Dienstag, 17. September 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

16. Mai 2019 Datenschutz in der Krebsforschung: Secure Multiparty Computation ermöglicht geschützten Austausch von Patientendaten

Wissenschaftler am Klinikum der LMU München und der Charité Universitätsmedizin Berlin haben erstmals gemeinsam Patientendaten ausgewertet, ohne diese austauschen zu müssen. Das als „Secure Multiparty Computation“ bekannte Verfahren wurde von Wissenschaftlern an der Technischen Universität München programmiert.
Revolution im Datenschutz

„Die große Angst ist oftmals: Wenn wir die Daten erst einmal herausgegeben haben, bekommen wir sie nie wieder zurück“, erklärt Hendrik Ballhausen, Initiator des Experiments. „Jetzt verlassen die Patientendaten unser Klinikum nicht mehr, und gleichzeitig können wir mit anderen Standorten deren und unsere Daten gemeinsam auswerten.“ Das neue Verfahren kommt dabei ganz ohne eine zentrale Datenbank oder einen Vertrauensmann mit Generalschlüssel aus. Ein großer Vorteil, denn in der Vergangenheit wurden zentrale Datenbanken oft zur Zielscheibe für Hacker.

Transparenter Ansatz

Um mit den verteilten Daten zu rechnen, müssen alle beteiligten Standorte gleichzeitig aktiv werden. Die Berechnung läuft dabei nicht auf einem einzelnen Rechner, sondern vielmehr zwischen den Servern der Standorte auf einem verschlüsselten Protokoll. Am Ende erhalten alle Standorte gleichzeitig das Ergebnis. Weder die Standorte noch ein äußerer Angreifer können dabei Rückschlüsse auf die Daten der einzelnen Standorte ziehen. Alle Standorte haben so jederzeit volle Transparenz und Kontrolle, was mit ihren Daten geschieht. Und können ihr Einverständnis auch nachträglich dadurch zurückziehen, dass sie einfach nicht weiter mitrechnen. Die Daten sind dann aus dem Netzwerk wieder spurlos „verschwunden“, bleiben aber auf dem Ursprungsserver erhalten.

Aufwendige Berechnungen

Soviel Sicherheit hat ihren Preis. Die Berechnungen, die dabei ablaufen, sind sehr aufwendig. Tatsächlich wurde die Software, die nun zum Einsatz kam, von einem der Erfinder der Blockchain mitentwickelt. „Selbst für einfache Berechnungen müssen die beteiligten Rechner viele tausend Male über das Netzwerk kommunizieren – und zwischen München und der Charité waren das 500 Kilometer Glasfaser“, verdeutlicht Marcel von Maltitz vom Lehrstuhl für Netzarchitekturen und Netzdienste an der TU München die Dimension des Problems. Durch Fortschritte bei den Algorithmen werden in den letzten Jahren allerdings immer mehr Anwendungen realistisch.

Suche nach versteckten Einflussfaktoren

Die neue Methode haben die Wissenschaftler nun verwendet, um in den Daten von Patienten mit einer besonders aggressiven Krebserkrankung, dem Glioblastom, nach versteckten Einflussfaktoren für das Überleben der Patienten zu suchen. Das geht umso genauer, je mehr Patienten eingeschlossen werden. In dem erfolgreichen Versuch konnten die Daten ebenso sensitiv und spezifisch ausgewertet werden, wie dies möglich gewesen wäre, wenn man die Daten an einem Ort zusammengeführt hätte.

Die Wissenschaftler planen nun ein Netzwerk zu gründen, um die Methode bundesweit zu etablieren. Über die Onkologie hinaus hat das Verfahren großes Potential überall dort, wo sensible Daten nicht gefährdet werden sollen, etwa im Bereich „Mobile Health“ oder im „Internet of Things“.

Quelle: Klinikum der Universität München


Das könnte Sie auch interessieren

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training
© ivanko80 / Fotolia.com

Vor der Kulisse des Alten Rathauses wurde gestern (26.06.) Bürgermeisterin Gertrud Maltz- Schwarzfischer das erste Laufshirt des Regensburger Leukämielaufes 2017 von Professor Dr. Reinhard Andreesen, Vorsitzender der Leukämiehilfe Ostbayern e.V., überreicht. Mit der Übergabe des Laufshirts an das Stadtoberhaupt startet traditionell der Countdown zum größten Benefizlauf in Ostbayern, der in diesem Jahr am 15. Oktober stattfindet.

Hautkrebsreport: Nur jeder Sechste geht zur Früherkennung

Hautkrebsreport: Nur jeder Sechste geht zur Früherkennung
© Alexander Raths / fotolia.com

Hautkrebs ist mit 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Bei jeder siebten Erkrankung handelt es sich um ein sogenanntes malignes Melanom, den gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Allein in Rheinland-Pfalz waren im Jahr 2017 9.907 gesetzlich Krankenversicherte vom schwarzen Hautkrebs betroffen. Die häufigsten Erkrankungsfälle wurden in Hessen, Niedersachsen und Thüringen registriert. Das zeigt der aktuelle Hautkrebsreport der...

Wegweiser „Leben mit Krebs in Hessen“ hilft Betroffenen

Wegweiser „Leben mit Krebs in Hessen“ hilft Betroffenen
© Fotolia / fotomek

In Deutschland leiden aktuell 1,4 Millionen Menschen an Krebs und die Zahl der Neuerkrankungen steigt. In Hessen treten jährlich mehr als 35.000 neue Krebserkrankungen auf. Ermutigend ist, dass nach neuesten Studien die Rate der Langzeitüberlebenden ansteigt. Manche Krebsarten sind heute heilbar, andere können als chronische Erkrankung eingestuft werden. Auch die Chancen, mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung länger zu leben, sind in den letzten Jahren spürbar...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Datenschutz in der Krebsforschung: Secure Multiparty Computation ermöglicht geschützten Austausch von Patientendaten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.