Dienstag, 28. Januar 2020
Navigation öffnen

Medizin

04. Juli 2019 NHL und CLL: Keine erhöhte Rate an IRR durch schnelle CT-P10-Infusion

Schnelle Infusionen mit dem Rituximab-Biosimilar CT-P10 über einen Zeitraum von maximal 90 Minuten pro Applikation führen im klinischen Alltag bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) zu einer Rate an infusionsassoziierten Reaktionen (IRR) von 8% (1). Das zeigen die Interimsdaten einer laufenden nicht-interventionellen Sicherheitsstudie, die beim Jahreskongress der European Hematology Association (EHA) 2019 in Amsterdam vorgestellt wurden. Somit wird mit CT-P10 eine ähnliche IRR-Rate erreicht, wie sie in früheren Untersuchungen für das Referenz-Rituximab beschrieben wurde (2).
Anzeige:
Vorsichichtige Erhöhung der Infusionsgeschwindigkeit

Wird Rituximab im Rahmen einer Erhaltungstherapie verabreicht, sind verschiedene Applikationsschemata möglich, die von einer Dosis alle 2 Monate über eine Dosis alle 3 Monate bis hin zu 4 Dosen einmal wöchentlich alle 6 Monate reichen. Bei allgemein guter Verträglichkeit von Rituximab besteht bei der Applikation allerdings das Risiko infusionsassoziierter Reaktionen (IRR). Deshalb wird empfohlen, den Antikörper langsam zu infundieren und die Infusionsgeschwindigkeit vorsichtig zu erhöhen (3). Dieses Vorgehen ist allerdings für Patienten und betreuendes Personal zeitintensiv.

Bei Patienten mit NHL unter einer Rituximab-Erhaltungstherapie, die bei der ersten Infusion keine schweren Komplikationen entwickelt haben, wird deshalb häufig ab dem zweiten Infusionszyklus eine schnellere Infusionszeit von maximal 90 Minuten gewählt (4), auch wenn für dieses Vorgehen derzeit keine Zulassung besteht. Die schnelle Infusion des Originalpräparates hat sich als allgemein gut verträglich erwiesen, mit einer IRR-Rate von 8,8% (2). Für die Verträglichkeit schneller Infusionen mit dem Biosimilar CT-P10 lagen bisher keine Daten vor.

Überprüfung einer schnellen Infusion

Aus diesem Grund untersucht eine europäische, nicht-interventionelle Post-Zulassungsstudie die Sicherheit einer schnellen Infusion von CT-P10 im Rahmen der Routineversorgung bei erwachsenen Patienten mit NHL und CLL aus dem Vereinigten Königreich (UK), Spanien, Frankreich und Italien (1). Studienziel ist es, die Sicherheit und Wirksamkeit der schnellen CT-P10-Infusion in klinischen Alltag zu erfassen. Primärer Endpunkt ist die Inzidenz von IRR.

Vergleichbare IRR-Rate zu Referenz-Rituximab

Beim EHA-Kongress wurden die Ergebnisse einer Interimsanalyse (Datenschnitt 18. Januar 2019) vorgestellt, die Daten von 110 Patienten aus UK und Spanien berücksichtigte, davon 98 mit NHL (1). Alle Patienten erhielten im zweiten Behandlungszyklus und in allen nachfolgenden Zyklen schnelle Infusionen mit CT-P10 über maximal 90 Minuten.
Die mehrheitlich männlichen Patienten, die im Median 68 Jahre alt waren, litten entweder an einem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) (n=68), einem follikulären Lymphom (FL) (n=30) oder CLL (n=11). Die Patienten hatten vorab bereits eine (36%), 2 (53%), 3 (10%) oder 4 CT-P10-Infusionen (1%) erhalten. Von 71 Patienten war der ECOG-Performance Status bekannt: 48% hatten ECOG 0,38% ECOG 1 und 13% ECOG 2 oder höher. 48% aller Patienten wiesen Komorbiditäten auf (1).
69% der Patienten mit NHL (62/90) und 80% der Patienten mit CLL (8/10) erreichten durch die Behandlung eine komplette Remission (CR). Bei 8% der Patienten (8/106: 96%-KI: 3,3-14,3) traten an den Tagen 1 und 2 nach der Infusion IRR auf, darunter eine IRR vom Grad 3. Der betroffene Patient klagte über schwere Schmerzen im Oropharynx, die nach Ansicht der betreuenden Ärzte nicht im Zusammenhang mit der CT-P10-Infusion standen (1).
Die Interimsdaten der Post-Zulassungsstudie zeigen damit, dass die dokumentierte IRR-Rate unter einer schnellen Infusion mit CT-P10 ähnlich niedrig ist (1) wie die, die in der Literatur für das Referenz-Rituximab beschrieben wurde (2).

Quelle: Mundipharma

Literatur:

(1) Bishton M et al. 24. Kongress der EHA, 13. bis 16. Juni 2019 in Amsterdam, Niederlande; Abstract PS1095.
(2) Polwart C. J Oncol Pharm Pract 2017; 23 (8; suppl); 58, Abstract 65.
(3) Fachinformation MabThera® i.v., Stand März 2019.
(4) Lang D et al. JBI Libr Syst Rev. 2011; 9 (1): 1-30.


Das könnte Sie auch interessieren

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden
© WavebreakmediaMicro / Fotolia.com

Am 8. März ist Weltfrauentag. Seit mehr als 100 Jahren prangern Frauen in aller Welt an diesem Tag Missstände an und streiten für ihre Rechte. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs, kurz FSH, und die Stiftung Deutsche Krebshilfe verleihen an diesem Tag den Frauen, die an Krebs erkrankt sind, eine Stimme. Denn immer noch gibt es in der Versorgung der Betroffenen Defizite. So wird eine Tumorerkrankung nach wie vor häufig zur Armutsfalle.

Hautkrebsreport: Nur jeder Sechste geht zur Früherkennung

Hautkrebsreport: Nur jeder Sechste geht zur Früherkennung
© Alexander Raths / fotolia.com

Hautkrebs ist mit 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Bei jeder siebten Erkrankung handelt es sich um ein sogenanntes malignes Melanom, den gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Allein in Rheinland-Pfalz waren im Jahr 2017 9.907 gesetzlich Krankenversicherte vom schwarzen Hautkrebs betroffen. Die häufigsten Erkrankungsfälle wurden in Hessen, Niedersachsen und Thüringen registriert. Das zeigt der aktuelle Hautkrebsreport der...

Bayern gegen Darmkrebs: Das Modellprojekt „Sprich drüber!“ will junge Menschen im Freistaat vor einer Erkrankung bewahren.

Bayern gegen Darmkrebs: Das Modellprojekt „Sprich drüber!“ will junge Menschen im Freistaat vor einer Erkrankung bewahren.
FARKOR: Werbe-Anzeige Frau / © Felix Burda Stiftung

Auf Initiative der Felix Burda Stiftung haben sich die bayerischen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) zum Modellprojekt „Sprich drüber!“ zusammengeschlossen. Ziel des Projekts ist es, ein vorhandenes familiäres Darmkrebsrisiko bei Versicherten im Alter von 25 bis 49 Jahren möglichst so früh zu identifizieren, dass diese vor einer Darmkrebserkrankung bewahrt werden können. Jede Bayerin und jeder Bayer in dieser...

Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf

Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf
© littlebelli / Fotolia.com

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine sehr komplexe und aggressive Erkrankung, häufig mit einer ungünstigen Prognose. Oft bleiben nach dem ersten Schock für die Patienten viele Fragen im Arzt-Patientengespräch ungestellt oder die Betroffenen können nicht alle Informationen aufnehmen und verarbeiten. Auf der Patientenwebsite www.krebsratgeber.de von Janssen können Betroffene gezielt Antworten rund um das Thema AML in expertengeprüften...

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten
© Frantab / fotolia.com

„Danke für den gemeinsamen Spirit. Möge er uns weiter beflügeln“, so ein Feedback zum ersten Sommertreffen junger Krebspatienten in Deutschland. Frauen und Männer aus der gesamten Bundesrepublik kamen vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 das erste Mal in Lauterbach (Hessen) zu einem gemeinsamen Kennenlernen und Austausch zusammen. Die etwa 50 Teilnehmer engagieren sich in den TREFFPUNKTEN der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Die Stiftung hatte...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"NHL und CLL: Keine erhöhte Rate an IRR durch schnelle CT-P10-Infusion "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASH 2019
  • Erhöhte Knochendichte ist ein ungünstiger prognostischer Faktor bei aggressiver systemischer Mastozytose
  • Neue ITP-Leitlinien der ASH unterstreichen die Bedeutung von Thrombopoetinrezeptor-Agonisten für die Zweitlinientherapie der ITP
  • Registerdaten aus dem klinischen Alltag zur CAR-T-Zell-Therapie bei DLBCL-Patienten
  • CML: Real-world-Daten zeigen besseres zytogenetisches und molekulares Ansprechen durch Zweitgenerations-TKI
  • Polycythaemia Vera: Post-hoc-Analyse des Langzeitansprechens auf Ruxolitinib
  • Transfusionspflichtige Myelodysplastische Syndrome: Ansprechen auf Eisenchelation geht im klinischen Alltag mit Überlebensverbesserung einher
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Verhältnis von RNA- und DNA-basierten quantitativen KIT D816V-Mutationsanalysen prognostisch relevant
  • Ruxolitinib moduliert Mikroenvironment des Knochenmarks bei der Myelofibrose
  • CML: TIGER-Studie bestätigt tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen unter Nilotinib-basierter Therapie
  • Sichelzellanämie: Reduktion schmerzhafter vaso-okklusiver Krisen verringert Organschädigungen und verbessert Lebensqualität