Freitag, 26. April 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

19. März 2019 Nuklearmedizin: Präzisere Diagnose durch neues Bildgebungsverfahren

Im Kampf gegen Krebs ist eine frühzeitige und genaue Diagnose entscheidend. Eine neue Methode der nuklearmedizinischen Bildgebung im Bereich der Positronen-Emissionstomographie (PET) ermöglicht eine exaktere Diagnose verbreiteter Karzinome wie Brust-, Darm-, Lungen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zudem erlaubt das neue Bildgebungsverfahren, die Behandlung des Tumors entsprechend den individuellen Bedürfnissen des Patienten anzupassen. „Wir zielen auf ein bestimmtes Enzym, das sich auf der Membran von Zellen befindet, die sehr häufig bei weitverbreiteten Krebsarten auftreten. Dadurch haben wir die Chance, bessere Ergebnisse als mit den bisherigen Methoden zu erzielen“, sagt Professor Uwe Haberkorn, Experte der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin.
Die wichtigste Rolle im neu entwickelten PET-Bildgebungskonzept spielt das Fibroblasten-Aktivierungsprotein (FAP). Dieses Enzym ist reichlich vorhanden auf der Membran von Krebs-assoziierten Fibroblasten (CAFs/Cancer-associated fibroblasts). Diese Zellen kommen in mehr als 90% aller Epithelkarzinome vor, zu denen beispielsweise Bauchspeicheldrüsen-, Darm- und Brustkrebs gehören. Ein hohes Aufkommen von FAP deutet auf eine schlechte Prognose. Doch obwohl CAFs mit dem Wachstum und der Ausbreitung des Tumors einhergehen, handelt es sich bei ihnen nicht um Krebszellen. Sie sind genetisch stabiler als Krebszellen, deshalb ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie eine Therapieresistenz entwickeln. „All diese Merkmale machen das FAP zu einem vielversprechenden Ziel für nuklearmedizinische Diagnose- wie auch Therapieansätze“, so Haberkorn, der das neue bildgebende Verfahren gemeinsam mit seinem Team in Heidelberg entwickelte.
 
Besser als herkömmliche Methoden

Jede PET-Untersuchung erfordert, dass dem Patienten eine kleine Menge einer radioaktiv markierten Substanz, eines Tracers, injiziert wird. Dadurch lassen sich biologische Prozesse wie der Stoffwechsel von Tumorzellen identifizieren und mit Hilfe des bildgebenden Systems sichtbar machen. Der bislang hauptsächlich eingesetzte Tracer ist 18F-fluorodeoxyglucose (FDG), ein radioaktiv markierter Zucker, der von Zellen mit hohem Energieverbrauch, wie Krebs- oder Hirnzellen, aufgenommen wird. Allerdings, so Haberkorn, sind die Ergebnisse, die mit FDG hinsichtlich der Tumor-Aufnahme und des Bildkontrasts erzielt werden, nicht immer zufriedenstellend.

Vor diesem Hintergrund hat sein Team einen neuartigen Tracer entwickelt, der auf einem FAP-spezifischen Enzym-Inhibitor (FAPI) basiert, einem kleinen Molekül, das an FAP bindet, indem es seine chemische Reaktion blockiert. Den FAPI-Tracer, der mit dem Radionuklid Gallium-68 markiert wird, nehmen Tumoren in hohem Maß auf, während er zugleich in den gesunden Regionen des Körpers schnell abgebaut wird. Das führt zu kontraststarken Bildern, da seine Bindung an das umgebende gesunde Gewebe bei Tumorpatienten nur sehr schwach ist. Damit übertreffen FAPIs in wichtigen Regionen metastatischer Erkrankungen wie der Leber oder dem Gehirn die Leistung von FDG eindeutig. In einer Reihe von vorklinischen und klinischen Studien wurden die guten Resultate wiederholt nachgewiesen.

Verknüpfung von Diagnose und Therapie

„Radioaktiv markierte FAPIs ermöglichen eine schnelle und sehr kontraststarke Bildgebung bei allen Tumoren mit einem hohen Anteil an Bindegewebszellen“, erklärt Haberkorn. Aber sie können noch mehr: „Im Gegensatz zu FDG eignen sich FAPIs auch für die Behandlung. Das liegt an chemischen Eigenschaften, die nicht nur eine Markierung mit Gallium-68 erlauben, sondern auch mit Rhenium-188 (188Re), Blei-212 (212Pb) oder Yttrium-90 (90Y), die sich zur Zerstörung des Tumors einsetzen lassen. Das heißt, ein theranostischer Ansatz – eine enge, auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnittene Verknüpfung von Diagnose und Therapie – scheint machbar.“ Zudem ist die FAPI-Bildgebung nicht auf Krebs beschränkt, denn sie lässt sich auf alle Prozesse anwenden, bei denen es zu einem Umbau von Gewebe kommt. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Technik bald auch für die Untersuchung und Behandlung von nicht-onkologischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf- und rheumatischen Erkrankungen oder Lungen-, Leber- und Nierenfibrosen zum Einsatz kommt. Bislang wurde der neue Tracer bei mehreren hundert Patienten in verschiedenen deutschen Krankenhäusern erfolgreich angewandt. In den USA und Japan wird er zur Zeit im Rahmen von vorklinischen Studien eingesetzt. „Die FAPI-Bildgebung hat einen erfolgversprechenden Weg zur Entdeckung und Behandlung vieler bösartiger Tumoren eröffnet, und sie bietet zusätzliche Möglichkeiten mit Blick auf verschiedene andere Krankheiten“, sagt Haberkorn.

Quelle: EANM


Das könnte Sie auch interessieren

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden
© WavebreakmediaMicro / Fotolia.com

Am 8. März ist Weltfrauentag. Seit mehr als 100 Jahren prangern Frauen in aller Welt an diesem Tag Missstände an und streiten für ihre Rechte. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs, kurz FSH, und die Stiftung Deutsche Krebshilfe verleihen an diesem Tag den Frauen, die an Krebs erkrankt sind, eine Stimme. Denn immer noch gibt es in der Versorgung der Betroffenen Defizite. So wird eine Tumorerkrankung nach wie vor häufig zur Armutsfalle.

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

„Sie haben Krebs“ – kaum ein Betroffener wird diesen Satz je vergessen. Von jetzt auf gleich gerät das Leben aus den Fugen. Fragen, Ängste, Traurigkeit, Wut – alles wirbelt durcheinander. Auch die Zeit der Behandlung bis hin zur Nachsorge bringt Belastungen mit sich, die Betroffene an ihre Grenzen bringen können. Nimmt die psychische Belastung überhand oder dauert sie lange an, kann psychotherapeutische Hilfe sinnvoll sein. Der...

Forschung für besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

Forschung für besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs
© Petry

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren der Welt. Einige Virentypen können Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und andere Krebsarten verursachen. Wissenschaftler kooperieren jetzt in einer neuen Studie, um ein HPV-Typ-spezifisches Modell für den Krankheitsverlauf von HPV-Infektionen zu entwickeln. Dazu werden klinische Daten aus großen populationsbasierten Studien der Frauenklinik Wolfsburg in Zusammenarbeit mit einer...

40 Jahre Frauenselbsthilfe nach Krebs

40 Jahre Frauenselbsthilfe nach Krebs
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Am 26. August 2016 begeht die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) im Rahmen ihrer Bundestagung ihr 40-jähriges Jubiläum. Als einer der größten und ältesten Krebs-Selbsthilfeverbände Deutschlands leistet sie unverzichtbare Hilfe für Betroffene und beeinflusst aktiv politische Entscheidungsprozesse im Gesundheitswesen. Dort tritt sie für die Bedürfnisse von Betroffenen ein – dass Patienten heute wesentlich mehr Recht auf Mitsprache...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Nuklearmedizin: Präzisere Diagnose durch neues Bildgebungsverfahren "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.