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Medizin

04. Juli 2019 NSCLC: Optionen nach Versagen der Immuntherapie in der Erstlinie

Zu den Optionen für die Weiterbehandlung von Patienten mit metastasiertem, nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ohne Treibermutation, deren Erkrankung nach oder unter einer platinhaltigen Immun-Chemotherapie fortgeschritten ist, gibt es zurzeit keine Evidenz aus prospektiven Studien. Für die Behandlungsplanung müssen daher geeignete, bereits existierende Daten herangezogen und neu bewertet werden. Zwei im Rahmen der 55. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chi-cago/USA vorgestellte Studien (1,2) bestätigen aktuell überzeugend den Nutzen einer Sequenztherapie mit der Zweitlinien-Kombination aus Ramucirumab + Docetaxel.
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Zweitlinie nach Immuntherapie noch unklar

Die Immuntherapie hat die Behandlung des metastasierten, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) ohne Treibermutation innerhalb von kurzer Zeit substanziell verändert. So kommen heute regelmäßig Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit einer platinhaltigen Chemotherapie als Erstlinientherapie zum Einsatz. Wie die Patienten im Fall einer Krankheitsprogression weiterbehandelt werden können, ist bislang jedoch ungeklärt. Eine Wiederholung der Immuntherapie nach ihrem Versagen in der Erstlinie bzw. in der Erstlinien-Erhaltungstherapie ist nicht mehr möglich. Vielmehr muss die Behandlungsstrategie gewechselt werden und dabei sollten Medikamente zum Einsatz kommen, die in der Erstlinie noch nicht verwendet wurden (3). Daraus ergibt sich eine Herausforderung: Zur Behandlungssequenz in dieser Situation gibt es keine Evidenz aus Studien.

Hemmung der Tumorangiogenese

Es ist daher unumgänglich, für die Sequenzplanung bereits vorhandene Daten heranzuziehen, neu zu bewerten und entsprechende Analogieschlüsse daraus zu ziehen. Naheliegend erscheint die Prüfung eines Wechsels auf Behandlungskonzepte, die wie die Kombination aus Ramucirumab (Cyramza®) + Docetaxel an der Hemmung der Tumorangiogenese ansetzen (3). In der für diese Kombination zulassungsrelevanten Phase-III-Studie REVEL war bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC und Krankheitsprogress während oder nach einer platinbasierten Erstlinienchemotherapie gegenüber Placebo + Docetaxel ein signifikanter Überlebensvorteil beobachtet worden (medianes OS 10,5 versus 9,1 Monate; HR: 0,86; 95%-KI: 0,75-0,98; p=0,023 (4). Die Kombination war zudem unabhängig von der Tumorhistologie sowohl bei Patienten mit Adeno- als auch mit Plattenepithelkarzinom effektiv (4).

Daten aus der Alltagspraxis

Während der ASCO-Jahrestagung wurden aktuell erste Praxisdaten aus 2 retrospektiven Beobachtungsstudien zum Nutzen einer Sequenztherapie mit Ramucirumab plus Docetaxel bei NSCLC-Patienten mit Krankheitsprogress unter oder nach einer platinhaltigen Immunchemotherapie vorgestellt (1,2).
Für die erste Analyse wurden Daten von 93 in der Flatiron Database dokumentierten Patienten herangezogen, die in der ersten oder zweiten Thera-pielinie mit einer Immuntherapie plus platinhaltiger Chemotherapie behandelt worden waren und anschließend in der zweiten oder dritten Therapielinie Ramucirumab plus Docetaxel erhalten hatten (1). Insgesamt 79,7% der Patienten wiesen eine Nicht-Plattenepithelkarzinom-Histologie auf. Bei 40,9% der Patienten konnte ein objektives Ansprechen des Tumors auf Ramucirumab + Docetaxel beobachtet werden, die Krankheitskontrollrate betrug 80,7% (1).
In der zweiten Analyse wurde Ramucirumab + Docetaxel als Zweitlinien-Therapieoption nach einer platinhaltigen Immunchemotherapie in der Erstlinie evaluiert (2). Von 8 für das Tumoransprechen auswertbaren Patienten erreichten 3 (37,5%) eine partielle Remission und 3 (37,5%) eine Krankheitsstabilisierung, bei 2 Patienten (25%) wurde eine Krankheitsprogression beobachtet. Die Krankheitskontrollrate betrug dementsprechend 75% (2).

Ramucirumab + Docetaxel als Zweitlinie geeignet

Ramucirumab + Docetaxel steht zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit Tumorprogress nach platinhaltiger Chemotherapie zur Verfügung – als derzeit einzige zugelassene Therapieoption ohne Beschränkung auf eine Histologie (5). Erste Daten aus der Alltagsanwendung weisen auf überzeugende Ansprechraten nach dem Versagen einer platinhaltigen Immunchemotherapie hin (1,2). Die Kombination aus Ramucirumab und Docetaxel wird bereits jetzt in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) als Zweitlinientherapieoption für Patienten mit metastasiertem NSCLC nach dem Versagen einer platinhaltigen Immunchemotherapie genannt (6).

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Clarke JM et al., J Clin Oncol 2019; 37 (Suppl): Abstract e20725.
(2) Clarke JM et al., J Clin Oncol 2019; 37 (Suppl): Abstract e20727.
(3) Report in „Der Onkologe“: Die bewährte Therapie mit Ramucirumab in der Zweitlinie wiederentdeckt, Band 25, Heft 6, Juni 2019.
(4) Garon EB et al., Lancet 2014; 384: 665-67.
(5) Fachinformation Cyramza®. Stand: Januar 2016.
(6) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@view/html/index.html. Letzter Aufruf: 17. Juni 2019.


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