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Medizin

24. Februar 2020 mRCC: Therapiemanagement im Zeitalter der Immunkombinationstherapie

Die Einführung der Immunkombinationstherapien hat auch beim fortgeschrittenen metastasierten Nierenzellkarzinom (mRCC) zu einem verbesserten Gesamtüberleben (OS) der betroffenen Patienten geführt. Dennoch bricht gut ein Viertel (27%) der Patienten die Behandlung aufgrund einer nicht handhabbaren Toxizität ab. Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, Jena, und Prof. Dr. Viktor Grünwald, Essen, berichteten auf dem DKK 2020 über Möglichkeiten eines effektiven Nebenwirkungsmanagements.
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Neue Herausforderungen durch Immunkombinationstherapien

Unter Checkpoint-Inhibition (CI) kommt es bei vielen Patienten zu unerwünschten immunvermittelten Nebenwirkungen (irAE) wie Colitis, Hypophysitis, Pneumonitis oder Infusionsreaktion. Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) bringen oftmals Hypertension, Fatigue oder ein Hand-Fuß-Syndrom mit sich. Durch die Kombination beider Behandlungsansätze sehen sich Ärzte und Patienten neuen Herausforderungen gegenüber – Hepatitis, Diarrhoe, Hypothyreose, Arthritis sowie Exanthemen.

Umgang mit Fatigue unter Axitinib + CI

Tritt bei dem behandelten Patienten unter Axitinib (Inlyta®) + CI eine Fatigue Grad 2 auf, plädierte Grünwald für ein Aussetzen des TKI über 72 Stunden, wobei die kurze Halbwertszeit (HWZ) des TKI von 3-6 Stunden zur Differenzierung bei Therapiepausen beitrage. „Stellt sich innerhalb dieser 72 Stunden eine Besserung ein, sollte mit einer Supportivtherapie und einer Modifikation von Axitinib begonnen werden“, empfahl Grünwald. Trete keine Besserung ein, plädierte er für die Durchführung endokrinologischer Tests. Bei positiver Testung sei mit einer Substitution fortzufahren, bei einem negativen Ergebnis müssten andere mögliche Ursachen geprüft werden.

Umgang mit Hepatitis unter Axitinib + CI

Tritt unter Axitinib + CI eine Grad-2-Hepatitis auf, sei auch hier ein 72-stündiger Stopp des TKI angezeigt, so Grünwald. „Kommt es während der Dosispausierung zu einem Absinken auf Grad 1, kann eine Supportivtherapie eingeleitet und eine weitere Dosis Axitinib verabreicht werden; erhöht sich die Hepatitis auf Grad 3, sind die bisherigen Therapien sofort zu stoppen und stattdessen mit Steroiden zu beginnen.“

Fazit Systemtherapien
  • Systemtherapien sind mit relevanter Toxizität assoziiert
  • Halbwertszeiten (HWZ) müssen bei Steuerung der Therapie beachtet werden
  • Überlappung der Toxizitäten erschwert das Therapiemanagement
  • Differenzierung bei Therapiepausen unter Axitinib durch kurze HWZ gut möglich
  • Klassische TKI-Therapiesteuerung und Immunsuppression sind Schlüsselelemente des Therapiemanagements
  • Reexposition beider oder einzelner Komponenten ist prinzipiell möglich

Avelumab + Axitinib neue Standardtherapie

Grimm sprach sich zur Behandlung des mRCC für eine Kombinationstherapie von Avelumab (Bavencio®) + Axitinib aus. Die Kombinationstherapie zeichnet sich durch eine hohe Ansprechrate – nur ca. 10% der Patienten sind primär resistent – aus. Mit einer HR=0,69 ist ein klarer Vorteil beim progressionsfreien Überleben (PFS) feststellbar, und zwar über alle Subgruppen hinweg, wie in der zulassungsrelevanten Studie JAVELIN Renal 101, die Avelumab + Axitinib vs. Sunitinib verglich, gezeigt werden konnte. Das Nebenwirkungsprofil deckte sich mit den bekannten Nebenwirkungen der Einzelsubstanzen. „Zwar fehlen für die Bewertung des OS noch Daten, dennoch ist Avelumab + Axitinib die neue Standardtherapie in der Erstlinie des Nierenzellkarzinoms“, resümierte Grimm.

SM

Quelle: Symposium „PD-L1 Checkpoint-Inhibition mit Avelumab in Kombination mit Axitinib zur Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms“, 21.02.2020, Berlin; Veranstalter: Merck/Pfizer


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