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Medizin

20. März 2019 Krebsoperationen: Minimalinvasive Verfahren möglich

Gallenblase und Blinddarm entfernen heute die meisten Chirurgen ohne langen Schnitt. Nun zeichnet sich in der Medizin ein weiterer Paradigmenwechsel ab: Immer mehr Studien belegen, dass minimalinvasive Operationen auch bei bösartigen Erkrankungen einerseits zu besseren Ergebnissen führen als offene Eingriffe, was den frühen Verlauf nach der Operation betrifft. Andererseits werden auch keine Nachteile beim Langzeitüberleben beobachtet. „Voraussetzung ist ausreichend Erfahrung mit dieser Technik“, sagte Professor Dr. med. Matthias Anthuber, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) auf der Vorab-Pressekonferenz zum 136. DGCH-Kongress.
Am häufigsten wird Darmkrebs minimalinvasiv operiert. Während die Operation früher eine lange Wunde hinterließ, wird das vom Krebs befallene Darm-Ende heute über 3 oder 4 kleine Hautschnitte mit Spezialinstrumenten entfernt. Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland, jährlich stellen die Ärzte hierzulande bis zu 55.000 neue Diagnosen.
 
Kürzere Erholungsphase

„Eine minimalinvasive Operation ist für den Patienten weniger schmerzhaft, das Risiko von Wundinfektionen, Lungenentzündung und Narbenbrüchen ist geringer“, so Anthuber. Je nach Art des Eingriffs können Patienten das Krankenhaus innerhalb weniger Tage verlassen und schneller ihre normalen Tätigkeiten wieder aufnehmen als Patienten, die sich von einer offenen Operation erholen müssen. „Gerade bei Patienten, für die eine klassische Operation zu belastend wäre, mag die minimalinvasive Operation eine gute Alternative darstellen“, betont Anthuber. Wie ein deutsches Autorenteam in „Nature“ (1) berichtet, findet die minimalinvasive Darmkrebs-Chirurgie in Deutschland allerdings im Vergleich zu europäischen Nachbarländern zu wenig Anwendung.

Senkung der Komplikationsrate 

Neben dem Dickdarm werden Krebsoperationen auch am Enddarm, am Magen, der Leber und an der Speiseröhre minimalinvasiv durchgeführt. Französische Chirurgen konnten im Januar im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ (2) zeigen, dass eine teilweise minimalinvasiv durchgeführte Krebsoperation an der Speiseröhre die Zahl der Komplikationen bei diesem äußerst schwierigen Eingriff senkt. „Das Gesamtüberleben und das Überleben ohne Tumorrückfall waren dem offenen Vorgehen nicht unterlegen“, sagt Anthuber.
 
Gleiches gilt für die Entfernung von Lebermetastasen bei Darmkrebs. Weniger Komplikationen, kürzere Klinikaufenthalte und eine geringere Sterblichkeit bei Patienten, die sich dem minimalinvasiven Verfahren unterzogen – bei genauso vollständiger Tumorentfernung wie beim offen chirurgischen Vorgehen. So lautet das Fazit einer italienischen Forschergruppe, die kürzlich in „JAMA Surgery“ (3) publizierte. „Wir rechnen in der Zukunft mit einem Anstieg der minimalinvasiven OP-Techniken bei Lebermetastasen um bis zu 20%“, prognostiziert Anthuber.

Fortbildung zu minimalinvasiver Technik 

Dabei entscheiden technische Expertise und die Erfahrung des Chirurgen über den Operationserfolg. „Die Grundlagen der minimalinvasiven Krebsoperationen weichen dabei nicht vom Vorgehen bei einer offenen Operation ab“, sagt Anthuber. „Die Tumoren müssen als Ganzes und das dazu gehörende Lymphabstromgebiet vollständig entfernt werden. Es darf kein Abweichen von chirurgischen Standards geben.“
 
Um diese minimalinvasiven Techniken fachkompetent und risikoarm anbieten zu können, sollte jeder Chirurg sich durch entsprechende Trainingskurse und Hospitationen in ausgewiesenen Kliniken die notwendige Expertise aneignen. Kliniken, die diese Kompetenzen besitzen, sind in aller Regel bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) als Zentren für minimalinvasive Eingriffe zertifiziert.

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

Literatur:

(1)   https://www.nature.com/articles/s41598-018-33510-y.
(2)   https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1805101.
(3)   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30027220.


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