Sonntag, 8. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

14. November 2019 Ovarialkarzinom: Einsatz der PARP-Inhibitoren im klinischen Alltag

Die Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitoren nach Platin-haltiger Chemotherapie hat zu einer Prognoseverbesserung bei Ovarialkarzinom-Patientinnen mit high-grade seröser oder epithelialer Platin-sensitiver Erkrankung geführt. Im November 2017 wurde Niraparib, im Mai 2018 Olaparib und im Januar 2019 Rucaparib, alle unabhängig vom BRCA- und HRD-Status, zugelassen. In einem Satellitensymposium der Firma Clovis Oncology wurden Aspekte für die Therapieentscheidung diskutiert.
Anzeige:
Fachinformation
Dr. Alexandra Leary, Gustave Roussy Cancer Center, Villejuif, Frankreich, ging auf die Therapiewahl bei Patientinnen mit Platin-sensitivem Rezidiv ein. Dafür sei zunächst eine Begriffsklärung notwendig: Beruhte früher die Platin-Sensitivität auf der Länge des Platin-freien Intervalls, so werde heute die Platin-sensitive Erkrankung als „bestätigt sensitiv“ bei Ansprechen auf eine Platin-Rechallenge-Therapie und als „erwartet sensitiv“ bei vorherigem Ansprechen auf die Platin-haltige Therapie oder bei nicht bekanntem Ansprechen und Progress ohne frühe Symptome bezeichnet. Platin-resistent ist die Erkrankung, wenn ein Therapieerfolg mit einer Platin-Rechallenge-Therapie unwahrscheinlich ist.

Wann Bevacizumab, wann PARP-Inhibitoren?

Die antiangiogene Therapie mit Bevacizumab und die zielgerichtete Therapie mit PARP-Inhibitoren sollten jeweils nur einmal im Verlauf der Erkrankung eingesetzt werden, so Leary. Daher sei abzuwägen, in welcher Therapielinie die Substanzen optimal eingesetzt werden. Ob Bevacizumab oder ein PARP-Inhibitor effektiver ist, ist aus den verfügbaren klinischen Daten nicht abzulesen. Das Studiendesign der Zulassungsstudien war verschieden, ebenso die Charakteristik der eingeschlossenen Patientinnenpopulationen. In den Studien mit Bevacizumab wurden Patientinnen eingeschlossen, die nach neuen Kriterien „erwartet Platin-sensitiv“ waren – es konnten alle Patientinnen mit Platin-sensitivem Rezidiv ohne die Bestätigung eines Ansprechens auf die erneute Platin-Therapie in die Studien aufgenommen werden. Die Histologie stellte keine Einschränkung dar, aber es konnten nur Patientinnen im ersten Rezidiv eingeschlossen werden. Für die PARP-Inhibitoren wurden Studien konzipiert, in die Patienten nur mit „geprüfter Platin-Sensitivität“ eingeschlossen wurden, die Histologie musste vom high grade sein und es waren fortgeschrittenere Therapielinien erlaubt.
Laut klinischen Faktoren könnte die Anti-VEGF-Strategie möglicherweise für schwer symptomatische Patientinnen mit Aszites, stabiler Erkrankung als bestem Ansprechen auf die letzte Platinbehandlung und ein mittleres krankheitsfreies Intervall die bessere Option sein, wohingegen PARP-Inhibitoren auch in späteren Therapielinien, nach Bevacizumab, bei biomarkerselektierten Patientinnen mit BRCA-Mutation oder HR-Defizienz wahrscheinlich die bessere Option darstellen. Ein Benefit der PARP-Inhibitoren wurde zudem über alle Subpopulationen gesehen, betonte Leary.

Rucaparib reduziert Progressionsrisiko für alle Subgruppen

Ana Oaknin, Vall d´Hebron University Hospital Barcelona, Spanien, erinnerte in Zusammenhang mit 2 Kasuistiken an die Studiendaten der Rucaparib-Zulassungsstudie. In der ARIEL3-Studie wurde Rucaparib als Monotherapie in der Erhaltung bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom untersucht, dabei hatten in der BRCA-mutierten Population 58% der Patientinnen 2 und 42% der Patientinnen ≥3 Therapielinien erhalten, zudem waren 20% der BRCA-mutierten Patientinnen Bevacizumab-vorbehandelt. In Subgruppenanalysen zeigte sich der Vorteil durch die Rucaparib-Erhaltungstherapie gegenüber Placebo für alle Subgruppen: Patientinnen mit 2 vorangegangenen Chemotherapien profitierten mit einer Reduktion des Risikos für einen Progress von 76% (HR: 0,24; 95%-KI: 0,14-0,40), bei ≥3 vorangegangenen Chemotherapielinien wurde das PFS-Risiko um 79% reduziert (HR: 0,21; 95%-KI 0,11-0,40). Bei Patientinnen mit vorheriger Bevacizumabtherapie betrug die Risikoreduktion 69% (HR: 0,31; 95%-KI: 0,11-0,89) und bei Patientinnen ohne vorherige Bevacizumabtherapie 80% (HR: 0,20; 95%-KI: 0,13-0,31).
Bezüglich der ITT-Population wurde eine PFS-Risikoreduktion von 64% festgestellt (HR: 0,36; 95%-KI: 0,30-0,45). Im Median lebten die Patientinnen unter Rucaparib 10,8 Monate vs. 5,4 Monate unter Placebo progressionsfrei. Auch Patientinnen mit BRCA-Wildtyp-Tumoren profitierten von einer Erhaltungstherapie mit Rucaparib: Das Risiko für einen Progress wurde um 56% reduziert (HR: 0,44; 95%-KI: 0,34-0,56), das mediane PFS von 5,4 auf 8,2 Monate verlängert.

Dr. Ine Schmale, Westerburg

Quelle: Satellitensymposium „PARP inhibitors in ovarian cancer – expert perspectives on current clinical questions“, im Rahmen der Jahresversammlung der European Society of Medical Oncology (ESMO), 30. Sept. 2019, Barcelona; Veranstalter: Clovis Oncology


Das könnte Sie auch interessieren

Urologen starten Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017

Urologen starten Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017
© Paolese / Fotolia.com

Deutschlands Urologen gehen neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit: Mit der Einführung der „Urologischen Themenwochen“ baut die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) ihr Engagement in der medizinischen Aufklärung der Bevölkerung erneut aus: Den Anfang macht die Urologische Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017. Mit zielgruppengerecht aufbereiteten Informationen wollen Urologinnen und Urologen männliche Heranwachsende und junge...

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde
© Daniel Vincek / fotolia.com

Neue Analysen der EPIC-Potsdam-Studie zeigen, dass eine mediterrane Kost auch außerhalb des Mittelmeerraums das Risiko für Typ-2-Diabetes senken kann. Zudem können Menschen mit Gemüse, Obst, Olivenöl und Co wahrscheinlich zusätzlich ihr Herzinfarkt-Risiko verringern. Die Ergebnisse zum Zusammenhang von regionalen Diäten und chronischen Erkrankungen haben DIfE-Wissenschaftler im Rahmen des Kompetenzclusters NutriAct jetzt im Fachblatt BMC Medicine publiziert.

„Durch Wissen zum Leben“

Wann immer möglich, wird heutzutage versucht, Krebspatienten Klinikaufenthalte zu ersparen. Die Behandlung erfolgt vielmehr bevorzugt ambulant bei niedergelassenen Krebsmedizinern oder in Klinikambulanzen. Das erlaubt es den Patienten, trotz der Erkrankung weitestgehend in ihrer gewohnten Umgebung zu leben und ihrem Alltag nachgehen zu können. Die vorwiegend ambulante Behandlung hat jedoch auch zur Folge, dass dem Patienten weniger Ansprechpartner zu allen Fragen zur Erkrankung und...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ovarialkarzinom: Einsatz der PARP-Inhibitoren im klinischen Alltag"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.