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Medizin

13. März 2019 Darmtumoren: Sauerstoffgehalt entscheidet über Medikation

Die Blutversorgung eines Darmtumors ist „chaotisch“. Dadurch ist in einigen Bereichen des Tumors wenig, in anderen viel Sauerstoff vorhanden. Den Krebszellen macht das nichts aus: Ihr Stoffwechsel ist an die jeweilige Situation angepasst. Die bislang gegen Darmkrebs eingesetzten Medikamente wirken jedoch umso schwächer, je niedriger der Sauerstoffgehalt im Tumor ist. Darmkrebszellen sprechen daher sehr unterschiedlich auf eine Chemotherapie an – schlimmstenfalls ist die Behandlung wirkungslos. Heidelberger Wissenschaftler entwickeln derzeit eine maßgeschneiderte Kombinationstherapie aus mehreren Wirkstoffen. Diese soll die individuelle Zusammensetzung des Tumors berücksichtigen. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Projekt mit 446.000 Euro.
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Fachinformation
Krebszellen benötigen viel Energie, um zu wachsen und sich auszubreiten. Die Zellen eines Dickdarmtumors decken ihren Energiebedarf dabei unterschiedlich: Manche Krebszellen wachsen bevorzugt aerob, andere vornehmlich oder ausschließlich anaerob. Anaerob wachsende Darmtumoren sind jedoch resistent gegenüber der Chemotherapie. Denn die bislang eingesetzten Medikamente sind ohne Sauerstoff kaum wirksam. Außerdem wachsen diese Tumoren sehr aggressiv und sind in der Lage, Schäden, wie sie durch eine Strahlentherapie entstehen, besser zu reparieren und so zu überleben. Zellen mit einem anaeroben Stoffwechsel können daher innerhalb kurzer Zeit nach der Behandlung ein erneutes Tumorwachstum hervorrufen.

Effiziente Wirkstoffkombination

Im Rahmen eines Forschungsprojekts – unter der Leitung von Dr. Bruno Köhler vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg und Professor Dr. Martin Schneider vom Universitätsklinikum Heidelberg – untersuchen Wissenschaftler nun, ob eine Kombinationstherapie aus verschiedenen Wirkstoffen gleichzeitig sowohl aerobe als auch anaerobe Krebszellen gezielt bekämpfen kann.

„Wir wollen zunächst aus 7 bereits bekannten Krebsmedikamenten die Substanzen mit der markantesten Funktionsweise identifizieren – also solche Wirkstoffe, die spezifisch nur aerobe beziehungsweise anaerobe Tumorzellen töten“, so Projektleiter Köhler. Nachdem sie die aussichtsreichsten Substanzen identifiziert haben, wollen die Wissenschaftler diese Wirkstoffe kombinieren und anhand von Tumorgewebeproben und Darmkrebsmodellen untersuchen, welches die effizientesten Kombinationen sind. Auf dieser Basis sollen später klinische Studien für Dickdarmkrebs folgen. „Der Sauerstoff-Stoffwechsel spielt eine zentrale Rolle in der Tumorbiologie und ist möglicherweise der Schlüssel zu einer personalisierten Behandlung mit maximaler Wirkungskraft. Unser Ansatz könnte die Therapie von Kolonkarzinomen revolutionieren“, sagt Köhler.

Immer noch schlechte Heilungsraten

In Vorversuchen haben die Heidelberger Wissenschaftler bereits eine verlässliche Analysemethode entwickelt, mit der sie die genaue Tumorzusammensetzung bestimmen können. Sie erfassen anhand von Gewebebiopsien den Stoffwechseltyp der Tumorzellen – und welcher Zelltyp überwiegt. So ist eine exakte Dosierung der kombinierten Präparate möglich. „Eine genaue Diagnostik ist somit eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz der zukünftigen Therapie in der klinischen Routine“, ergänzt Schneider.

Krebs ist auch heute, trotz enormer Fortschritte in der Forschung und Medizin, in vielen Fällen immer noch eine Erkrankung mit schlechten Heilungsmöglichkeiten. „Die Deutsche Krebshilfe fördert daher zahlreiche Forschungsprojekte, die neue Perspektiven für Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen eröffnen. Nur durch neue Erkenntnisse aus der Forschung lassen sich innovative und neue Therapiestrategien erarbeiten“, erklärt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

Quelle: Deutsche Krebshilfe


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