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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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24. Juni 2013

Editorial

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Testikuläre Keimzelltumoren stellen den häufigsten bösartigen Tumor des jungen Mannes mit einer deutlich steigenden Inzidenz in den Industrienationen dar. Der Keimzelltumor gilt aufgrund der interdisziplinären Diagnostik, Therapie und Nachsorge als Paradebeispiel einer heilbaren soliden Krebserkrankung. Untersuchungen der Zweitmeinungszentren der Deutschen Krebsgesellschaft zeigen jedoch einen gefährlichen Trend auf: 18% der gewählten Primärtherapien weichen signifikant von den Leitlinienempfehlungen ab. In der vorliegenden Ausgabe der Zeitschrift geben wir eine Übersicht über die für eine risikoadaptierte Therapie notwendige Basisdiagnostik. Immer sollten vor und nach Ablatio testis sowie vor weiteren therapeutischen Maßnahmen die Tumormarker AFP, b-HCG und LDH bestimmt werden. Die Serumkonzentration der Tumormarker hat prognostische Bedeutung und bestimmt entsprechend der internationalen Empfehlungen das Ausmaß der systemischen Chemotherapie im metastasierten Stadium. Bei den Keimzelltumoren im klinischen Stadium I sind die pathohistologischen Variablen vaskuläre Invasion und prozentualer Anteil embryonalen Karzinoms beim Nichtseminom bzw. die Tumorgröße und die Rete-testis-Invasion beim Seminom in der Abwägung aktive Surveillance vs. aktive Therapie zu berücksichtigen. Die bildgebende Stagingdiagnostik wird dominiert durch ein CT des Abdomens und des Thorax. Lediglich beim fortgeschrittenen Seminom mit einem großen Residualtumor > 3 cm ist das FGD-PET/CT ca. 8 Wochen nach Beendigung der systemischen Therapie Standard, um Patienten mit vitalem Resttumor von denen mit avitalen und nicht behandlungsbedürftigen Resttumoren differenzieren zu können. Die leitliniengerechte Anwendung der Tumormarker, der bildgebenden Diagnostik und der Prognosefaktoren hilft nicht nur, die Therapie zu optimieren, sondern reduziert unnötige Therapien und strahlenbelastende Diagnostik und verbessert dadurch die Lebensqualität der Langzeitüberlebenden.

In einer weiteren Arbeit widmet sich Frau Dr. Pachmann der Frage, ob die Bestimmung zirkulierender Tumorzellen im peripheren Blut für die Ausbreitungs- sowie Rezidivdiagnostik und die Beurteilung des therapeutischen Ansprechens einen verlässlichen Biomarker darstellen könnte. Aus einer Vielzahl klinischer Studien mit innovativen antihormonellen Therapieansätzen sowie mit molekular gerichteten Substanzen ist bekannt, dass die klassischen serologischen und bildgebenden Marker nicht ausreichen, um valide Aussagen über Remission oder Progression zu treffen. Andererseits ist gerade aus diesen klinischen Studien bekannt, dass die Anzahl zirkulierender Tumorzellen zu Beginn der Therapie und die Konversion während der Therapie eng mit der Prognose der Patienten assoziiert sind. Weitere klinische Studien sind jedoch nötig, bevor dieser Biomarker in die klinische Routine Eingang finden kann.

Hofheinz und Mitarbeiter befassen sich in ihrer Arbeit mit der Pathogenese, Diagnostik und Behandlung der sehr häufigen, unter EGFR-Therapie auftretenden Hautreaktionen. Auch wenn die Hautreaktionen mit dem progressionsfreien Überleben assoziiert zu sein scheinen, ist eine adäquate Therapie unabdingbare Voraussetzung, um Komplikationen durch Exazerbation und Superinfektion zu vermeiden und den therapeutischen Effekt der eingeleiteten onkologischen Therapie nicht zu gefährden. Es werden klinisch wichtige Informationen zu Prophylaxe, Therapie, Basispflege und Behandlung von Patienten mit ungewöhnlichen Lokalisationen und Ausprägungen der Hautreaktionen vermittelt.

Prof. Dr. Axel Heidenreich, Aachen

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