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Medizin

18. Juli 2019 Fall-Kontroll-Studie: Zusammenhang zwischen Ovarialkarzinomrisiko und zervikovaginalem Mikrobiom

Das Risiko für eine Frau, ein Ovarialkarzinom zu entwickeln, wird von verschiedenen Faktoren wie dem Alter, familiärer Vorbelastung, Entzündungen etc. beeinflusst. Inwieweit es auch einen Zusammenhang zwischen dem Mikrobiom in Zervix/Vagina und dem Entstehungsrisiko gibt, wurde nun in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei Ovarialkarzinom-Patientinnen tatsächlich Auffälligkeiten in der Bakterienzusammensetzung ihres Mikrobioms gegenüber gesunden Kontrollpersonen gibt.
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Für die Fall-Kontroll-Studie wurden Frauen im Alter von 18-87 Jahren in 2 Sets untersucht, zum einen das Ovarialkarzinom-Set (Frauen mit epithelialem Ovarialkarzinom: n=176, gesunde Kontrollen=115, gutartige gynäkologische Veränderungen: n=69), zum anderen das BRCA-Set (BRCA1-Mutation: n=109, gesunde Kontrollen, d.h. BRCA1/2-Wildtyp: n=97, gutartige gynäkologische Veränderungen ohne BRCAness: n=14).

Es wurden Kohorten gebildet nach Alter (< oder > 50 Jahre). Zervikovaginale Proben wurden einer 16S rRNA Gene-Sequenzierung unterzogen und das Verhältnis der für einen schützenden niedrigen pH-Wert verantwortlichen Laktobakterien-Spezies (Lactobacillus crispatus, Lactobacillus iners, Lactobacillus gasseri, and Lactobacillus jensenii) bestimmt.
 
Die Proben wurden als „community type L” (mind. 50% der vorherrschenden Bakterien sind Laktobazillen) und „community type O” (Laktobazillen machen weniger als 50% aus) sortiert.
 
Ergebnisse des Ovarialkarzinom-Sets:
Frauen ≥ 50 Jahre hatten eine höhere Prävalenz des community type O (61% der Ovarialkarzinom-Fälle gegenüber 59% der gesunden Kontrollen) als dies bei Frauen < 50 Jahre der Fall war (53% vs. 29%).
Frauen mit Ovarialkarzinom < 50 Jahre wiesen signifikant häufiger community type O auf als die Kontrollen (p=0,020).
 
Ergebnisse des BRCA-Sets:
Frauen mit BRCA1-Mutation < 50 Jahre hatten ebenfalls häufiger als die Kontrollen community type O (p=0,012). Das Risiko stieg, wenn ein Familienmitglied ersten Grades von einer Krebserkrankung betroffen war (OR: 5,26; 95%-KI: 1,83-15,30; p=0,0022)
 
Menschliches Mikrobiom –  ein vielversprechendes Target für Prävention und Therapie

In beiden Sets wurde deutlich, je jünger die Teilnehmer, desto stärker der Zusammenhang zwischen community type O-Mikrobiom und Ovarialkarzinom oder BRCA1-Mutation. Das Vorliegen eines Ovarialkarzinoms oder beeinflussender Faktoren wie höheres Alter und BRCA1-Keimbahnmutation waren signifikant mit einem Mikrobiom in Zervix und Vagina vergesellschaftet, das einen geringeren Anteil an Laktobazillen aufweist. Ob sich das Mikrobiom mittels vaginaler Suppositorien mit lebenden Bakterien verändern und ob sich dadurch positive Effekte erzielen ließen, müssen weitere Studien untersuchen.

(übers. v. ab)

Quelle: Lancet Oncology

Literatur:

Nuno R Nené et al. Association between the cervicovaginal microbiome, BRCA1 mutation status, and risk of ovarian cancer: a case-control study
Lancet Oncol Published:July 09, 2019


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