Mittwoch, 26. Juli 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
Fachinformation
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
09. März 2016

Genitourinary Cancers Symposium (ASCO GU) 2016 – Therapielandschaft des Nierenzellkarzinoms verändert sich

Interview mit Prof. Dr. Michael Staehler, München.

Über seine Eindrücke auf dem Genitourinary Cancers Symposium (ASCO GU) in San Francisco sprach Prof. Michael Staehler, München, mit JOURNAL ONKOLOGIE. Des Weiteren berichtete er von den Ergebnissen einer Studie zur Cyberknife-Therapie bei Patienten mit kleinen Nierenzell-tumoren, die er dort als Poster präsentierte.

Anzeige:
Fachinformation
 

Prof. Dr. Michael Staehler, MünchenJOURNAL ONKOLOGIE: Herr Prof. Staehler, was stand beim diesjährigen ASCO GU im Vordergrund?

Staehler: Der ASCO GU stand ganz im Zeichen der Immuntherapeutika in der uroonkologischen Tumorbehandlung. Interessant beim Nierenzellkarzinom waren die CheckMate -025-Studie mit Nivolumab sowie die METEOR-Studie mit Cabozantinib.

Aufgrund der Daten mit Nivolumab haben wir die Empfehlungen zur Zweitlinientherapie des Nierenzellkarzinoms in den Guidelines der European Association of Urology (EAU) bereits angepasst. In Kürze sind die Daten zum Gesamtüberleben mit Cabozantinib zu erwarten – wahrscheinlich werden sie als Late Breaking Abstract auf dem ASCO präsentiert werden. Auch für Cabozantinib ist mit einem Überlebensvorteil zu rechnen.


JOURNAL ONKOLOGIE: Was bedeuten diese Ergebnisse für die Therapie des Nierenzellkarzinoms?

Staehler: Die Therapielandschaft beim Nierenzellkarzinom wird sich sehr verändern. Infolge dessen werden schwierige Fragen auf uns zukommen: Denn eine Substanz, das Nivolumab, verlängert das Gesamtüberleben bei sehr guter Verträglichkeit, aber nicht das progressionsfreie Überleben. Die andere Substanz, das Cabozantinib, verlängert das progressionsfreie Überleben und wahrscheinlich auch das Gesamtüberleben, allerdings muss der Patient damit doch eine Reihe von Nebenwirkungen in Kauf nehmen.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie lässt sich beurteilen, welcher Patient von welcher Therapie am meisten profitiert?

Staehler: Die Beurteilung des Therapieverlaufs wird noch schwieriger werden, als es ohnehin schon war. Das Nierenzellkarzinom gilt als immunogener Tumor und wurde früher nur mit Interferon-alpha und Interleukin-2 behandelt. Ein kleiner Anteil der Patienten sprach mit einer Komplettremission an und hatte einen Überlebensvorteil. Auch mit Nivolumab ist der Anteil der Responder nicht besonders groß, doch ein Teil der Patienten hat ein exzellentes Ansprechen. Wir können nur nicht vorhersagen, welche Patienten das sein werden. Selbst das Auftreten neuer Metastasen oder das Wachstum von Metastasen spricht nicht gegen einen sich später einstellenden Therapieerfolg. Besteht der Eindruck, dass der Patient einen Vorteil von der Therapie hat, so müssen auch neue Metastasen oder ein Metastasenwachstum zunächst einmal akzeptiert werden, vorausgesetzt sie erlangen keine funktionelle oder palliative Relevanz.

Gegen Ende des Jahres wird alles noch komplizierter werden, weil wir mit Lenvatinib eine weitere Substanz auf dem Markt erwarten, die von allen bisherigen Substanzen das längste progressionsfreie Überleben (PFS) zeigen konnte – und das in der Zweitlinie in Kombination mit Everolimus. Das PFS lässt sich um über 1 Jahr verbessern. Die Studie ist wahrscheinlich zu klein, als dass wir einen Gesamtüberlebensvorteil sehen werden. Doch es ist hoch attraktiv, solche Substanzen bei Patienten zu verwenden, die eine Tumorkontrolle benötigen.

Es bleibt alles sehr spannend, und die Optionen für die Patienten sind sehr gut. Sie leben mit metastasierter Erkrankung mittlerweile 1-2 Jahre länger als früher. Zu verdanken ist dies vor allem den multimodalen Therapiekonzepten – dazu zählen Entfernung des Primarius, Metastasenchirurgie, Stabilisierung von Metastasen, palliative Resektionen in Kombination mit Systemtherapie, Hochdosis-stereotaktische Verfahren in Kombination mit Systemtherapie und Hochdosiskonzepte wie beispielsweise die Cyberknife-Therapie. Diese kombinierten Hochdosisverfahren sind in der Lage, onkologisch zu unterstützen und stellen einen Fortschritt in vielen Bereichen dar.


JOURNAL ONKOLOGIE: Auf dem ASCO GU haben Sie ein Poster zur Behandlung mit dem Cyberknife bei Patienten mit kleinen Nierentumoren vorgestellt.

Staehler: Die Studie ist aus der Überlegung heraus entstanden, dass es Patienten mit kleinen Nierentumoren gibt, die aufgrund von Alter oder Krankheit operativ nur schwer behandelbar sind. Small renal masses sind bei älteren Patienten wahrscheinlich nicht lebensbedrohlich, sie metastasieren mit einem Risiko von etwa 4-5%. Gleichzeitig besteht gemäß internationaler Literatur eine postoperative Morbidität von etwa 20%. Eine Alternative zur Operation ist zum Einen die Radiofrequenzablation. Diese hat aber den Nachteil, dass sie der Nephrektomie deutlich unterlegen ist, und eine weitere Limitation ist eine Tumorgröße von ca. 3,5 cm.

Auf der anderen Seite werden mit der Radiochirurgie, also der Cyberknife-Behandlung oder stereotaktischen Einzeithochdosisbestrahlungen bei der Metastasenbehandlung extrem gute Erfolge erzielt mit einer Tumorkontrollrate, die im Bereich der chirurgischen Resektionen liegt. Daraus resultiert die Überlegung, die Radiochirurgie anstelle der Radiofrequenzablation auch bei Patienten mit Primärtumoren an der Niere einzusetzen, die eine Operation ablehnen oder nicht dafür in Frage kommen.

Die Niere kann nicht konventionell bestrahlt werden, ohne dass die Nierenfunktion massiv darunter leidet, weil sehr große Nierenvolumina erfasst werden. Mit der Radiochirurgie wird das umliegende Gewebe geschont, und auf dem ASCO GU haben wir eine Serie von Patienten vorgestellt und zeigen können, dass a) die Nierenfunktion nicht kompromittiert wird, b) die onkologische Sicherheit bei diesen Patienten sehr gut ist und c) dass es sich um eine fast nebenwirkungsfreie Therapie handelt, die somit eine gute Alternative zur Operation bei diesen Patienten darstellen kann. Es gibt eine Größengrenze, die wir bei ca. 4,5 cm ansetzen.

Ich halte die Cyberknife-Therapie für ein Verfahren mit einem hohen Potential – es schützt vor allem das Nierengewebe, ist wiederholbar, und es kann anschließend auch operiert oder eine Radiofrequenzablation durchgeführt werden. Weitere Vorteile sind die sehr geringe Morbidität und die kurze Behandlungsdauer. Allerdings muss erwähnt werden, dass wir noch über keine Langzeitdaten verfügen.

Wir haben auch eine große Serie publiziert an Patienten mit Spinalmetastasen. Dort ist die Cyberknife-Therapie relativ einfach durchzuführen, und es werden lokale Tumorkontrollraten von 96-97% erreicht, die der chirurgischen Resektion entsprechen. Mit konventioneller Strahlentherapie liegt die Tumorkontrollrate bei etwa 60%. Die Entität des Primärtumors spielt dabei keine Rolle. Standard ist die Radiochirurgie bei Hirnmetastasen, Spinalmetastasen, Akustikusneurinom und Aderhautmelanomen. Überall dort, wo die chirurgische Resektion einer relativ begrenzten Raumforderung aufgrund der Lokalisation nicht möglich ist oder nur mit größtem Aufwand und Kollateralschäden, ist die Radiochirurgie eine Überlegung wert.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
NET
CUP
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
EHA 2017