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Medizin

15. Juni 2019 Ruxolitinib bei Patienten mit Myelofibrose: Real-world-Daten bestätigen Sicherheit in der Langzeittherapie

Die Myelofibrose ist klinisch durch eine Vielzahl von Symptomen wie Fatigue, Pruritus und Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust charakterisiert, die die Lebensqualität der Patienten erheblich einschränken. Dr. Fiorenza Barraco, Pierre-Bénite, Frankreich, stellte im Rahmen einer Postersession beim EHA-Kongress 2019 in Amsterdam Langzeitsicherheitsdaten zum Januskinasen (JAK)-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®) bei Patienten mit Myelofibrose vor. Das in dieser nicht-interventionellen Postzulassungs-Sicherheitsstudie über 3 Jahre beobachtete Sicherheitsprofil stärkt neben den Daten der COMFORT-I/II-Studie die Evidenz für den Langzeit-Einsatz von Ruxolitinib bei Patienten mit Myelofibrose.
Die Ergebnisse der Phase-III-Studien COMFORT I/II hatten zur Zulassung von Ruxolitinib zur Therapie von Patienten mit Myelofibrose geführt. Die beim EHA-Kongress  vorgestellte Post-Zulassungsstudie zur Sicherheit von Ruxolitinib (Postauthorization safety study, PASS) wurde auf Veranlassung der europäischen Arzneimittelagentur EMA aufgelegt. Ziel der prospektiven, nicht-interventionellen, multizentrischen Beobachtungsstudie war es, Daten aus dem klinischen Alltag zur Langzeit-Sicherheit von Ruxolitinib bei Patienten mit primärer oder sekundärer Myelofibrose zu generieren.

Ein Teil der Patienten erhielt Ruxolitinib gemäß den Angaben der Fachinformation, ein anderer Teil der Patienten wurden nicht mit Ruxolitinib behandelt. Primärer Endpunkt war die Inzidenz von Nebenwirkungen (adverse drug reactions, ADRs) und schwerwiegender unerwünschter Ereignisse (serious adverse events, SAEs). Als sekundärer Endpunkt wurde die Inzidenz und das Outcome von Ereignissen von besonderem Interesse erfasst (events of special interest, EoSI: Blutungen, schwerwiegende/opportunistische Infektionen, sekundäre primäre maligne Erkrankungen und Tod).
Die statistische Auswertung wurde durchgeführt, nachdem der letzte Patient 3 Jahre an der Studie teilgenommen oder vorzeitig abgebrochen hatte (finaler Datenschnitt 5. Juli 2018).

462 Patienten nahmen an der Studie teil: 260 Patienten, die bereits Ruxolitinib erhielten, darunter 181 Patienten mit einer mind. 6-monatigen Behandlung (Langzeitnutzer) und 79 Patienten mit einer maximal 6-monatigen Behandlung (Kurzzeitnutzer), weiterhin 32 Patienten, die zuvor kein Ruxolitinib erhalten hatten (Erstnutzer) sowie 170 Patienten ohne Ruxolitinib-Therapie (Nicht-Nutzer). 57 Patienten der Nicht-Nutzer „switchten“ allerdings im Laufe der Studie später doch auf den JAK-Inhibitor. Die Patientencharakteristika waren repräsentativ für Myelofibrose-Patienten und in allen Anwendergruppen ausgewogen. Die mediane Expositionsdauer betrug bei den Langzeitnutzern 33,8 Monate, bei den Kurzzeitnutzern 27,8 Monate, bei den Erstnutzern 26,1 Monate und bei der Switch-Kohorte 20,3 Monate. Die häufigsten Gründe für Dosisreduktionen oder Unterbrechungen der Medikation waren in allen Kohorten unter Ruxolitinib-Therapie medizinische Gründe, gefolgt von Nebenwirkungen.
Die Expositionszeit-adjustierten Inzidenzraten an ADRs und SAEs waren zwischen der Kohorte der Neuanwender und der Kohorte der bestehenden Anwender (Kurzzeit und Langzeit) vergleichbar und lagen im Bereich von 19% (ADR) bzw. 25% (SAE). Bei der Switch-Kohorte waren die Werte leicht erhöht (ADR 33,4% und SAE 29,1%).

Die in allen Anwender-Kohorten am häufigsten berichteten ADRs waren Thrombozytopenie, Anämie, Nasenbluten und Herpes Zoster. Die Inzidenz von Thrombozytopenie und Anämie waren in der Switch-Gruppe höher als in den Kohorten der bestehenden Anwender und der neuen Anwender. In allen Kohorten waren Anämie, Pneumonie und eine allgemeine Verschlechterung des Gesundheitszustandes die am häufigsten berichteten SAEs. In der Kohorte der bestehenden Anwender kam es häufiger zu Blutungen als in den anderen Kohorten. Schwerwiegende und opportunistische Infektionen waren in der Kohorte der Erstnutzer und in der Switch-Kohorte häufiger als in anderen Kohorten. Die häufigsten Todesursachen unter Therapie waren Progression der Myelofibrose, Sepsis und Pneumonie.

Insgesamt waren die in dieser PASS-Studie ermittelten Langzeitdaten zur Sicherheit von Ruxolitinib konsistent mit den Ergebnissen der Phase-III-Studien COMFORT I/II. Hervorzuheben ist, dass diese Langzeitstudie eine breitere Patientenpopulation umfasste als die COMFORT I/II-Studien und auch Patienten mit niedrigerem Risiko sowie ältere Patienten einschloss. Bei der Langzeittherapie wurden keine neuen oder unerwarteten Signale zur Sicherheit beobachtet. Die aktuellen Real-world-Daten untermauern den Nutzen einer Ruxolitinib-Therapie für Patienten mit Myelofibrose in der Langzeitanwendung.
 

cs

Quelle: EHA 2019

Literatur:

Barraco F et al. Real-world safety data from a noninterventional long-term postauthorization safety study of ruxolitinib in myelofibrosis. Poster im Rahmen des 24. Kongresses der European Hematology Association, 13. bis 16. Juni 2019; Abstract PF679


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