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Medizin

17. Juni 2019 Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten

Patienten mit der seltenen, erworbenen Autoimmunerkrankung Immunthrombozytopenie (ITP) sind häufig einem hohen Leidensdruck ausgesetzt. Für Patienten mit persistierender oder chronischer ITP, die auf Kortikosteroide angewiesen sind oder auf die Erstlinientherapie mit Kortikosteroiden nicht ansprechen, stehen als Therapieoptionen eine Splenektomie, Rituximab oder Thrombopoetinrezeptor-Agonisten (TPO-RAs) wie Eltrombopag (Revolade®) zur Verfügung. Die I-WISh Studie untersuchte die Belastung durch die Erkrankung ITP und ihren Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten und erfasste Einstellungen, Überzeugungen und die Wahrnehmung von Ärzten und ITP-Patienten. Die auf dem EHA-Kongress 2019 in Amsterdam vorgestellten Ergebnisse (1,2) zeigen, dass Patienten TPO-RAs und Anti-CD20-Antikörper als gleich wirksam empfanden und insgesamt sehr zufrieden mit diesen beiden Therapieoptionen waren. Die Zufriedenheit mit der Splenektomie fiel deutlich geringer aus.
An der Umfrage hatten 1.507 ITP-Patienten und 472 Ärzte aus 13 Ländern teilgenommen. Im Durchschnitt behandelte jeder Arzt im vergangenen Jahr 34 aktuelle und 18 neu diagnostizierte Patienten. Aus einer Liste wählten die Patienten die ihnen zu einem beliebigen Zeitpunkt verschriebenen Therapien aus. Am häufigsten erhielten alle Patienten Kortikosteroide (79%), intravenöse Immunglobuline (48%), Bluttransfusionen (34%). 29% der Patienten wurden mit Anti-CD20-Antikörpern und 27% mit TPO-RAs und behandelt, gefolgt von anderen Immunsuppressiva (15%), RHo[D]Immunglobulin (13%) und Cyclosporin (10%).

Beim ersten oder zweiten Rezidiv und Thrombozytenwerten von <10-100x103/µl verordneten Ärzte eher Kortikosteroide als TPO-RAs. Diese wie auch Anti-CD20-Antikörper wurden eher nach dem zweiten oder nach dem dritten Rezidiv verordnet.
Bei der Wahl der Therapie war für Ärzte und Patienten das Erreichen einer dauerhaften Remission am wichtigsten (82% bzw. 90%), gefolgt von der Reduktion des Blutungsrisikos (86% bzw. 87%) (1). Danach folgten weniger Nebenwirkungen (76% bzw. 86%) und die Vermeidung einer Immunsuppression (61% bzw. 72%). Um eine dauerhafte Remission zu erzielen, erschien 32% der Ärzte Thrombopoetinrezeptor-Agonisten am geeignetsten. 26% bevorzugten hierfür die Splenektomie, 24% Kortikosteroide und 12% Anti-CD20-Antikörper.

50% der Patienten erreichten unter TPO-RAs eine langanhaltende Remission gegenüber 52% durch eine Splenektomie, 42% unter einem Anti-CD20-Antikörper und 32% unter iv Immunglobulinen.

84% der Patienten, die einen TPO-RA erhielten, waren der Meinung, dass damit Blutungen effektiv verhindert würden. Bei Anti-CD20-Antikörpern und Kortikosteroiden waren etwas weniger Patienten dieser Auffassung (74% bzw. 66%). Außerdem beurteilten die meisten Patienten ihre derzeitige Medikation als effektiv zur Behandlung von ITP-Symptomen (TPO-RAs: 78%, Anti-CD20-Antikörper: 83%, Kortikosteroide: 63%, i.v. Immunglobuline: 70%), doch die Splenektomie hielten diesbezüglich nur 36% für effektiv. Neben Blutungen nannten Patienten Fatigue, Angst bei instabilen Thrombozytenwerten und Hämatome ohne äußeren Anlass als belastende Symptome. Wenn TPO-RAs eingesetzt wurden, schätzten 86% der Patienten daran, dass damit eine Immunsuppression verhindert wurde.

Insgesamt waren 76% der Patienten unter einem TPO-RA, 78% der Patienten unter einem Anti-CD20-Antikörper sowie 69% der Patienten unter i.v. Immunglobulinen und 52% der Patienten unter Kortikosteroid-Therapie zufrieden mit der Krankheitskontrolle gegenüber 38% der splenektomierten Patienten. Die Splenektomie wurde also von den Patienten trotz ihrer Wirksamkeit weniger geschätzt als die Vergleichsoptionen (1).

Die Patientenperspektive speziell zur Splenektomie wurden auf dem EHA gesondert als Poster vorgestellt (2). Hier wurde v.a. ein Bedarf nach besserer Information der Patienten über mögliche Nachteile und Nebenwirkungen der Methode deutlich (2). 54% der Patienten gaben an, nicht genügend über die möglichen Langzeit-Komplikationen der Splenektomie informiert worden zu sein und 56% der Patienten machten sich Sorgen über die Langzeit-Nebenwirkungen. Die Autoren ziehen aus den Ergebnissen der I-WISh Studie den Schluss, dass es notwendig ist, Patienten mit ITP besser über die lebenslangen Risiken der Splenektomie aufzuklären und diese gegenüber den gewünschten Effekten abzuwägen. Die Patientenperspektive sollte verstärkt in die Therapieentscheidung einbezogen werden, so die Autoren.
 

cs

Quelle: EHA 2019

Literatur:

1. Kruse A et al. Differences in perceptions on treatment approaches between physicians and ITP patients: Results from the ITP world impact survey (I-WISh). Poster im Rahmen des 24. Kongresses der European Hematology Association, 13. bis 16. Juni 2019. Abstract PF711
2. Cooper N et al. Patient perceptions on splenectomy outcomes. Results from the ITP world impact survey (I-WISh). Poster im Rahmen des 24. Kongresses der European Hematology Association, 13. bis 16. Juni 2019. Abstract PF714


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