Montag, 21. Oktober 2019
Navigation öffnen

Infos für Patienten

03. November 2016 Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht nur medizinische, sondern auch gravierende soziale und wirtschaftliche Folgen abzuwenden.
Die „Nationale Verzehrstudie“ belegt, dass bereits heute nahezu 70 Prozent der deutschen Männer und über 50 Prozent der Frauen übergewichtig sind, also einen Body Mass Index (BMI) von 25 kg/m² oder darüber aufweisen. Laut Daten des statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2010 liegt die durchschnittliche tägliche Gehstrecke des Bundesbürgers bei 400 Meter pro Tag. Die Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel: Immer mehr Menschen erkranken an Adipositas – und an damit verbundenen Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- und Krebsleiden. Als adipös gelten Menschen mit einem BMI von 30 kg/m² oder mehr. Aktuelle Hochrechnungen der World Health Organization WHO gehen davon aus, dass 2040 mehr als 50 Prozent aller Bundesbürger adipös sein werden.
 
„Die Liste der primär lebensstilbedingten Volkserkrankungen führen weiterhin der Diabetes mellitus Typ 2 und die komplexen Folgen des metabolischen Syndroms wie Koronare Herzkrankheit und Schlaganfall an“, erklärt Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik, Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel. „Dann folgen aber bereits Karzinome wie Dickdarm-, Prostata- und Brustkrebs, die mit Lebensstilfaktoren wie Übergewicht assoziiert sind.“
 
Aufgrund der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse müsse man davon ausgehen, dass gut 70 Prozent aller auftretenden Dickdarmkarzinome durch eine ausgewogene gesunde Ernährung, wie sie beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, und einen aktiven körperlichen Lebensstil vermeidbar wären. „Dickdarmkrebs ist eine typische Wohlstandserkrankung“, betont der Experte. „Durch einen gesunden Lebensstil kann man präventiv viel erreichen.“ Auch in der Tertiärprävention vieler Krebserkrankungen – also bei den Maßnahmen, die man bei einer bereits erfolgten Erkrankung ergreift, um Rezidive zu verhindern – spielt der Lebensstil eine wesentliche Rolle. So konnten große Beobachtungsstudien zeigen, dass beispielsweise das Wiederauftreten von Dickdarmkrebs und Brustkrebs durch ausreichend regelmäßige körperliche Aktivität deutlich reduziert werden könne. „Damit ist körperliche Bewegung und Sport nach unseren heutigen Erkenntnissen so wichtig wie ein Krebsmedikament“, sagt Professor Löser. „Wir wissen heute, dass ein gesunder Lebensstil, der eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung beinhaltet, Krankheiten verhindern kann“, fasst der Experte zusammen.
 
Diesen Erkenntnissen müssten dringend auch Konsequenzen folgen. „Unser Gesundheitssystem sollte Adipositas endlich als eigenständige, relevante Erkrankung anerkennen und nachhaltige konservative Therapie- und Präventionskonzepte etablieren“, fordert Professor Löser. Ein gesunder Lebensstil sei schon lange kein rein medizinisches oder gesundheitspolitisches Anliegen mehr, sondern habe gravierende ökonomische und soziologische Implikationen. Auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016 in Düsseldorf diskutiert Professor Löser zusammen mit weiteren Experten darüber, was ein gesunder Lebensstil leisten kann und welche Rolle die Ernährung dabei spielt.
 

Terminhinweis
MEDICA EDUCATION CONFERENCE, Thementag Innere Medizin: Zukunftstechnologien und Remote Patient Management
Symposium Ernährungsmedizin: Ernährung – Update 2016
Mittwoch, 16. November 2016, 10.40 bis 12.00 Uhr
Vorsitz: Prof. Dr. Christian Löser, Kassel
 
Ernährung als Prävention – was kann ein gesunder Lebensstil leisten?
Prof. Dr. Christian Löser, Kassel

Nutrigenetik und personalisierte Ernährung
PD Dr. Kurt Gedrich, Freising

Ernährung bei Tumorpatienten – moderne Behandlungskonzepte
Dr. Jann Arends, Freiburg

MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016


Das könnte Sie auch interessieren

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt
© Darren Baker / Fotolia.com

Naturheilmittel oder neuer Trend der Bio-Welle? 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen (1). Oftmals werden hinter dem Begriff Naturheilmittel vermutet. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die biotechnisch hergestellt oder aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden und mit dem Ziel der Bekämpfung einer Krankheit in die Vorgänge des Körpers eingreifen. Insulin ist ein bekanntes Beispiel. Wem das erklärt...

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO 2019
  • PD-L1-positives NSCLC: Pembrolizumab-Monotherapie bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen vergleichbar wirksam
  • Tumormutationslast etabliert sich als prädiktiver Marker für das Ansprechen auf Pembrolizumab bei soliden Tumoren
  • Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren
  • Checkpoint-Inhibition in der adjuvanten und metastasierten Situation hat für Patienten mit Melanom das Überleben neu definiert
  • Magenkarzinom/Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs: Patienten mit MSI-high-Tumoren profitieren besonders von Checkpoint-Inhibition
  • Pembrolizumab + Chemotherapie beim Plattenepithelkarzinom-NSCLC: Überlegenes OS, PFS, ORR und PFS2 gegenüber alleiniger Chemotherapie
  • Frühes TNBC: signifikant verbesserte pCR-Rate durch neoadjuvante Therapie mit Pembrolizumab + Chemotherapie
  • HNSCC: Pembrolizumab-Monotherapie und kombiniert mit Platin-basierter Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • PD-L1-positives Magenkarzinom und AEG: Vergleichbare Lebensqualität unter Pembrolizumab-Monotherapie und Chemotherapie
  • Pembrolizumab-Monotherapie beim vorbehandelten mTNBC: Klarer Trend zu verbessertem Überleben mit zunehmender PD-L1-Expression