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Medizin

31. Juli 2020 Polycythaemia vera: Real-World-Daten bestätigt Senkung thromboembolischer Ereignisse unter JAK-Inhibitor Ruxolitinib

Die Ergebnisse des angewendeten Machine-Learning-Modell bei Patienten mit Polycythaemia vera (PV) unterstreicht bisherige Hinweise, dass im klinischen Alltag eine rechtzeitige Umstellung von Hydroxyurea (HU) auf den JAK-Inhibitor Ruxolitinib mit einer Reduktion thromboembolischer Ereignisse (TEs) assoziiert sein könnte. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Real-World-Daten des US-amerikanischen OPTUM-Registers (1).
In einer europäischen nicht-interventionellen Beobachtungsstudie wurde zudem unter einer Therapie mit Ruxolitinib der Hämatokrit nachhaltig gesenkt und der Anteil Phlebotomie-unabhängiger PV-Patienten von 38% auf 88% erhöht (1). Damit konnten die Ergebnisse klinischer Zulassungsstudien bei der PV (2-4) nun auch im Real-World-Setting bestätigt werden (1, 2).
Die Verminderung thromboembolischer Ereignisse (TEs) und das Erreichen von Phlebotomie-Unabhängigkeit sind wichtige Therapieziele bei der PV (5). Bei der diesjährigen virtuellen Jahrestagung der European Hematology Association (EHA25Virtual) wurde eine Analyse US-amerikanischer Registerdaten vorgestellt, die den Rückgang von TEs bei PV-Patienten belegt, die nach initialer Therapie mit HU aufgrund von Resistenz oder Intoleranz gegenüber HU (6) auf Ruxolitinib (Jakavi®) umgestellt wurden (1). Interimsdaten einer europäischen Beobachtungsstudie ergaben darüber hinaus, dass eine Behandlung mit Ruxolitinib unter Alltagsbedingungen bei HU-refraktären/-intoleranten Patienten mit PV zu einer schnellen und nachhaltigen Senkung des Hämatokrits sowie einer deutlichen Erhöhung des Anteils Phlebotomie-unabhängiger Patienten führt (2).

Frühzeitige Umstellung auf Ruxolitinib bei Resistenz oder Intoleranz auf HU

Eine Analyse auf Basis des US-amerikanischen OPTUM-Registers, das auch Daten von PV-Patienten enthält, verglich die Inzidenz von TEs bei PV-Patienten, die nach einer anfänglichen Therapie mit HU aufgrund von Resistenz/Intoleranz auf Ruxolitinib umgestellt wurden. In die Analyse gingen die Daten von insgesamt 276 PV-Patienten ein, die nach einer initialen 27-monatigen Therapie mit HU unter Alltagsbedingungen entweder 14 Monate mit Ruxolitinib behandelt wurden (HU-RUX-Gruppe; n=81) oder 14 weitere Monate HU erhielten (HU-HU-Gruppe; n=195). In beiden Gruppen wurde das Auftreten von TEs vor Therapiebeginn und in den jeweiligen Behandlungsphasen evaluiert.
Vor Therapiebeginn lag die TE-Inzidenz bei allen Patienten unter 10% (9% bei der HU-RUX-Gruppe, 7% bei der HU-HU-Gruppe). Im Laufe der initialen HU-Behandlung stieg sie in beiden Gruppen an – auf 17% bei den HU-RUX-Patienten und 13% bei den HU-HU-Patienten. Nach Umstellung auf Ruxolitinib und einer medianen Behandlungsdauer von 14 Monaten verminderte sich bei den HU-RUX-Patienten die TE-Inzidenz von 17% auf 15%, während sie im gleichen Zeitraum bei den HU-HU-Patienten von 13% auf 20% anstieg. Ein ähnlicher Trend mit vergleichbaren Unterschieden zwischen beiden Behandlungsgruppen zeigte sich auch dann, wenn die TEs nach einer erweiterten Definition ermittelt wurden. In diesem Fall betrug die TE-Inzidenz zu Therapiebeginn bei HU-RUX 21% und bei HU-HU 22%, nach 27 Monaten HU-Behandlung 36% vs. 44% und am Ende der Gesamtbehandlungszeit 35% vs. 50%. Diese Daten geben Hinweise darauf, dass Patienten mit PV, die unter einer initialen Behandlung mit HU stehen, im klinischen Alltag bei Resistenz/Intoleranz gegenüber HU von einer Umstellung auf Ruxolitinib mit einer Verminderung von TEs profitieren könnten (1).

Verbesserter Hämatokrit, mehr Phlebotomie-Unabhängigkeit

Eine laufende nicht-interventionelle Phase-IV-Beobachtungsstudie evaluiert Erkrankungsprofil und Krankheitslast bei Hydroxyurea-resistenten/-intoleranten PV-Patienten, die unter Alltagsbedingungen über insgesamt 52 Wochen mit Ruxolitinib behandelt werden. Eine beim EHA25Virtual vorgestellte Interimsanalyse schloss 60 Patienten im medianen Alter von 65 Jahren ein, die mit einer Ruxolitinib-Therapie beginnen werden oder vor maximal 6 Monaten damit begonnen hatten (2).
Bereits in den ersten 12 Wochen der Therapie fielen die Hämatokrit-Spiegel von median 44% auf etwa 40% und blieben anschließend über den gesamten Behandlungszeitraum von 52 Wochen stabil. Der Anteil der Phlebotomie-unabhängigen Patienten stieg unter dem Einfluss von Ruxolitinib von 38% im Jahr vor der Behandlung auf 88%. Gleichzeitig nahm die Häufigkeit der benötigten Phlebotomien ab, meist auf 1-2. Der Anteil der Patienten, die vor der Ruxolitinib-Therapie mindestens 3 Phlebotomien benötigt hatte, fiel von 40% auf 5%. Bei Patienten mit Splenomegalie wurde darüber hinaus die Milzgröße signifikant verringert. Den Autoren zufolge bestätigen die Interimsergebnisse dieser Beobachtungsstudie die Ergebnisse der Zulassungsstudien zu Ruxolitinib bei der PV (3-5) nun auch im klinischen Alltag.

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Verstovsek S et al. Machine Learning to predict Hydroxyurea (HU) failure and incidence of thromboembolic events (TES) with HU vs ruxolitinib switch therapy in Polycythemia Vera patients: EHA25Virtual, Abstract EP1117.
(2) Kiladjian JJ et al.  Long-term Efficacy and Safety of Ruxolitinib Versus Best Available Therapy in Polycythaemia Vera (RESPONSE): 5-year Follow Up of a Phase 3 Study. Lancet Haematol. 2020 7(3):e226-e237.
(3) Passamonti et al. Ruxolitinib for the Treatment of Inadequately Controlled Polycythemia Vera without Splenomegaly: 156-Week Follow-up from the Phase 3 Response-2 Study. Poster im Rahmen der 60. Jahrestagung der American Society of Clinical Hematology (ASH) 2018, 1. Dezember 2018; Abstract 1754.
(4) Vannucchi AM et al. Ruxolitinib Versus Standard Therapy for the Treatment of Polycythemia Vera. N Engl J Med. 2015; 372(5): 426–435.
(5) Fachinformation Jakavi®.


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