Mittwoch, 19. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

23. Mai 2019 Keimzelltumoren des Hodens: Neue S3-Leitlinie

Mit jährlich rund 4.000 Neuerkrankungen sind Keimzelltumoren des Hodens die häufigste Krebserkrankung bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren. „Die bereits jetzt guten Heilungschancen der Betroffenen weiter zu verbessern, ist das Ziel der ersten deutschen evidenzbasierten und interdisziplinären S3-Leitlinie zu Hodentumoren“, sagt Prof. Dr. Christian Wülfing, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU).
DGU federführend

Die Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens“ wurde unter Federführung der DGU und der Deutschen interdisziplinären Hodentumorgruppe der DKG im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie der Arbeits­gemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe erstellt und jetzt in finaler Fassung publiziert. Die wissenschaftliche Arbeit sowie die Projektkoordination hatte dabei erstmals vollständig UroEvidence der DGU übernommen.

Neue S3-Leitlinie

„Angesichts einer Flut hochwertiger internationaler Konsensuspapiere war die Zeit reif für eine nationale S3-Leitlinie, in der wir klare Empfehlungen für eine evidenzbasierte Diagnostik und Versorgung anhand wissenschaftlich gestützter Informationen herausgefiltert haben“, sagt DGU-Leitlinienkoordinatorin Prof. Dr. Sabine Kliesch. In der Leitlinie geben 15 Fachgesell­schaften und 15 Arbeitsgruppen sowie Arbeitskreise von Fachgesellschaften und Patientenvertreter nun in 20 Kapiteln auf 240 Seiten evidenz- und konsensbasierte Handlungsempfehlungen für die an der Behandlung beteiligten Ärzte sowie für die Patienten.

Über- und Untertherapie vermeiden

Keimzelltumoren des Hodens zählen zu den Krebserkrankungen mit den höchsten Überlebenswahrscheinlichkeiten und entsprechend hohen rela­tiven 5­-Jahres­-Überlebensraten von zuletzt 96%. Auch nach 10 Jahren liegt dieser Anteil immer noch bei 95%. Allerdings zeigen Analysen des Nationalen Zweitmeinungsprojekts Hodentumor nach 10 Jahren Laufzeit und über 6.000 Zweitmeinungen, dass jede 5. Zweitmeinung zu einer Optimierung der Therapieplanung führt. „Die S3-Leitlinie soll die Prognose für alle Patienten verbessern und Über- sowie Untertherapie vermeiden“, so Prof. Kliesch. Dazu gehört die Empfehlung, dass Patienten mit metastasiertem Hodenkrebs in Einrichtungen mit ausgewiesener Expertise behandelt werden sollen.

Leitlinie berücksichtigt individuelle Patientensituation 

Bei der Nachsorge sollte zur Minderung der Strahlenbelastung die Computertomographie des Abdomens und Beckens durch die Magnetresonanztomographie ersetzt werden, wenn diese an Zentren mit ausgewiesener Erfahrung erfolgen.Für eine adäquate Nachsorge zum Ausschluss eines Rezidivs empfiehlt die Leitlinie den verschiedenen Risikogruppen entsprechende Nachsorgeuntersuchungen und stellt tabellarische Pläne zum Download zur Verfügung. Außerdem berücksichtigt die Leitlinie therapiebedingte Spätfolgen und Langzeitschäden wie den Testosteronmangel oder kardiovaskulären Risiken und legt besonderes Augenmerk auf den Fertilitätserhalt. „Spätestens vor Beginn einer Chemo- oder Strahlentherapie soll den Patienten die Kryokonservierung von Spermien angeboten werden“, sagt die DGU-Leitlinienkoordinatorin und betont, dass die Kostenübernahme für diese Maßnahme durch die Krankenkassen unmittelbar bevorstehe.

Keine Empfehlung zu Früherkennungs-Screening

Während ein allgemeines Screening zur Früherkennung nicht empfohlen wird, ist die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden insbesondere bei jungen Männern sinnvoll. Bei Vorliegen von Risikofaktoren sollte laut Leitlinie das Vorliegen eines Keimzelltumors abgeklärt werden. Anerkannte Risikofaktoren sind die Vorerkrankung mit einseitigem Hodentumor, ein Hodenhochstand, eine positive Familienanamnese sowie Infertilität. „Anleitung zur Selbstuntersuchung gibt die DGU auf ihrem Internetportal www.hodencheck.de, das bereits 2017 anlässlich der urologischen Themenwoche Hodenkrebs eingerichtet wurde und Jugendliche und Männer ab dem Pubertätsalter zur regelmäßigen Eigenuntersuchung der Hoden aufruft“, erinnert DGU-Pressesprecher Prof. Wülfing.
 
Begleitende Patientenleitlinie wird erwartet

Mit der Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens“ haben die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. und das Leitlinienprogramm Onkologie ihr Leitlinienangebot erneut ausgebaut und nachden S3-Leitlinien zum Prostatakarzinom, zum Nierenzellkarzinom und dem Harnblasenkarzinom nun die vierte onkologische Leitlinie höchster Klassifikation publiziert. Eine begleitende Patientenleitlinie zu Hodentumoren ist derzeit in Arbeit.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie


Das könnte Sie auch interessieren

Vierter Welt-Pankreaskrebstag: „Lila Leuchten“ sensibilisiert für eine unterschätzte Erkrankung

Vierter Welt-Pankreaskrebstag: „Lila Leuchten“ sensibilisiert für eine unterschätzte Erkrankung
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Am 16. November 2017 findet zum vierten Mal der Welt-Pankreaskrebstag statt. An diesem Tag erstrahlen weltweit zahlreiche Sehenswürdig-keiten in Lila, der offiziellen Farbe des Welt-Pankreaskrebstages – von der Semperoper in Dresden bis zum Rickmer Rickmers Museumsschiff im Hamburger Hafen. Ziel ist es, die breite Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären, sich mit den Betroffenen zu solidarisieren und den Patienten und deren Angehörigen Mut zu machen. In...

Brustkrebs bei Männern

Brustkrebs bei Männern
© Zerbor / fotolia.com

Jährlich erkranken zwischen 600 und 700 Männer an Brustkrebs. Das macht rund ein Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Da es für Männer keine Brustkrebs-Früherkennungsprogramme gibt und der Gedanke an Krebs zunächst fern liegt, wird die Erkrankung beim Mann meist erst in späteren Stadien diagnostiziert als bei Frauen. Dadurch verstreicht wertvolle Zeit, die bei der Behandlung fehlt. Wie Brustkrebs beim Mann entsteht, erkannt und behandelt wird,...

Krebstherapie gestern, heute, morgen: Entwicklungen in der Onkologie

Krebs gilt heute als Volkskrankheit: Bei Frauen stieg die Zahl der jährlich auftretenden Neuerkrankungen seit 1980 um 35 Prozent, bei Männern sogar um 80 Prozent an. Dass die krebsbedingte Sterberate dennoch im gleichen Zeitraum zurückging, ist u. a. Verdienst der modernen Forschung: In allen Bereichen der Krebsmedizin – von der Grundlagenforschung bis hin zur strukturierten Nachsorge der Patienten – haben sich enorme Erfolge eingestellt. Dies war jedoch ein weiter...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Keimzelltumoren des Hodens: Neue S3-Leitlinie "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren