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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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27. Oktober 2015

Aktuelle Behandlungsstrategien des Osteosarkoms

Interview mit Prof. Dr. Stefan Bielack, Stuttgart.

Das Osteosarkom ist der häufigste maligne primäre Knochentumor, die Inzidenz ist mit 0,2-0,3 pro 100.000 Menschen pro Jahr in der EU jedoch sehr niedrig, weswegen die Erkrankung zu den Orphan Diseases gezählt wird. Etwa 90% der Manifestationen sind in den Extremitäten lokalisiert. Für die meist jugendlichen Patienten ist die Diagnose mit einer sehr schlechten Prognose verbunden. Einen Überblick über die aktuellen Therapieoptionen bei dieser seltenen Erkrankung gibt Prof. Dr. Stefan Bielack, Ärztlicher Direktor des Klinikums Stuttgart, im Rahmen eines Interviews mit JOURNAL ONKOLOGIE.

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Stefan BielackJOURNAL ONKOLOGIE: Herr Prof. Bielack, wie sieht der momentane Standard in der Behandlung eines Osteosarkoms aus?

Bielack: Osteosarkome werden mit jeweils mehrmonatiger prä- und postoperativer Chemotherapie sowie einer Operation behandelt, bei der der Tumor im Gesunden entfernt wird. Der entstehende Defekt, in der Regel in einem langen Röhrenknochen mit Gelenkverlust, wird meist mittels einer modularen Endoprothese überbrückt. Chemotherapeutisch gelten hochdosiertes Methotrexat, Doxorubicin (Adriamycin) und Cisplatin sowie Ifosfamid als die wirksamsten Substanzen. Es scheint ratsam, mindestens 3 dieser Mittel einzusetzen, wobei „MAP“, die Kombination aus Methotrexat, Doxorubicin und Cisplatin, die derzeit meistverwendete Kombination darstellt. Der Zusatz weiterer Substanzen hat leider selbst im Falle schlechten Ansprechens auf präoperativ eingesetztes MAP nicht zur Verbesserungen der Prognose geführt. 

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Gibt es zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten, wenn bei Diagnosestellung bereits eine Fernmetastasierung vorliegt?

Bielack: Liegen Primärmetastasen vor – fast immer in der Lunge – so müssen diese bei kurativer Therapieintention komplett chirurgisch entfernt werden. Empfohlen wird die offene Thorakotomie mit Palpation beider Lungen, bei der die oft harten Osteosarkommetastasen gut gefühlt werden können. Die medikamentöse Therapie wird wie bei lokalisierter Erkrankung durchgeführt. 

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie verträglich sind diese Therapien?

Bielack: Die multimodale Osteosarkomtherapie ist fraglos sehr belastend. Zu den akuten Nebenwirkungen von Hochdosis-Methotrexat, Doxorubicin und Cisplatin hinzu kommen die mit Extremitäten-erhaltender Chirurgie verbundenen, bleibenden funktionellen Einschränkungen sowie Chemotherapiespätfolgen wie Anthrazyklin-bedingte Kardio- oder Cisplatin-bedingte Ototoxizität. Bei Patienten im Alter über 40 Jahre sind die für jüngere Patienten entwickelten Therapieschemata oft nicht tolerabel und es müssen Modifikationen und Dosisreduktionen erfolgen.

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Inwieweit kann mit den heutigen Therapiemöglichkeiten das Überleben der Patienten verbessert werden?

Bielack: Insgesamt können dank multimodaler Therapie heute etwa zwei Drittel aller Betroffenen eine lokalisierte Osteosarkomerkrankung überleben. Prognostische Faktoren schließen Tumorgröße, -lokalisation und Primärmetastasierung sowie das Ausmaß des histologischen Tumoransprechens auf präoperative Chemotherapie ein. Selbst bei primärer Metastasierung besteht eine reelle Heilungschance: Wird in diesem Kontext eine komplette chirurgische Remission erreicht, so überleben immerhin etwa 40% der Patienten, während es ohne komplette Chirurgie leider nahezu kein Langzeit-überleben gibt.

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Gibt es aktuell laufende klinische Studien, in die Ärzte ihre Patienten mit Osteosarkom einschließen können?

Bielack: Auch wenn derzeit keine prospektiv randomisierte Studie für Patienten mit Osteosarkom-Ersterkrankung aktiv ist, nimmt die Cooperative Osteosarkom-Studiengruppe unverändert alle einwilligenden Patienten gern in ihr COSS-Register auf. Teilnehmenden Kliniken steht die Referenz-Infrastruktur der Gruppe bei allen Fragen zur Diagnostik und Therapie zur Verfügung. Einige aktuelle Phase-II-Studien widmen sich auch vorwiegend Patienten mit inoperablen Osteosarkom-Rückfällen. Es bleibt zu hoffen, dass durch solche Studien im Verbund mit einem besseren Verständnis der Tumorbiologie Substanzen identifiziert werden können, die sich eignen, um in zukünftigen Phase-III/IV-Studien die weltweit bereits seit über 20 Jahren beobachtete Stagnation der Heilungsraten zu durchbrechen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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