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Medizin

16. Juli 2020 Malignes Melanom: Adjuvante Therapie

In den vergangenen 4-5 Jahren haben sich auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie des malignen Melanoms gängige Empfehlungen verändert.  Prof. Dr. Dirk Schadendorf, Essen, berichtete im Rahmen des 10. European Post-Chicago Melanoma/Skin Cancer Meeting in seinem Vortrag „Adjuvant Melanoma – Thoughts on a Practice  Changing Treatment Option“ über die aktuellen Meinungen zur adjuvanten Therapie beim Melanom.
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Maligne Melanome weisen eine frühe Tendenz zur Metastasierung auf. Bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung muss davon ausgegangen werden, dass Mikrometastasen vorhanden sind. Der Nachweis von Mikrometastasen ist grundsätzlich mit einer signifikant schlechteren Prognose assoziiert. Von wesentlicher prognostischer Relevanz beim malignen Melanom sind dabei Tumordicke und Ulzeration des Primärtumors, das Vorhandensein von regionären Lymphknotenmetastasen, Anzahl positiver Lymphknoten und nicht-nodale lokoregionäre Metastasen (Mikrosatelliten-, Satelliten oder In-transit-Metastasen). Neben der Tumordicke  ist auch die Sentinellymphknotenbiopsie (Sentinel Node Biopsie, SNB) ein wichtiger Prognosefaktor.

Signifikant erhöhte Morbidität

Es hat sich hier aber  gezeigt, dass die elektive Lymphknotendissektion keinen Einfluss auf das krankheitsspezifische Überleben (DSS) hat, jedoch die Morbidität signifikant erhöht. Ebenso kann die adjuvante Strahlentherapie zwar die lokoregionäre Kontrolle verbessern, erhöht jedoch auch Toxizität und wirkt sich nicht auf des Gesamtüberleben (OS) aus. Beim malignen Melanom hat sich daher aufgrund der Möglichkeit einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit die adjuvante Therapie etabliert, die auf die Eradikation bzw. Kontrolle von Mikrometastasen abzielt.

Studien zur adjuvanten Therapie

Die Wirksamkeit von Checkpointinhibitoren in der adjuvanten Melanomtherapie wurde bereits  großen Studien nachgewiesen; so hat sich u.a. auch gezeigt, dass damit eine bessere Tumorkontrolle (15-20%) ermöglicht wird. Die doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Phase-II-Studie IMMUNED, in der die Wirksamkeit von Nivolumab allein sowie von Nivolumab (NIVO) + Ipilimumab (IPI) mit Placebo verglichen wurde (Stadium-IV-Melanome ohne Krankheitszeichen (NED, no evidence of disease)) ergab eine stabile Krankheitskontrolle nach 2 Jahren und insgesamt einen klinischen Benefit von NIVO + IPI trotz einer relativ hohen Abbruchrate. Eine weitere wichtige Studie zur adjuvanten Therapie (Stadium III) ist u.a. die randomisierte doppelblinde Phase-III-Studie Checkmate 915 (BMS CA209-915), in der NIVO + IPI vs. NIVO verglichen werden und deren Ergebnisse bis Ende 2020 erwartet werden.

Zusammenfassung

Dabrafenib und Trametinib sowie Nivolumab und Pembrolizumab sind im adjuvanten Setting von der European Medicines Agency (EMA) zugelassen und der neue Standard der adjuvanten Therapie beim Melanom im Stadium III. Für Patienten im Stadium IV NED mit dem höchsten Rezidivrisiko ist Nivolumab die einzige zugelassene Substanz; gemäß IMMUNED ist die Kombination  NIVO + IPI sogar noch wirksamer, jedoch nicht für die adjuvante Anwendung beim Melanom zugelassen. Die Bedeutung der adjuvanten Interferon-Therapie (INF) ist durch die deutlich besseren Ergebnisse mit zielgerichteten Therapien und Immuncheckpoint-Inhibitoren in den Hintergrund getreten.

AH

Quelle: Satelliten-Symposium „The I-O-Treatment Continuum in Melanoma – The Evolution of the Therapeutic Landscape“. 10th European Post-Chicago Melanoma/Skin Cancer Meeting, 09.07.2020; Veranstalter: Bristol-Myers Squibb


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