 2-3 Monate verlängert.

JOURNAL ONKOLOGIE: Sie erwähnten noch die PRONOUNCE-Studie, die Diskussionsstoff geliefert hat.

Schütte: PRONOUNCE ist eine randomisierte, offene Phase-III-Studie mit Pemetrexed plus Carboplatin gefolgt von Pemetrexed-Erhaltung versus Paclitaxel/Carboplatin/Bevacizumab gefolgt von Bevacizumab-Erhaltung bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC. In dieser Studie erwies sich die Kombination Pemetrexed/Carboplatin gefolgt von Pemetrexed-Erhaltung der Dreifachkombination aus Paclitaxel/Carboplatin/Bevacizumab als nicht überlegen. Beide Therapien waren auch gut tolerabel, d.h. die Annahme, dass PC bei gleicher Effektivität eine geringere Toxizität verursacht als die Dreifachkombination, bestätigte sich nicht.

JOURNAL ONKOLOGIE: Gab es noch weitere wichtige negative Studien?

Schütte: Ein weiteres sozusagen "negatives Highlight" war das Ergebnis einer Studie der French Collaborative Group (5), in der sich der prädiktive Wert des immunhistochemisch bestimmten ERCC1-Status nicht reproduzieren ließ.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie ist die Datenlage beim kleinzelligen Lungenkarzinom?

Schütte: Beim kleinzelligen Lungenkarzinom gab es eine Phase-II-Studie der CALGB (ALLIANCE), die den Vorteil einer Erhaltungstherapie mit Sunitinib zeigen konnte (6). In dieser Studie erhielten Patienten mit unbehandeltem SCLC im Stadium extensive disease nach Chemotherapie mit Platin und Etoposid entweder Placebo oder Sunitinib bis zum Progress. Primärer Endpunkt war das PFS, das mit Sunitinib signifikant von 2,3 Monaten (Placebo) auf 3,8 Monate verlängert werden konnte. Es bestand auch ein tendenziell verlängertes Gesamtüberleben (9,0 vs. 6,9 Monate) trotz einer Cross-over-Rate von 40%. Zumindest ist dieses Studienergebnis ein Signal, dass Tyrosinkinase-Inhibitoren beim kleinzelligen Lungenkrebs wirken.

JOURNAL ONKOLOGIE: Bestätigte sich für Sie insgesamt der Eindruck einer Aufbruchstimmung in der Therapie des Lungenkarzinoms?

Schütte: Das Gefühl einer Aufbruchstimmung kann ich nur unterstreichen. Dafür sorgten die Anti-PD-1- und -PD-L1-Antikörper, Nintedanib oder die Identifizierung neuer Rezeptoren beim Adenokarzinom. Einschränkend muss man jedoch feststellen, dass es diesmal fast keine klinisch relevanten Highlights beim Lungenkrebs gab.

Vielen Dank für das Gespräch!


Literaturhinweise:

(1) Reck M, et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr LBA8011).
(2) Schuette W, et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 8013).
(3) Patel JD, et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 8012).
(4) Zinner R. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr LBA8003).
(5) Soria J-C, et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 7505).
(6) Ready N, et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 7506).

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