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Medizin

18. Dezember 2019 Frauen und Onkologie: Praxisnahes Update zu Mamma- und Ovarialkarzinom

Unter dem Titel „Frauen und Onkologie“ führte Amgen die erfolgreiche Symposien-Reihe „Women‘s Health“ am 8. und 9. November 2019 mit einem innovativen Konzept aus wissenschaftlichen Vorträgen, interaktiven Formaten und Workshops weiter. An 2 Tagen diskutierten in Berlin 12 renommierte Referentinnen aus der Gynäkologie und Onkologie den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Thema Mamma- und Ovarialkarzinom mit den Teilnehmenden; von Frauen für Frauen.
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Fachinformation
Die Veranstaltung spannte einen weiten Bogen an fachlichen Themen, in deren Mittelpunkt mit dem Mamma- und dem Ovarialkarzinom 2 typische Krebserkrankungen der Frau standen. Beim metastasierten Mammakarzinom rückte unter anderem die leitliniengerechte osteoprotektive Therapie in den Fokus. Dabei sind 2 Formen von Knochenkomplikationen zu unterscheiden: Solche, die durch eine meist anti-hormonelle Tumortherapie induziert werden (sekundäre Osteoporose) und Knochenkomplikationen, die durch den Tumor selbst hervorgerufen werden und auf die Bildung von Knochenmetastasen zurückgehen. Zur Vermeidung von sekundärer Osteoporose wird Denosumab in der Dosierung 60 mg s.c. alle 6 Monate (Prolia®) (1) eingesetzt; zur Prophylaxe von skelettbezogenen Ereignissen (SRE) haben sich Denosumab als XGEVA® (120 mg s.c. alle 4 Wochen) (2) oder Bisphosphonate bewährt (3).
 
Wirksamkeit bei therapieresistenter Osteoporose beim frühen Mammakarzinom

In der Studie 18 der Austrian Breast & Colorectal Study Group (ABCSG-18) konnte gezeigt werden, dass der RANK-Ligand-Antikörper Denosumab (60 mg s.c. alle 6 Monate) bei Patientinnen mit frühem Hormonrezeptor-(HR) positivem Brustkrebs, die eine adjuvante Therapie mit einem Aromataseinhibitor über 5 Jahre erhielten, zu einer statistisch signifikanten Reduktion der Frakturrate gegenüber Placebo führte (2). Nach insgesamt 6 Jahren wurden im Placebo-Arm der Studie 176 Frakturen notiert, während die Zahl der Frakturen unter Denosumab mit 92 deutlich niedriger lag (HR: 0,50; p<0,0001) (4). Überdies verlängerte Denosumab signifikant das Intervall des krankheitsfreien Überlebens bei diesen Patientinnen. Es lag in der Denosumab-Gruppe nach 5 Jahren bei 89,2%, in der Placebo-Gruppe bei 87,3%. Nach 8 Jahren lag das krankheitsfreie Überleben in der Denosumab-Gruppe bei 80,6% im Vergleich zu 77,5% im Placeboarm (5).
 
Ossäre Komplikationen beim metastasierten Mammakarzinom vermeiden

Beim metastasierten Mammakarzinom mit ossärer Manifestation kann die Gabe von Bisphosphonaten oder RANK-Ligand-Antikörpern das Auftreten von skelettbezogenen Ereignissen (SREs) verzögern (3). Eine integrierte Analyse der drei XGEVA®-Zulassungsstudien bei über 5.700 Patienten mit Knochenmetastasen aufgrund von Brustkrebs, Prostatakarzinom und anderen Tumoren ergab, dass der RANK-Ligand-Inhibitor Denosumab (120 mg s.c. alle 4 Wochen) im Vergleich zu Zoledronsäure das Auftreten von Knochenkomplikationen um 8,2 Monate (27,7 vs. 19,5 Monate) verzögern konnte (6). Eine laufende randomisierte Phase III-Studie (REDUSE-Studie) vergleicht die Gabe von Denosumab alle 4 Wochen mit der Gabe von Denosumab alle 3 Monate (ab Monat 4). Sie soll dazu beitragen, die Ergebnisse der REaCT-BTA-Studie genauer einzuordnen (7).
 
Mit dem Ziel, das Risiko einer Kieferosteonekrose zu reduzieren, sollte die Patientin vor Beginn einer antiresorptiven Therapie zur Erhebung eines Zahnstatus und einer gegebenenfalls notwendigen Sanierung beim Zahnarzt oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen vorstellig werden (3).
 
Leitliniengerechte Supportivtherapie bei Mamma- und Ovarialkarzinom

Die Referentinnen haben neben den aktuellen Leitlinien zur Karzinomtherapie und der Behandlung der Nebenwirkungen unter anderem die State of the Art-Behandlung der Chemo- und Strahlentherapie aufgezeigt. Leitliniengerecht ist bei Emesis die Gabe von Serotonin oder Dexamethason, bei moderater Übelkeit eine Kombination aus beiden. Bei ausgeprägter Übelkeit wird ergänzend Neurokinin und ggf. Olanzapin gegeben (3). Eine weitere, besonders für Frauen belastende Nebenwirkung der Krebstherapie ist Alopezie. Der Alopezie kann durch eine Kopfhautkühlung vorgebeugt werden (3). Die hohen Kosten für diese Behandlung werden jedoch von der gesetzlichen Krankenkasse meist nicht übernommen. Bei Polyneuropathie empfehlen die Leitlinien zum einen körperliche Bewegung mit moderater Intensität, andererseits Duloxetin oder auch Gabapentin/Pregabalin. Bewegung und psychologische Interventionen können bei der häufigsten Nebenwirkung, der Fatigue, wirkungsvoller sein als eine medikamentöse Behandlung (8). Bei Fieber, Schmerzen, niedrigem Hb-Wert oder Thrombozytopenie besteht jedoch eine klare Kontraindikation gegen eine körperliche Belastung.
 
Frauenquote in der Onkologie gefordert

Der Abendvortrag der Veranstaltung widmete sich dem Thema Frauen in der onkologischen Karriere und Weiterentwicklung. Fakt ist, Frauen bekommen im Laufe ihrer Karriere weniger Unterstützung als die männlichen Kollegen (9). Neben geringeren Aufstiegsmöglichkeiten, da häufig männliche Bewerber bevorzugt werden, erhalten Frauen im Durchschnitt auch weniger Fördergelder. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung mit einer weiblichen Letztautorin wird mit einer ca. 6,4% geringeren Wahrscheinlichkeit von rein männlichen Reviewern akzeptiert. In Studien gezeigt werden konnte, dass ein höherer Anteil an Frauen in Arbeitsgruppen die kollektive Intelligenz deutlich anhebt (10). Doch damit die Meinung einer Minderheit Gehör findet, ist ein Anteil von mindestens 25% notwendig (11) – was für die Einführung einer Frauenquote spricht, um diesen Vorteil zu nutzen.

Quelle: Amgen

Literatur:

(1) Fachinformation Prolia®, Stand Juli 2019.
(2) Fachinformation XGEVA®, Stand November 2019.
(3) S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-054OLl_S3_Supportiv_2019-11.pdf (Zugriff 2. Dezember 2019).
(4) Gnant M et al. Lancet 2015; 386: 433-443.
(5) Gnant M et al. Lancet Oncology 2019 Mar; 20(3): 339-351.
(6) Lipton A, Fizazi K, Stopeck AT et al. Eur J Cancer 2012; 48: 3082-3092.
(7) Clemons MJ et al. Journal of Clinical Oncology 2019 37:15_suppl, 11501-11501.
(8) Mustian K. et al, JAMA Oncol. 2017; 3(7): 961-968.
(9) Grogan KE et al. Nature Ecology & Evolution 2019; 3(1): 3-6.
(10) Woolley, A et al. Harvard business review 2011; 89: 32-3.
(11) Centola et al. Science 2018.


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