Samstag, 24. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

06. August 2019 Hämatologische Neoplasien: Neue toxizitätsreduzierte Konditionierung bei alloHSZT

3.103 erstmalige allogene hämatopoetische Stammzelltransplantationen (alloHSZT) wurden der europäischen Fachgesellschaft für Blutstammzelltransplantation (EBMT) im Jahre 2017 aus Deutschland gemeldet (1). Mit Treosulfan (TRECONDI®) ist seit August ein neues effektives und toxizitätsreduziertes Arzneimittel für die notwendige vorbereitende Konditionierungstherapie in Deutschland erhältlich.
Anzeige:
Die im Juni durch die Europäische Kommission erfolgte Zulassung von Treosulfan beruht im Wesentlichen auf der pivotalen Phase-III-Studie MC-FludT.14/L-Part II (2) sowie der bei Kindern durchgeführten Phase-II-Studie MC-FludT.17/M (3) und gilt in Kombination mit Fludarabin zur Konditionierung vor alloHSZT bei Erwachsenen mit malignen und nicht-malignen Erkrankungen sowie bei malignen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen älter als einen Monat (4-7).

Klinisch relevanter Überlebensvorteil

Mit der Treosulfan-basierten Reduced-Toxicity Konditionierung (RTC) ist nun europaweit eine neue Therapieoption zugelassen, die sich durch eine hohe Intensität und antileukämische Wirkung auszeichnet, bei gleichzeitig deutlich reduzierter Toxizität und Überlebensraten nach 2 Jahren von mehr als 70% (8). Hiervon können insbesondere Risikogruppen profitieren. Die erfolgreiche Entwicklung und Zulassung der Treosulfan-basierten Therapie als effektives Konditionierungsregime stärkt die Position von medac in der Hämatologie und ist in der Dosierung deutschlandweit patentgeschützt (9).

Treosulfan ist ein in Deutschland produziertes Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung und wird in den 2 Wirkstärken 1 g und 5 g jeweils in der Packungsgröße N1 (1 Stück) angeboten.

Wirkstoff und Wirkweise

Der Wirkstoff Treosulfan ist ein Prodrug und gehört zu den bifunktionellen Alkylantien. Trotz struktureller Ähnlichkeit zum Busulfan hat das Molekül auf Grund der 2 Hydroxylgruppen einen anderen Wirkmechanismus. Unter physiologischen Bedingungen erfolgt eine Enzym-unabhängige intramolekulare nukleophile Substitution. Der Epoxidring schließt sich und es wird jeweils ein Molekül Methansulfonsäure abgespalten. Die daraus resultierenden Verbindungen (1,2-Epoxy-3,4-Butandiol-4-Methansulfonat und L-Diepoxybutan) sind als wirksame Reaktionsprodukte anzusehen, die an biologische Makromoleküle binden und dadurch die antiproliferative und zytotoxische Wirkung auslösen.

Quelle: medac

Literatur:

(1) Passweg JR et al., The EBMT activity survey report 2017: a focus on allogeneic HCT for nonmalignant indications and on the use of non-HCT cell therapies. Bone Marrow Transplant. 2019 Feb 6 [Epub ahead of print]. Supplementary information: Appendix of reporting centres.
(2) EU Clinical Trials Register, Clinical phase III trial to compare Treosulfan-based conditioning therapy with Busulfan-based reduced-intensity conditioning (RIC) prior to allogeneic haematopoietic stem cell transplantation in patients with AML or MDS considered ineligible to standard conditioning regimens. EudraCT Number: 2008-002356-18.
(3) EU Clinical Trials Register, Clinical phase II trial to describe the safety and efficacy of Treosulfan-based conditioning therapy prior to allogeneic haematopoietic stem cell transplantation in paediatric patients with haematological malignancies. EudraCT Number: 2013-003604-39.
(4) medac Gesellschaft für klinische Spezialpräparate mbH, Fachinformation Trecondi® Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung, Wedel Juni 2019.
(5) European Medicines Agency, Human medicine European public assessment report (EPAR): Trecondi. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/trecondi (Stand: 26.7.2019).
(6) European Commission, Union Register of medicinal products for human use: Trecondi. https://ec.europa.eu/health/documents/community-register/html/h1351.htm (Stand: 26.7.2019).
(7) medac Pressemitteilung vom 25.6.2019: „TRECONDI® (Treosulfan) von medac erhält EU-weite Zulassung für toxizitätsreduzierte Konditionierung bei allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation.“
(8) Beelen DW. et al., Treosulfan or busulfan plus fludarabine as conditioning treatment for older patients with acute myeloid leukaemia or myelodysplastic syndrome before allogeneic haematopoietic stem cell transplantation: a randomised non-inferiority, phase 3 trial. Lancet Haematol. 2019 [Accepted for publication].
(9) Das Patent EP 1227808 schützt die Verwendung von Treosulfan zur Herstellung einer pharmazeutischen Zusammensetzung zur Konditionierungstherapie über einen Zeitraum von 2-7 Tagen bei Verabreichung einer Gesamtdosis von mindestens 20g/m2 Körperoberfläche vor allogener Transplantation von Knochenmark oder hämatopoetischen Stammzellen, wobei Treosulfan entweder mit anderen Chemotherapeutika bzw. immunsupprimierenden Mitteln kombiniert oder als einzig wirksame Substanz angewendet wird.


Das könnte Sie auch interessieren

Rudern gegen Krebs

Rudern gegen Krebs
© Universitätsklinikum Ulm

Die dritte Benefiz-Regatta Rudern gegen Krebs auf der Donau unter der Schirmherrschaft des Ulmer Oberbürgermeisters Gunter Czisch startet am Sonntag, 26. Juni 2016. Initiator und Veranstalter ist die Stiftung Leben mit Krebs in bewährter Kooperation mit der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm und dem Ulmer Ruderclub Donau e. V.. Bereits am 21. April starten die Patientinnen und Patienten offiziell mit dem Vorbereitungstraining für die...

Gebärmutterhalskrebs verhindern

Gebärmutterhalskrebs verhindern
© farland9 / Fotolia.com

Gebärmutterhalskrebs kann durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst werden. Papillomviren sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren, mit denen sich rund 80 Prozent der Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens infizieren. In der Regel erkennt das Immunsystem die Infektion, so dass diese meistens innerhalb von zirka 24 Monaten unbemerkt ausheilt. Ein Interview mit Prof. Dr. med. Gerd-Henrik Griesser, Facharzt für Pathologie in Köln,...

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hämatologische Neoplasien: Neue toxizitätsreduzierte Konditionierung bei alloHSZT"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich