Donnerstag, 12. Dezember 2019
Navigation öffnen

Infos für Patienten

13. März 2019 Den Krebs überlebt, aber trotzdem nicht gesund

© FPM-BERLIN / fotolia.com
Immer mehr Menschen überstehen ihre Krebserkrankung. Sie werden geheilt oder können mit der Krankheit langfristig leben. Doch der Krebs selbst, wie auch seine Behandlung fordern oft ihren Tribut. Viele Betroffene leiden noch Jahre und Jahrzehnte später unter körperlichen, seelischen und sozialen Folgen.
Die gute Nachricht: Immer mehr Menschen überstehen ihre Krebserkrankung. Sie werden geheilt oder können mit der Krankheit langfristig leben. Doch der Krebs selbst, wie auch seine Behandlung fordern oft ihren Tribut. Viele Betroffene leiden noch Jahre und Jahrzehnte später unter körperlichen, seelischen und sozialen Folgen, wie Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum aktuell erfasst haben. Experten fordern eine gesetzlich geregelte und umfassende Langzeit-Nachsorge für diese Menschen.  

In Deutschland leben ungefähr 4,4 Millionen Männer und Frauen mit bzw. nach einer Krebserkrankung (sog. „Cancer Survivors“). Mehr als die Hälfte sind Krebs-Langzeitüberlebende, also Menschen, deren Krebsdiagnose mehr als fünf Jahre zurückliegt. Tendenz steigend. Gründe hierfür sind die zunehmende Zahl der Neuerkrankungen – aufgrund der demographischen Entwicklung – sowie die dank der Erfolge der biomedizinischen Forschung verbesserte Früherkennung, Diagnostik und Therapie von Krebs. Die Lebenssituation der Krebs-Überlebenden kann individuell sehr unterschiedlich sein. Sind die einen fast beschwerdefrei und kehren nach der Therapie zu einem normalen Leben zurück, so haben andere schwerwiegende Probleme. Die Belastungen sind oft vorübergehend, können aber auch andauern. Das Risiko für Spätfolgen ist abhängig von der Krebserkrankung und ihrer Behandlung. Auch Veranlagung, Lebensführung und Umweltfaktoren spielen eine Rolle.
 
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Spätfolgen beeinträchtigen die Lebensqualität

„Bandbreite und Ausmaß der Spätfolgen sind sehr vielfältig. Patienten und Angehörige, die uns kontaktieren, berichten von Fatigue, Neuropathie, Depressionen und Angst ebenso wie von familiären, beruflichen und finanziellen Problemen. Hinzu kommen Organschäden, zum Beispiel an Herz, Lunge und Nieren. Auch über Störungen der Fruchtbarkeit und Sexualität klagen viele“, so Dr. Susanne Weg-Remers. Sie ist Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums. Seit über 30 Jahren stehen Ärztinnen und Ärzte Patienten und Angehörigen kostenlos für alle Fragen zum Thema Krebs zur Verfügung – telefonisch täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr unter 0800-420 30 40 und per E-Mail unter krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Identität Krebspatient

Wissenschaftler um Dr. Volker Arndt im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben kürzlich über 6.000 Langzeit-Krebsüberlebende befragt. Etwa ein Drittel der 6.057 Teilnehmenden betrachteten sich auch 5 bis 15 Jahre nach der Diagnose noch als Krebspatienten*. Diese Selbstwahrnehmung ist im Zusammenhang mit vielerlei klinischen und psychosozialen Faktoren zu sehen, wie zum Beispiel körperlichen Belastungen durch Spätfolgen, Angst vor einem Rückfall und Beeinträchtigung der Lebensqualität. Die Befragung wurde im Rahmen der CAESAR-Studie an sechs Krebsregistern in Deutschland durchgeführt. Volker Arndt leitet die Arbeitsgruppe „Cancer Survivorship“ am DKFZ. Er ist außerdem Leiter des Epidemiologischen Krebsregisters Baden-Württemberg. „Die Ergebnisse der Befragung zeigen, wie wichtig für Langzeitpatienten die Aspekte individuelle Erfahrung und subjektive Wahrnehmung sind. Beides sollte bei der Entwicklung von neuen Versorgungsmodellen unbedingt Berücksichtigung finden.“

Langzeit-Nachsorge dringend erforderlich

Angesichts der wachsenden Zahl Krebs-Langzeitüberlebender und des Problems der Spätfolgen sehen viele Experten zunehmend die Notwendigkeit eines Konzeptes zur Langzeit-Nachsorge: Krebs-Langzeitüberlebende werden dabei ‒ entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse ‒ von einem interdisziplinär aufgestellten Team umfassend und langfristig betreut. Ziel ist es, den Menschen, die mit und nach Krebs leben, ein weitestgehend gesundes und aktives Leben mit einem möglichst hohen Maß an Lebensqualität zu ermöglichen. Die Realität sieht zurzeit allerdings noch anders aus: Zwar sind erste Modelle zur Rundum-Versorgung ehemaliger Krebspatienten in der Erprobung. Nachsorge-Programme stehen allerdings längst nicht allen Cancer Survivors zur Verfügung. Auch Zuständigkeiten und Finanzierung sind bislang nicht geklärt.

Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Literatur:

*Thong MSY, Wolschon EM, Koch-Gallenkamp L, Waldmann A, Waldeyer-Sauerland M, Pritzkuleit R, Bertram H, Kajüter H, Eberle A, Holleczek B, Zeissig SR, Brenner H, Arndt V (2018). Still a cancer patient. “Still a cancer patient” - Associations of cancer identity with patient-reported outcomes and health care use among cancer survivors. JNCI Cancer Spectrum, 2(2). doi:10.1093/jncics/pky031


Das könnte Sie auch interessieren

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Aktuelle Studien belegen: Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs profitieren von  guter Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ängste und Sorgen nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) informiert Betroffene und Angehörige seit 30 Jahren rund um das Thema Krebs. Bei 50 Prozent aller Anfragen zu Tumorlokalisationen steht das Thema Brustkrebs im Vordergrund.

Deutsche Bevölkerung hat große Angst vor Krebs und weiß wenig über moderne Krebstherapien

„Vor welcher Krankheit haben Sie persönlich am meisten Angst, dass Sie daran erkranken könnten?“ – Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut forsa in einer aktuellen repräsentativen Umfrage. Ergebnis: 57 Prozent der befragten Deutschen nennen Krebs an erster Stelle. Damit führt Krebs das Feld der gefürchtetsten Krankheiten mit großem Abstand an. Wie gleichzeitig ermittelt wurde, hat nur ein Drittel der Befragten* in letzter Zeit...

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten

Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten
Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine repräsentative Umfrage* vom Dezember 2017 hat gezeigt: Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen weist aus Sicht vieler Befragter Defizite auf. Bemängelt wurden lange Wartezeiten auf Arzttermine, weite Wege und weniger Informationsmöglichkeiten. Auch für Krebspatienten und ihre Angehörigen kann diese Situation belastend sein. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ersetzt keinen Arzttermin, er bietet aber Antworten auf...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Den Krebs überlebt, aber trotzdem nicht gesund"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASH 2019
  • Erhöhte Knochendichte ist ein ungünstiger prognostischer Faktor bei aggressiver systemischer Mastozytose
  • Neue ITP-Leitlinien der ASH unterstreichen die Bedeutung von Thrombopoetinrezeptor-Agonisten für die Zweitlinientherapie der ITP
  • Registerdaten aus dem klinischen Alltag zur CAR-T-Zell-Therapie bei DLBCL-Patienten
  • CML: Real-world-Daten zeigen besseres zytogenetisches und molekulares Ansprechen durch Zweitgenerations-TKI
  • Polycythaemia Vera: Post-hoc-Analyse des Langzeitansprechens auf Ruxolitinib
  • Transfusionspflichtige Myelodysplastische Syndrome: Ansprechen auf Eisenchelation geht im klinischen Alltag mit Überlebensverbesserung einher
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Verhältnis von RNA- und DNA-basierten quantitativen KIT D816V-Mutationsanalysen prognostisch relevant
  • Ruxolitinib moduliert Mikroenvironment des Knochenmarks bei der Myelofibrose
  • CML: TIGER-Studie bestätigt tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen unter Nilotinib-basierter Therapie
  • Sichelzellanämie: Reduktion schmerzhafter vaso-okklusiver Krisen verringert Organschädigungen und verbessert Lebensqualität