Dienstag, 16. Juli 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

17. Juni 2019 Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten

Patienten mit der seltenen, erworbenen Autoimmunerkrankung Immunthrombozytopenie (ITP) sind häufig einem hohen Leidensdruck ausgesetzt. Für Patienten mit persistierender oder chronischer ITP, die auf Kortikosteroide angewiesen sind oder auf die Erstlinientherapie mit Kortikosteroiden nicht ansprechen, stehen als Therapieoptionen eine Splenektomie, Rituximab oder Thrombopoetinrezeptor-Agonisten (TPO-RAs) wie Eltrombopag (Revolade®) zur Verfügung. Die I-WISh Studie untersuchte die Belastung durch die Erkrankung ITP und ihren Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten und erfasste Einstellungen, Überzeugungen und die Wahrnehmung von Ärzten und ITP-Patienten. Die auf dem EHA-Kongress 2019 in Amsterdam vorgestellten Ergebnisse (1,2) zeigen, dass Patienten TPO-RAs und Anti-CD20-Antikörper als gleich wirksam empfanden und insgesamt sehr zufrieden mit diesen beiden Therapieoptionen waren. Die Zufriedenheit mit der Splenektomie fiel deutlich geringer aus.
An der Umfrage hatten 1.507 ITP-Patienten und 472 Ärzte aus 13 Ländern teilgenommen. Im Durchschnitt behandelte jeder Arzt im vergangenen Jahr 34 aktuelle und 18 neu diagnostizierte Patienten. Aus einer Liste wählten die Patienten die ihnen zu einem beliebigen Zeitpunkt verschriebenen Therapien aus. Am häufigsten erhielten alle Patienten Kortikosteroide (79%), intravenöse Immunglobuline (48%), Bluttransfusionen (34%). 29% der Patienten wurden mit Anti-CD20-Antikörpern und 27% mit TPO-RAs und behandelt, gefolgt von anderen Immunsuppressiva (15%), RHo[D]Immunglobulin (13%) und Cyclosporin (10%).

Beim ersten oder zweiten Rezidiv und Thrombozytenwerten von <10-100x103/µl verordneten Ärzte eher Kortikosteroide als TPO-RAs. Diese wie auch Anti-CD20-Antikörper wurden eher nach dem zweiten oder nach dem dritten Rezidiv verordnet.
Bei der Wahl der Therapie war für Ärzte und Patienten das Erreichen einer dauerhaften Remission am wichtigsten (82% bzw. 90%), gefolgt von der Reduktion des Blutungsrisikos (86% bzw. 87%) (1). Danach folgten weniger Nebenwirkungen (76% bzw. 86%) und die Vermeidung einer Immunsuppression (61% bzw. 72%). Um eine dauerhafte Remission zu erzielen, erschien 32% der Ärzte Thrombopoetinrezeptor-Agonisten am geeignetsten. 26% bevorzugten hierfür die Splenektomie, 24% Kortikosteroide und 12% Anti-CD20-Antikörper.

50% der Patienten erreichten unter TPO-RAs eine langanhaltende Remission gegenüber 52% durch eine Splenektomie, 42% unter einem Anti-CD20-Antikörper und 32% unter iv Immunglobulinen.

84% der Patienten, die einen TPO-RA erhielten, waren der Meinung, dass damit Blutungen effektiv verhindert würden. Bei Anti-CD20-Antikörpern und Kortikosteroiden waren etwas weniger Patienten dieser Auffassung (74% bzw. 66%). Außerdem beurteilten die meisten Patienten ihre derzeitige Medikation als effektiv zur Behandlung von ITP-Symptomen (TPO-RAs: 78%, Anti-CD20-Antikörper: 83%, Kortikosteroide: 63%, i.v. Immunglobuline: 70%), doch die Splenektomie hielten diesbezüglich nur 36% für effektiv. Neben Blutungen nannten Patienten Fatigue, Angst bei instabilen Thrombozytenwerten und Hämatome ohne äußeren Anlass als belastende Symptome. Wenn TPO-RAs eingesetzt wurden, schätzten 86% der Patienten daran, dass damit eine Immunsuppression verhindert wurde.

Insgesamt waren 76% der Patienten unter einem TPO-RA, 78% der Patienten unter einem Anti-CD20-Antikörper sowie 69% der Patienten unter i.v. Immunglobulinen und 52% der Patienten unter Kortikosteroid-Therapie zufrieden mit der Krankheitskontrolle gegenüber 38% der splenektomierten Patienten. Die Splenektomie wurde also von den Patienten trotz ihrer Wirksamkeit weniger geschätzt als die Vergleichsoptionen (1).

Die Patientenperspektive speziell zur Splenektomie wurden auf dem EHA gesondert als Poster vorgestellt (2). Hier wurde v.a. ein Bedarf nach besserer Information der Patienten über mögliche Nachteile und Nebenwirkungen der Methode deutlich (2). 54% der Patienten gaben an, nicht genügend über die möglichen Langzeit-Komplikationen der Splenektomie informiert worden zu sein und 56% der Patienten machten sich Sorgen über die Langzeit-Nebenwirkungen. Die Autoren ziehen aus den Ergebnissen der I-WISh Studie den Schluss, dass es notwendig ist, Patienten mit ITP besser über die lebenslangen Risiken der Splenektomie aufzuklären und diese gegenüber den gewünschten Effekten abzuwägen. Die Patientenperspektive sollte verstärkt in die Therapieentscheidung einbezogen werden, so die Autoren.
 

cs

Quelle: EHA 2019

Literatur:

1. Kruse A et al. Differences in perceptions on treatment approaches between physicians and ITP patients: Results from the ITP world impact survey (I-WISh). Poster im Rahmen des 24. Kongresses der European Hematology Association, 13. bis 16. Juni 2019. Abstract PF711
2. Cooper N et al. Patient perceptions on splenectomy outcomes. Results from the ITP world impact survey (I-WISh). Poster im Rahmen des 24. Kongresses der European Hematology Association, 13. bis 16. Juni 2019. Abstract PF714


Das könnte Sie auch interessieren

Krebsgesellschaften: Unterstützer der Patienten

Krebs zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Tag für Tag sterben etwa 20.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Allein 2012 gab es laut Schätzungen der WHO etwa 8,2 Millionen krebsbedingte Todesfälle.* Dieser Herausforderung zu begegnen, war schon immer das Bestreben von klinischen und niedergelassenen Ärzten, universitären Wissenschaftlern und der forschenden Pharmaindustrie. Wichtiges Bindeglied untereinander, aber auch zum Patienten, sind die...

Übergewicht als Krebsrisiko

Übergewicht als Krebsrisiko
© Creativa Images / fotolia.com

Fettleibigkeit könnte bald dem Rauchen den ersten Rang als Hauptursache für Krebs ablaufen. Denn während die Anzahl der Krebserkrankungen aufgrund von Tabakkonsum in Deutschland stetig sinkt, nimmt die Zahl übergewichtiger Menschen mit Krebs statistisch gesehen zu. Auf die Entstehung aller Krebskrankheiten gerechnet hat die Fettleibigkeit einen Anteil von schätzungsweise 16%. Würden alle Menschen das Normalgewicht einhalten, könnten allein in Deutschland...

Primäre Studienendpunkte: Gesamtüberleben oder progressionsfreies Überleben - gibt es einen Goldstandard?

Anerkanntes Ziel einer Therapie von Krebspatienten ist die Verbesserung des Überlebens und der Lebensqualität. Historisch gesehen gilt die Gesamtüberlebenszeit (OS = overall survival) als der wichtigste primäre klinische Endpunkt einer Studie. Doch das Gesamtüberleben als primärer Studienendpunkt unterliegt nicht zuletzt aufgrund der Fortschritte, die in letzten Jahren in der Krebstherapie erzielt wurden, gewissen Einschränkungen. So können...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren