Dienstag, 24. Oktober 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
07. Februar 2012

Wissenschaftlicher Hintergrund und Diskussion zu Kasuistik I

Der vorgestellte Patient bleibt unter endokriner Behandlung relativ lange krankheitsstabil. Etwa fünf Jahre nach Erstdiagnose zeigen sich erstmals Anzeichen einer Fernmetastasierung. Gut ein Jahr später (August 2008) erfüllt der Patient die Definition eines mCRPC. Im Dezember 2008 wird er auf die Firstline-Chemotherapie mit Docetaxel/Prednison umgestellt. Trotz deutlichem Abfall des PSA-Wertes um über 50%, muss die Behandlung wegen nicht tolerierbarer Nebenwirkungen im Mai 2009 abgebrochen werden. Aufgrund der raschen Progredienz der Erkrankung bei insgesamt gutem Allgemeinzustand (ECOG 1) des Patienten sowie im Normbereich befindlicher Laborwerte bietet sich eine Secondline-Therapie mit Cabazitaxel an.
Anzeige:
 
 
Der Patient verträgt die Behandlung mit Cabazitaxel subjektiv sehr gut. Die vorbestehende periphere Polyneuropathie verschlechtert sich nicht unter konsequenter Kühlung der peripheren Extremitäten während der Cabazitaxel-Infusion. Dies deckt sich mit den Angaben in der Literatur [4,5], wonach Neuropathien unter Cabazitaxel typischerweise nicht auftreten. Hier unterscheidet sich die Substanz von Docetaxel, wo in bis zu 30% der Fälle Neuropathien beschrieben werden. Während der gesamten Therapiedauer mit Cabazitaxel kam es zu keiner Schmerzzunahme oder einem gesteigerten Opiatbedarf.

Im Vordergrund der Behandlung standen erwartungsgemäß hämatologische Nebenwirkungen: In der Literatur werden Leukozytopenien und Neutropenien ≥ Grad 3 unter Second-line-Behandlung mit Cabazitaxel in 68% bzw. 82% der Patienten beschrieben [4,5]. Bei dem vorgestellten Patienten zeigte sich in jedem Zyklus der Erstlinientherapie mit Docetaxel zum Zeitpunkt des Leukozyten-Nadirs eine Leukopenie CTC Grad 4 (Leukozyten < 1.000/µl). Der Patient erhielt daher ab dem ersten Zyklus der Chemotherapie mit Cabazitaxel prophylaktisch G-CSF (2x Granocyte®) zuzüglich einer prophylaktischen Antibiose (Ciprofloxacin). Die Grad-4-Leukopenie beeinträchtigte den Patienten nicht in seinem Allgemeinbefinden. Während der ersten fünf Zyklen erholte sich der Leukozyten-Wert jeweils vollständig (Grad 0), so dass alle sechs Zyklen wie geplant verabreicht werden konnten. Erst nach dem sechsten Zyklus persistierte eine Grad 1 Leukozytopenie noch 30 Tage nach Cabazitaxel-Gabe, ohne dass es jedoch – unter stringenter Einhaltung der genannten supportiven Maßnahmen – zu einer febrilen Neutropenie kam. Eine Dosisreduktion war nicht notwendig. Mit Ausnahme einer Anämie Grad 2 (CTC) während des fünften Zyklus, welche die Substitution eines Erythrozytenkonzen-trates erforderlich machte, traten keine klinisch relevanten Hämatotoxizitäten auf. Dies entspricht dem, was aus der Literatur bekannt ist. Anämien und Thrombozytopenien ≥ Grad 3 werden lediglich in 11% bzw. 4% der Fälle berichtet. Die unter Cabazitaxel erreichte Krankheitsstabilisierung ergab Ende April 2011 eine progressionsfreie Zeit von etwa 5,5 Monaten.

„Wichtig ist die konsequente Durchführung supportiver Therapiemaßnahmen wie die prophylaktische G-CSF- und Antibiotika-Gabe.“

Der Krankheitsverlauf des vorgestellten Patienten verdeutlicht, dass Cabazitaxel eine sehr gute Therapieoption für Patienten ist, die unter oder kurz nach Docetaxel-Erstlinientherapie progredient werden. Präklinische Untersuchungen hatten bereits darauf hingedeutet, dass Cabazitaxel – obwohl es mit Docetaxel chemisch verwandt ist – in der Lage ist, eine Taxan-Resistenz zu überwinden. Der Krankheitsverlauf verdeutlicht darüber hinaus, dass auch ein Therapieabbruch wegen nicht tolerierbarer Nebenwirkungen kein Grund ist, Cabazitaxel nachfolgend nicht einzusetzen. So werden beispielhaft die für Docetaxel typischen peripheren Polyneuropathien bei Cabazitaxel nicht/kaum beobachtet. Zu achten ist unter Cabazitaxel auf hämatologische Toxizitäten. Letztere sind insofern von besonderer Relevanz, da die Patienten aufgrund der Taxan-Vorbehandlung und als Folge einer meist diffusen Knochenmark-infiltration in der Regel eine deutlich reduzierte Knochenmarkreserve aufweisen. Am Beispiel des vorgestellten Patienten zeigt sich jedoch, dass selbst bei Vorliegen von Grad-4-Toxizitäten die Cabazitaxel-Therapie nicht vorzeitig abgebrochen oder in der Dosis reduziert werden muss, solange der Patient ansonsten klinisch unauffällig ist (kein Fieber etc.). Wichtig ist bei Bedarf die konsequente Durchführung supportiver Therapiemaßnahmen wie die prophylaktische G-CSF- und Antibiotika-Gabe. Letztere können therapieinduzierte, potenziell lebensbedrohliche Zustände wie eine febrile Neutropenie wirksam verhindern.

„Unter Erstlinientherapie mit Docetaxel gefolgt von einer Zweitlinientherapie mit Cabazitaxel sind vergleichsweise lange Überlebenszeiten von mehreren Jahren in der metastasierten und kastrationsresistenten Krankheitsphase möglich.“

Schließlich steht der Patient beispielhaft dafür, dass unter Erstlinientherapie mit Docetaxel gefolgt von einer Zweitlinientherapie mit Cabazitaxel vergleichsweise lange Überlebenszeiten von mehreren Jahren in der metastasierten und kastrationsresistenten Krankheitsphase möglich sind. Überlebenszeiten von mehreren Jahren in dieser Krankheitsphase waren vor einigen Jahren noch unvorstellbar. Im vorliegenden Fall sind seit Beginn der Erstlinientherapie mit Docetaxel insgesamt 28 Monate vergangen. Nach wie vor befindet sich der Patient in einem vergleichsweise guten Allgemeinzustand und gibt eine zufriedenstellende Lebensqualität an. Subjektiv ist der Patient primär durch die Dauerableitung des Urins über den Blasenkatheter eingeschränkt sowie durch leichte tumorbedingte Schmerzen, die aber mit oralen Opiaten zufriedenstellend behandelt werden. Eine erneute Behandlung mit Cabazitaxel bei Progress ist aufgrund des guten Ansprechend und der Verträglichkeit von Cabazitaxel eine Option.
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
STICHWÖRTER:
Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
CML
CUP
NET
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs