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Medizin

30. Mai 2018
Seite 3/3

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Fachinformation


Wirksame Therapie verringert Symptomlast und verbessert Lebensqualität

Gralla konstatierte ein Defizit bei der Kommunikation von Daten zu Lebensqualität, aber auch Unsicherheit auf Seiten der Ärzte bei ihrer Interpretation. Studien zeigten eine Korrelation zwischen dem Ansprechen auf die Chemotherapie und der Symptomlast bei NSCLC-Patienten unter second line Docetaxel, berichtete Gralla. „Wenn die Erkrankung unter Chemotherapie weiter voranschritt, führte auch eine umfangreiche Palliativtherapie nicht zu einer Verbesserung belastender Symptome. Diese verbesserten sich am stärksten bei den Patienten mit partiellem oder komplettem Ansprechen auf die Chemotherapie – das ist eine für die täglich Praxis wichtige Information“.

Auch die internationale offene Phase-III-Studie KEYNOTE-24, die den PD-L1-Inhibitor Pembrolizumab (Keytruda®) mit alleiniger Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC verglich, zeigte, dass Pembrolizumab die gesundheitsbezogene Lebensqualität gegenüber den Patienten unter Chemotherapie erhielt oder sogar verbesserte (9). „Wenn es einen Benefit in Bezug auf das Überleben gab, dann zeigte sich auch eine Verbesserung der belastenden Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Schlaflosigkeit, Appetitverlust - gemessen mit dem EORTC QLQ-C30 Fragebogen“, erläuterte Gralla.
 
Die Stimme des Patienten: PROs

Die Erfassung der Lebensqualität muss mit PROs kombiniert werden, forderte Gralla. Ihnen kommt eine Vielzahl von Rollen zu: Sie zeigen dem Arzt das Verhältnis zwischen dem Nutzen und der Toxizität einer Therapie genau auf, und sie bewerten die Auswirkungen eines Symptoms auf den Patienten. Außerdem seien bei Therapiebeginn erhobene PROs prädiktiv für das Überleben. „Wir müssen auf die Stimme des Patienten hören, wir müssen ihn fragen, was ihm wichtig ist, und wir müssen zuhören“. Der Performance Status sei nur eine Komponente der Lebensqualität und nicht allgemein mit Lebensqualität gleichzusetzen, betonte Gralla. Er wies darauf hin, dass der Karnofsky Performance Status zwar nützlich, aber knapp 70 Jahre alt sei. Welcher PRO ist den Patienten selbst am wichtigsten? Gralla stellte die Ergebnisse von Befragungen von insgesamt knapp 3.860 Patienten mit Lungen-, Mamma- oder Prostatakarzinom vor, die ergaben, dass für 97% aller Patienten, egal welcher Tumorart, die Lebensqualität die höchste Priorität hat, auch bei den Patienten im finalen Erkrankungsstadium, und damit gleichauf lag mit der Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Auch der Erhalt der Unabhängigkeit und die Fähigkeit, den normalen täglichen Aktivitäten nachzugehen, wurden mit 96% bzw. 95% hoch bewertet. Die Kontrolle belastender Symptome fand sich nicht unter den fünf wichtigsten Anliegen der Patienten (10-13).

Die Lung Cancer Symptom Scale (LCSS) kombiniert einen Lungenkrebs-spezifischen

PRO-Fragebogen mit dem 3-Item Global Index (3-IGI), der als Index für das Aktivitätslevel, die Symptombelastung und die Lebensqualität dient, und kann sowohl in Papierform als auch in elektronischer Form (eLCSS-QL) zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und von PROs eingesetzt werden (10, 11). In der prospektiven Studie AP-QL mit 622 Patienten mit Lungenkarzinom, die eine primäre Platin-basierte Chemotherapie erhielten, zeigte sich eine starke Korrelation zwischen anfangs mittels des elektronischen LCSS-QL-Instruments abgefragten PROs und dem Überleben. Patienten ohne negative PROs vor der Chemotherapie lebten im Median 16 Monate, diejenigen mit drei negativen PROs hingegen nur 9 Monate (14). Der 3-IGI-Baseline Score erwies sich auch als hoch prädiktiver Faktor für Hospitalisierungen aufgrund der Tumorerkrankung von Patienten mit NSCLC unter Chemotherapie, also z.B. aufgrund von Schmerzen, respiratorischen Problemen, Tumorprogression oder Dehydrierung und war dabei akkurater als der ECOG Performance Status. So können Risikogruppen zukünftig besser identifiziert werden (15).

„Die Lebensqualitätsmessung und die Messung von PROs sollten Teil der Präzisionsmedizin sein, so lässt sich der individuelle Benefit von einer Behandlungsmethode verbessern. Außerdem ermöglichen sie eine bessere Beurteilung der Therapie und der Therapieergebnisse, können die Konzipierung von klinischen Studien verbessern, helfen bei der Entscheidungsfindung und verbessern die Verteilung von Ressourcen im Gesundheitswesen“, resümierte Gralla.

Auch Christian Witt forderte eine Abkehr vom Performance Status, hin zur Integration von angemessenen PROs und forderte abschließend. „Wir befinden uns in der Onkologie in einer großen Transformation der Therapie: Den Schritt nach vorne hin zur personalisierten Therapie muss auch die Supportivtherapie mitgehen. Sie soll die Qualität des Überlebens des einzelnen Patienten verbessern.“

Mascha Pömmerl

Quelle: Plenarsymposium „Supportive Care: Where do we come from and where do we go?“ von MSD im Rahmen des Krebsforums der Industrie beim Deutschen Krebskongress 2018 vom 21. - 24. Februar 2018

Literatur:

(1) Jordan K et al. Ann Oncol 2018;29:36-43
(2) Atkinson TM et al. Support Care Cancer 2016;24:3669-3676
(3) Stephens RJ Quality of life research 1997;6:225-36
(4) Basch E et al. N Eng J Med 2010;362:865-9
(5) Basch E et al. J Clin Oncol 2017; 35:(suppl; abstr LBA2)
(6) Aapro M et al. Ann Oncol 2012; 23:1986-92
(7) Jordan K et al. Ann Oncol 2015;26:1081-90
(8) Temel JS et al. N Engl J Med 2010;363:733-42
(9) Brahmer JR et al. Lancet Oncol 2017;18:1600-1609
(10) Gralla RJ et al. J Thorac Oncol 2014;9:1243-8
(11) Hollen PJ et al. Support Care Cancer 2013;21:165-72
(12) Msaouel P et al. BMJ Support Palliat Care 2017;7:308-315
(13) Shih JCY et al. J Clin Oncol 2015;33, (suppl; abstr 9623)
(14) Gralla RJ et al. J Clin Oncol 2013;31: 15_suppl: Abstract 8087
(15) Gralla RJ et al. IASLC 18th World Conference on Lung Cancer,15-18. 10.2017 in Yokohama, Japan, Abstract P2.01-050

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