Dienstag, 16. Juli 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

28. Februar 2019 Deutscher Krebspreis 2019 auf dem Internationalen AEK-Kongress verliehen

Der Deutsche Krebspreis, gestiftet von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebsstiftung, zählt zu den höchsten Auszeichnungen in der deutschen Krebsmedizin. Insgesamt 4 Krebsforscher wurden auf dem 20. Internationalen AEK-Kongress in Heidelberg ausgezeichnet.
Anzeige:
In der Sparte „Klinische Forschung“ ging die Auszeichnung in diesem Jahr an Prof. Dr. Michael Platten (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg; Universitätsmedizin Mannheim); im Bereich „Translationale Forschung“ wurde Prof. Dr. Ugur Sahin (TRON – Translationale Onkologie an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gemeinnützige GmbH) geehrt, in der Sparte „Experimentelle Forschung“ teilten sich Prof. Dr. Roland Rad und Prof. Dr. Dieter Saur (beide vom Deutschen Krebskonsortium DKTK an der TU München, Klinikum rechts der Isar) den Preis. Die Forscher wurden auf dem 20. Internationalen AEK-Kongress in Heidelberg ausgezeichnet.

Immuntherapie zur Gliom-Behandlung

Michael Platten ist einer der Wegbereiter innovativer immuntherapeutischer Verfahren zur Behandlung von Gliomen. Diese Tumoren zählen zu den häufigsten Hirntumoren bei Erwachsenen und sind deshalb gefürchtet, weil ihre vollständige operative Entfernung praktisch nicht möglich und ein erneutes Wachstum auch nach Strahlen- und Chemotherapie häufig ist. Platten und seine Arbeitsgruppe haben gezeigt, dass eine häufige Mutation in Gliomen im Gen für Isocitrat-Dehydrogenase (IDH) spezifisch vom Immunsystem erkannt wird, und eine passgenaue Impftherapie entwickelt, die in einer klinischen Studie eine spezifische Entzündungsreaktion im Tumorgewebe auslöst. Plattens Arbeiten zu zentralen Stoffwechselveränderungen als Schaltstellen für die Hemmung der regionalen Immunabwehr gegen Gliome führten zudem zur Entwicklung von medikamentösen Therapien, die gezielt in diese immunsuppressiven Stoffwechselwege eingreifen. Mit diesen Therapieansätzen ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, die körpereigene Immunabwehr gegen diese gefürchtete Tumorart zu stärken und gleichzeitig die Wirkung dieser Immunabwehr im Hirntumorgewebe zu verbessern.

Personalisierte Krebsimpfstoffe

Ugur Sahin arbeitet erfolgreich an der Schnittstelle zwischen immuntherapeutischer Forschung und klinischer Praxis. Seine Beiträge umfassen Tumorstrukturen, die sich als Ziele für eine Immuntherapie eignen, und Pionierarbeiten zur Entwicklung personalisierter Krebsimpfstoffe, die dem Immunsystem den breit angelegten Angriff auf den Tumor ermöglichen. Diese Impfstoffe enthalten Nanopartikel, die mit individuell für den Krebspatienten maßgeschneiderter tumorspezifischer Boten-RNA beschichtet sind. Die Immunzellen des Körpers erhalten durch die Impfung sehr detaillierte und spezifische Informationen über den Tumor, den sie bekämpfen sollen. Das Besondere der von Sahin eingeführten Methode ist ihre universelle Anwendbarkeit für verschiedene Krebsarten. Ein weiterer Vorteil: Herkömmliche Behandlungsansätze sind üblicherweise gegen einzelne Strukturen der Krebszellen gerichtet. Im Gegensatz dazu aktiviert der mRNA-Impfstoff das körpereigene Immunsystem gegen viele Zielstrukturen, die direkt von den Mutationen der Krebszellen abstammen. Dadurch wird es für Krebszellen schwieriger, die Therapie zu unterlaufen. Erste Ergebnisse einer klinischen Phase I-Studie zeigen, dass die Verabreichung des Impfstoffes bei Hochrisikopatienten mit Melanom im Endstadium starke Immunantworten sowie eine vielversprechende Antitumoraktivität auslöst.

Forschung zur Krebsentstehung

Roland Rad und Dieter Saur untersuchen mit Hilfe von Mausmodellen die molekularen Vorgänge der Krebsentstehung. Sie entwickelten wegweisende genetische Technologien, die es ermöglichen, das Erbgut systematisch nach Tumorgenen abzusuchen und diese gezielt in der Maus zu manipulieren. Im Rahmen ihrer Arbeiten entdeckten sie molekulare Prozesse, die an der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs beteiligt sind. Bauchspeicheldrüsentumoren gehören zu den Krebsarten mit der weltweit höchsten Sterblichkeitsrate – zum Zeitpunkt der Diagnosestellung liegen oft schon Metastasen vor. Als Ergebnis einer 10-jährigen Zusammenarbeit konnten beide Forscher 2018 erstmals nachweisen, dass wichtige Eigenschaften von Bauchspeicheldrüsentumoren durch die Anzahl der fehlerhaften Kopien des Krebsgens KRAS bestimmt werden. Das Gen spielt bei der Zellvermehrung eine wichtige Rolle und ist in 90% aller menschlichen Bauchspeicheldrüsentumoren aktiviert. Die Wissenschaftler zeigten, dass die Zahl der mutierten KRAS-Kopien in unmittelbarem Bezug zur Aggressivität des jeweiligen Tumors und seiner Fähigkeit zur Metastasierung steht, und sie deckten die biologischen Prinzipien auf, die der Entstehungsgeschichte dieser unterschiedlichen Ausprägungen der Krankheit zugrunde liegen. Die Erkenntnisse liefern grundlegende neue Beiträge zum Verständnis der Tumorentstehung mit weitreichender Bedeutung auch für andere Krebsarten.

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft


Das könnte Sie auch interessieren

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

Brustkrebs bei Männern

Brustkrebs bei Männern
© Zerbor / fotolia.com

Jährlich erkranken zwischen 600 und 700 Männer an Brustkrebs. Das macht rund ein Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Da es für Männer keine Brustkrebs-Früherkennungsprogramme gibt und der Gedanke an Krebs zunächst fern liegt, wird die Erkrankung beim Mann meist erst in späteren Stadien diagnostiziert als bei Frauen. Dadurch verstreicht wertvolle Zeit, die bei der Behandlung fehlt. Wie Brustkrebs beim Mann entsteht, erkannt und behandelt wird,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Deutscher Krebspreis 2019 auf dem Internationalen AEK-Kongress verliehen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren