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Medizin

25. Juni 2019 Innovations in Oncology: Vision Zero. Die Neuvermessung der Onkologie

Dr. Georg Ralle, Generalsekretär des Netzwerks gegen Darmkrebs e.V., erläutert die Hintergründe und Zielsetzungen des Symposiums „Vision-Zero. Die Neuvermessung der Onkologie“, das heute stattfindet.
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Fachinformation
Das diesjährige 5. Symposium der Reihe Innovations in Oncology trägt den Titel „Vision-Zero. Die Neuvermessung der Onkologie“. Können Sie uns mehr über diese Vision „Zero“ verraten?

Vision-Zero beschreibt einen dringend notwendigen Paradigmenwechsel. Längst haben wir verstanden, dass Todesfälle im Straßenverkehr keine unvermeidlichen Kollateralschäden der Zivilisation sind, sondern inakzeptabel und in den seltensten Fällen Schuld der Betroffenen. Ein umfangreiches Handlungskonzept mit aktiven und passiven Sicherheitsmaßnahmen zu jeder erdenklichen Einflussgröße wurde von den meisten europäischen Ländern erarbeitet und konsequent umgesetzt. Der Erfolg dieser Vision-Zero im Straßenverkehr ist extrem beeindruckend: Die Todesfallrate konnte seit den 1970er Jahren um bis zu 90% gesenkt werden, obgleich der Verkehr von Jahr zu Jahr deutlich zugenommen hat: Europa ist hier Weltspitze!

Momentan rückt das Thema Krebsbekämpfung deutlich in den Fokus der Öffentlichkeit. So hat sich, mit der kürzlich vom BMBF und u.a. vom BMG ausgerufenen Nationalen Dekade gegen Krebs, auch die Politik diesem Thema angenommen. Welche Synergien ergeben sich zwischen Vision-Zero und der Nationalen Dekade?

Wir begrüßen die Dekade gegen Krebs, denn nur gemeinsam werden wir den Kampf gegen Krebs gewinnen können. Die Ziele Krebsneuerkrankungen mit intelligenten Präventionskonzepten zu verhindern, bzw. die Früherkennung von malignen Erkrankungen zu intensivieren, decken sich mit unserer Arbeit im Netzwerk gegen Darmkrebs – hier sehen wir wichtige Synergien. Gleichzeitig soll die Dekade den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis beschleunigen, denn nur so lässt sich eine hochwertige medizinische Versorgung in Zukunft sicherstellen. Last but not least ist ein wichtiger Ansatz, die stärkere Einbeziehung der Patienten bei der Therapie und der Nachsorge zu fördern.

Die Präsidentin des Netzwerks gegen Darmkrebs ist zugleich auch im Strategiekreis der Dekade und gemeinsam mit Professor Brenner Themenpatin der Arbeitsgruppe Prävention. Welche Rolle wird der Prävention von Krebserkrankungen in Zukunft zukommen?

Der Prävention von Krebsneuerkrankungen kommt aus unserer Sicht künftig eine Schlüsselrolle zu. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass sich bei konsequenter Umsetzung intelligenter Präventionsmaßnahmen mindestens ein Drittel aller Krebserkrankungen vermeiden lässt, oder in konkreten Zahlen ausgedrückt sprechen wir von mehr als 150.000 Menschen in Deutschland, die wir vor einer Krebserkrankung schützen könnten!

Was sind aus Ihrer Sicht Entwicklungen, die zur Erreichung dieses Ziels von Bedeutung sein werden?

Unser Ziel muss die Vision-Zero sein. Dazu kann die Dekade gegen Krebs eine gute Plattform bilden, die jetzt konsequent mit Leben gefüllt werden muss. Dafür bedarf es jedoch bei allen Beteiligten eines Paradigmenwandels in dem Sinne, dass wir über die Allokation von Ressourcen in unserem Gesundheitssystem diskutieren müssen. „Silodenken“ muss der Vergangenheit angehören, stattdessen müssen wir „jeden Stein umdrehen“, um rasch zu greifbaren Ergebnissen zu kommen. Dass dies nur mit der Unterstützung der Politik geschehen kann, liegt auf der Hand, da sicher einige Rahmenbedingungen neu justiert werden müssen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung zur Erreichung einer Vision-Zero?

Die Digitalisierung des Gesundheitssektors ist die Grundvoraussetzung für eine signifikante Verbesserung der medizinischen Versorgung. Unsere Strategie ist dabei klar: Es geht darum, dass der Patient „Eigentümer“ seiner Daten ist. Dazu sollten zum nächstmöglichen Zeitpunkt alle Leistungserbringer im Medizinbereich, d.h. Hausärzte, Fachärzte, Ärzte in Kliniken etc. alle patientenbezogenen Daten zeitnah, vollständig und in strukturierter Form in eine personenbezogene, digitale Patientenakte einpflegen müssen, sodass der jeweils behandelnde Arzt einen aktuellen und vollständigen Überblick über alle medizinischen Daten hat und entsprechend handeln kann. In einem vom Patienten zu erstellenden Berechtigungskonzept kann zeitgleich festgelegt werden, ob die Daten in anonymisierter Form auch für wissenschaftliche Auswertungen zur Verfügung stehen, sodass damit auch künftigen Patienten eine verbesserte Behandlung zukommen kann. Ein Blick nach Estland oder Israel zeigt, wie wirksam digitale Gesundheitsakte sind und wie wichtig es ist, dass wir hier endlich einen großen Schritt vorankommen.

Quelle: Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.


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