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Medizin

11. April 2019 NSCLC: Ramucirumab als ein neuer alter Therapie-Standard in der Zweitlinie

Immun-Checkpoint-Inhibitoren werden in der Erstlinientherapie des metastasierten, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) ohne Treibermutation mittlerweile standardmäßig in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie eingesetzt. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie die Patienten im Fall einer Krankheitsprogression in der Zweitlinie weiterbehandelt werden können. Therapiekonzepte, die wie die Kombination aus Ramucirumab (CYRAMZA®) + Docetaxel auf die Hemmung der Angiogenese setzen, haben laut Prof. Dr. Wolfgang Schütte, Halle, in dieser Behandlungssituation wieder ihren Stellenwert. Ein wichtiger Vorteil dieser Kombination ist ihre von der Histologie des Tumors unabhängige Wirksamkeit.
Immun-Checkpoint-Inhibitoren sind seit 2015 zur Therapie des metastasierten NSCLC zugelassen, zunächst in der Zweitlinie, seit Januar 2017 in der Erstlinie als Monotherapie und inzwischen auch in der Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie. Wie Schütte während eines Pressegesprächs anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) erläuterte, führte die Kombination aus Chemotherapie und Anti-PD-(L)1-Inhibition sowohl bei Patienten mit Plattenepithel- als auch mit Nicht-Plattenepithelkarzinom unabhängig von der PD-L1-Expression zu einer statistisch signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS), des Ansprechens (ORR) und des progressionsfreien Überlebens (PFS) (1-4). „Dementsprechend werden diese Kombinationen bei Patienten mit NSCLC ohne Treibermutation im klinischen Alltag bereits häufig eingesetzt“, so der Pneumologe.

Behandlungsstrategie nach Versagen der Erstlinientherapie

Aus dieser Veränderung in der Behandlungsroutine ergebe sich allerdings die Notwendigkeit, neu über die Therapiestrategie in der Sequenz nachzudenken: „Denn noch bis vor Kurzem waren Checkpoint-Inhibitoren der Behandlungsstandard in der Zweitlinie“, informierte Schütte. Eine Wiederholung der Immuntherapie nach ihrem Versagen in der Erstlinie bzw. in der Erstlinien-Erhaltungstherapie sei jedoch nicht mehr möglich. „Vielmehr muss die Behandlungsstrategie gewechselt werden und dabei sollten Medikamente zum Einsatz kommen, die in der Erstlinie noch nicht verwendet wurden“, erläuterte Schütte.

Zulassungsstudie REVEL

Unter dieser Prämisse erscheint der Wechsel auf Behandlungskonzepte sinnvoll, die wie die Kombination aus Ramucirumab (CYRAMZA®) plus Docetaxel an der Hemmung der Tumorangiogenese ansetzen. „Die bewährte Strategie, die Anfang der 2010er Jahre etabliert wurde, ist durch die Einführung der Immuntherapien etwas in Vergessenheit geraten“, kritisierte Schütte. Sich darauf zurückzubesinnen sei jedoch wichtig, weil sich das Therapieregime aus Ramucirumab und Docetaxel durch eine ganze Reihe von Vorteilen auszeichnet.

So wurde in der für die Kombination Ramucirumab plus Docetaxel zulassungsrelevanten Phase-III-Studie REVEL bei Patienten mit NSCLC, deren Erkrankung während oder nach einer vorherigen platinbasierten Erstlinienchemotherapie fortgeschritten war, gegenüber Placebo plus Docetaxel ein signifikanter Überlebensvorteil erreicht (medianes OS 10,5 versus 9,1 Mo-nate; Hazard Ratio (HR) 0,86; 95%-Konfidenzintervall 0,75-0,98; p=0,023) (5). Von einem signifikant längeren OS profitierten ebenfalls Patienten, deren Erkrankung unter der Erstlinientherapie sehr rasch (< 9 Monate) fortgeschritten war (9,3 versus 7,0 Monate; HR 0,75; 95%-KI 0,64-0,89; p<0,001) (6). Auch hinsichtlich der sekundären Endpunkte objektive Ansprechrate (ORR) (23% versus 14%; Odds Ratio 1,89; 95%-KI 1,41–2,54; p<0,0001) und PFS (4,5 versus 3,0 Monate; HR 0,76; 95 %-KI 0,68–0,86; p<0,0001) erwies sich Ramucirumab plus Docetaxel im Vergleich zu Docetaxel als jeweils signifikant überlegen (5).

Wirksam bei Nicht-Plattenepithel- und Plattenepithelkarzinomen

Schütte wies ergänzend darauf hin, dass die Kombination unabhängig von der Tumorhistologie bei Patienten mit Nicht-Plattenepithel- und Plattenepithelkarzinom konsistent hinsichtlich OS, PFS und ORR effektiv war und, dass Ramucirumab plus Docetaxel derzeit die einzige zugelassene anti-angiogene Zweitlinientherapieoption nach Platin-Vortherapie ohne Beschränkung auf eine Histologie ist.

Ramucirumab plus Docetaxel wird bereits jetzt in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) als Zweitlinientherapieoption für Patienten mit metastasiertem NSCLC nach dem Versagen einer platinhaltigen Immunchemotherapie genannt (7).  „Ramucirumab plus Docetaxel bleibt damit weiterhin und ist zugleich erneut eine wichtige Behandlungsoption für die Zweitlinientherapie des metastasierten NSCLC – und zwar bei allen Histologien“, schloss Schütte.

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Ghandi L et al., N Engl J Med 2018; 378: 2078-2092.
(2) Socinski MA et al., N Engl J Med 2018; 378: 2288-2301.
(3) Paz-Ares L et al., N Engl J Med 2018; 379:2040-2051.
(4) Socinski MA et al., Ann Oncol 2018; 29 (Suppl 8): viii750–viii751, LBA65.
(5) Garon EB et al., Lancet 2014; 384: 665-673.
(6) Reck M et al., Lung Cancer 2017; 112: 181-187.
(7) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-klein-zellig-nsclc/@@view/html/index.html. Letzter Aufruf: 21. März 2019.


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