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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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10. September 2018

Aktuelle Therapieoptionen beim Merkelzellkarzinom

Statement von Prof. Dr. med. Selma Ugurel, Klinik für Dermatologie, Venerologie u. Allergologie, Universitätsklinikum Essen.

Das Merkelzellkarzinom (MCC) ist ein seltener, hoch aggressiver, neuroendokriner Tumor der Haut, der vorwiegend ältere, hellhäutige Patienten betrifft, zu Lokalrezidiven neigt, und häufig regional- sowie fernmetastasiert. Die wichtigsten ätiopathogenetisch relevanten Faktoren des MCC sind das Merkelzell-Polyomavirus (MCPy-Virus), die chronische Sonnenexposition und die Immunsuppression.
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Selma Ugurel
Das MCC tritt als rötlicher bis livider Tumor meist an sonnenexponierter Haut auf, und zeichnet sich durch ein auffallend rasches Wachstum und eine frühzeitige Ausbildung ebenfalls rasch wachsender lokoregionärer Metastasen aus. So sind bei Diagnosestellung in ca. 30% der Fälle bereits lokoregionäre Metastasen nachweisbar (1). Die Exzision des Primärtumors mit großzügigem Sicherheitsabstand sowie eine operative Entfernung der Sentinellymphknoten (SLNB) stellt die leitliniengerechte Ersttherapie des MCC dar; anschließend wird eine adjuvante Bestrahlung des Tumorbettes sowie der ableitenden Lymphwege empfohlen (2).
 
Bei Nachweis einer Makrometastasierung der regionären Lymphknoten sollte eine chirurgische Lymphknotendissektion des betroffenen Areals durchgeführt werden. Bei inoperabler Metastasierung kann eine Strahlentherapie sinnvoll sein; des Weiteren war bislang die Chemotherapie einzige empfohlene Systemtherapie mit sehr kurzzeitigen Erfolgen, rascher Resistenzbildung und einer medianen Überlebenszeit von weniger als 12 Monaten. Seit der Einführung der PD-1/PD-L1-Checkpoint-Inhibitoren (CIs) hat sich diese frustrane Situation in der Systemtherapie metastasierter Patienten grundlegend geändert. Aufgrund der ausgeprägten Immunogenität des MCC zeigte sich eine hohe Ansprechrate dieser Tumorentität auf verschiedene CIs (3-5). Diese überzeugenden Ergebnisse führten im September 2017 für die Indikation des MCC erstmals zu einer EMA-Zulassung für den PD-L1-Blocker Avelumab.


Aktuelle Studien beim Merkelzellkarzinom
 
Zwei Studieninitiativen zum MCC sind aktuell in Deutschland aktiv: Eine klinische Studie zur postoperativen adjuvanten Therapie tumorfreier MCC-Patienten mit dem PD-1-Blocker Nivolumab (ADMEC-O; Abb. 1), sowie eine nicht-interventionelle translationale Registerstudie zur Darstellung der klinischen Versorgungsstruktur und zur Untersuchung von Biomarkern beim MCC (MCC-TRIM; Abb. 2).
 
Klinische Studie ADMEC-O
 
Im Rahmen der klinischen Multicenter-Studie ADMEC-O werden MCC-Patienten nach operativ erreichter Tumorfreiheit adjuvant mit dem PD-1-Blocker Nivolumab behandelt (480 mg alle 4 Wochen über 1 Jahr) im randomisierten Vergleich zu einem Beobachtungsarm (Randomisation 2:1). Der primäre Endpunkt ist das rezidivfreie Überleben; sekundäre Endpunkte sind Gesamt-überleben und Toxizität. Geplant ist der Einschluss von 120 Patienten.
 
Weitere Studieninformationen sowie den Studienverlauf finden Sie unter: www.med4u.org/13707
 
Kontakt:
Prof. Dr. Dirk Schadendorf
Direktor der Klinik für Dermatologie
Universitätsklinikum Essen
E-Mail: dirk.schadendorf@uk-essen.de
Abb. 1: Klinische Therapiestudie ADMEC-O.
ADMEC-O-Studie
 
Translationale Registerstudie MCC-TRIM
 
Ziel der nicht-interventionellen Registerstudie MCC-TRIM ist die Gewinnung von Erkenntnissen zur klinischen Versorgung, sowie zu klinischen und molekularen prognostischen und prädiktiven Biomarkern dieser seltenen Tumorentität. Über das klinische Online-Register für Hauttumore ADOREG der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) könnenPatienten mit MCC registriert und in ihrem weiteren Krankheitsverlauf dokumentiert werden. Bei Einschluss in die Studie wird FFPE-Material aus dem Tumor des Patienten eingesandt und zentral hinsichtlich der Bestätigung der Diagnose MCC sowie des Nachweises des MCPy-Virus untersucht. Des Weiteren soll das eingesandte Material verwendet werden um prognostische und prädiktive Biomarker des MCC zu identifizieren und zu validieren. Dieses Register soll durch Real-World-Daten die klinische Versorgungssituation des MCC abbilden und somit auch Subgruppen wie z.B. immunsupprimierte oder autoimmun-vorerkrankte Patienten, die von den bisherigen klinischen Studien ausgeschlossen worden waren, einer Evaluierung zuführen.
 
Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Jürgen C. Becker, Leiter Translational Skin Cancer Research
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK)
Universitätsklinikum Essen / DKFZ Heidelberg
E-Mail: j.becker@dkfz.de
Abb. 2: Nicht-interventionelle translationale Registerstudie MCC-TRIM.
MCC-TRIM
 
Interessenkonflikte: Advisory board, Honorare und Reisekostenunterstützung von BMS, Merck Serono, MSD, Roche
Literatur:
(1) Becker JC, Stang A, DeCaprio JA et al. Merkel cell carcinoma. Nat Rev Dis Primers 2017;3:17077. doi:10.1038/nrdp.2017.77.
(2) Becker JC, Assaf C, Vordermark D et al. S2k Kurzleitlinie – Merkelzellkarzinom. JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft  2013;11:31-8. doi:10.1111/j.1610-0379.2012.8018_6.x.
(3) Nghiem PT, Bhatia S, Lipson EJ et al. PD-1 Blockade with Pembrolizumab in Advanced Merkel-Cell Carcinoma. N Engl J Med 2016;374:2542-52. doi:10.1056/NEJMoa1603702.
(4) Topalian SL, Bhatia S, Hollebecque A et al. Abstract CT074: Non-comparative, open-label, multiple cohort, phase 1/2 study to evaluate nivolumab (NIVO) in patients with virus-associated tumors (CheckMate 358): Efficacy and safety in Merkel cell carcinoma (MCC). Cancer Res 2017;77:CT074-CT074. doi:10.1158/1538-7445.AM2017-CT074.
(5) Kaufman HL, Russell J, Hamid O et al. Avelumab in patients with chemotherapy-refractory metastatic Merkel cell carcinoma: A multicentre, single-group, open-label, phase 2 trial. Lancet Oncol 2016;17:1374-85. doi:10.1016/S1470-2045(16)30364-3.
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