Donnerstag, 16. Juli 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

18. Juli 2019 Chemotherapiefreie Kombination aus Niraparib und Bevacizumab beim Platin-sensiblen Ovarialkarzinomrezidiv wirksam

Frauen mit einem Platin-sensiblen Ovarialkarzinomrezidiv können auch von einer chemotherapiefreien Kombinationstherapie profitieren. Darauf deuten beim ASCO 2019 präsentierte Daten einer Phase-II-Studie hin, die den PARP-Inhibitor Niraparib und den Angiogenese-Inhibitor Bevacizumab bei diesem Kollektiv untersucht hatte. Die Kombination war der Niraparib-Monotherapie mit einem signifikant verlängerten progressionsfreien Überleben (PFS) überlegen.  
Anzeige:
Fachinformation
Patientinnen mit einem Platin-sensiblen Ovarialkarzinomrezidiv erhalten als Standardtherapie derzeit eine weitere Linie einer Platin-basierten Chemotherapie, ggf. unter Hinzunahme von Bevacizumab, falls die Patientin noch nicht mit einer VEGF-gerichteten Therapie vorbehandelt ist. (1) Die Studie ENGOT-OV24/NSGO-AVANOVA2 verglich in diesem Setting die Kombination Niraparib + Bevacizumab mit einer Niraparib-Monotherapie. Die Anzahl der bereits durchlaufenen Therapielinien war nicht beschränkt, auch eine Vortherapie mit Bevacizumab war erlaubt.

Niraparib ist als Erhaltungstherapie beim rezidivierten high-grade serösen Ovarialkarzinom bei Patientinnen mit Platin-sensibler Erkrankung zugelassen und hat außerdem seine Wirksamkeit als Monotherapie zur Late-Line-Therapie bei stark vorbehandelten Patienten unter Beweis gestellt (2). Außerdem deuten präklinische Studien auf eine verstärkte Wirksamkeit der PARP-Inhibition durch die Kombination aus Antiangiogenese und PARP-Inhibition hin (3, 4), sodass die AVANOVA2-Studie als Proof-of-Concept-Studie zu betrachten sei, so Prof. Dr. Mansoor Mirza, Kopenhagen, der die Ergebnisse der chemotherapiefreien Phase-II-Studie auf dem ASCO präsentierte (5).

In der randomisierten, kontrollierten und offenen Studie erhielten 97 Patientinnen in einer 1:1 Randomisierung entweder 300 mg Niraparib täglich an Tag 1-21 oder Niraparib in gleicher Dosierung + 15 mg/kg Bevacizumab alle 3 Wochen bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptabler Toxizität (4). Das mediane PFS in der Intention-to-Treat-Population war unter der Kombinationstherapie mit 11,9 Monaten signifikant länger als unter der Niraparib-Monotherapie mit 5,5 Monaten (HR=0,35; 95%-KI: 0,21-0,57; p<0,001). Vorab geplante Subgruppenanalysen ergaben auch in den Subgruppen (HRD-positiv/HRD-negativ; Chemotherapiefreies Intervall 6-12 Monate/ > 12 Monate) eine signifikante Reduktion des Risikos für ein Fortschreiten der Erkrankung oder Tod durch die Kombination aus Angiogenese- und PARP-Inhibition. Bei den Patientinnen ohne BRCA-Mutation wurde mit einer HR von 0,32 (95%-KI: 0,17-0,58; p<0,001) eine ähnlich deutliche Verlängerung des mPFS durch Niraparib + Bevacizumab gegenüber Niraparib alleine dokumentiert wie in der Gesamtpopulation.

Die Kombinationstherapie war dabei gut verträglich, die Rate an Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Ereignissen lag bei 13%. Hinsichtlich therapieassoziierter unerwünschter Ereignisse (AEs) von Grad 3/4 wurden kaum Unterschiede zwischen den beiden Therapiearmen beobachtet. Lediglich Bluthochdruck (26,5% vs. 0%) sowie Neutropenie (12,2% vs. 2,1%) traten unter der Kombination Niraparib + Bevacizumab deutlich häufiger auf. Die Patient Reported Outcomes zeigten eine vergleichbare Lebensqualität (EORTC QLQ-C30) in beiden Therapiearmen. Die geplante Phase-III-Studie NSGO-AVATAR soll nun diese chemotherapiefreie Rezidivtherapie mit dem derzeitigen Therapiestandard beim Platin-sensiblen rezidivierten Ovarialkarzinom vergleichen.

Red.

Quelle: ASCO 2019

Literatur:

(1) S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren (Version 3.0, 2019). https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Ovarialkarzinom/Version_3__2018_/LL_Ovarialkarzinom_Kurzversion_3.0.pdf. Aufgerufen am 18.07.2019
(2) Moore KN et al. Lancet Oncol. 2019;20:636-648
(3) Chan N, Bristow RG. Clin Cancer Res 2010;16:4553-60
(4) Hegan DC et al. Proc Natl Acad Sci U S A 2010;107:2201-6
(5) Mirza MR et al. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 5505) und Präsentation


 


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Gebärmutterhalskrebs verhindern

Gebärmutterhalskrebs verhindern
© farland9 / Fotolia.com

Gebärmutterhalskrebs kann durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst werden. Papillomviren sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren, mit denen sich rund 80 Prozent der Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens infizieren. In der Regel erkennt das Immunsystem die Infektion, so dass diese meistens innerhalb von zirka 24 Monaten unbemerkt ausheilt. Ein Interview mit Prof. Dr. med. Gerd-Henrik Griesser, Facharzt für Pathologie in Köln,...

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“
© Heidi Mehl / Fotolia.com

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht nur medizinische, sondern auch gravierende soziale...

„du bist kostbar“

Aufgrund der zunehmend verbesserten Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren nimmt die Zahl der Menschen mit Krebs, die geheilt werden oder lange mit der Erkrankung leben können, stetig zu. „Dennoch erleben Menschen, die von Krebs betroffen sind, die Krankheit meist als tiefen Eingriff ins Leben. Mit den Ärzten bespricht man die medizinischen Behandlungsschritte, doch die Angst bleibt und es stellen sich häufig viele weitere Fragen. Wir beantworten diese...

Neues Infoportal rund um Ernährung und Krebs ist online

Neues Infoportal rund um Ernährung und Krebs ist online
© ernaehrung-krebs-tzm.de

Das neue Infoportal der Arbeitsgruppe „Ernährung und Krebs“ am Tumorzentrum München (TZM) ist ab sofort unter www.ernaehrung-krebs-tzm.de online. Es bündelt wissenschaftlich fundierte Informationen, gibt praktische Hilfestellung und vermittelt Kontakte zu anerkannten Therapeuten und Beratungsstellen rund um das Thema Ernährung und Krebs. Die Arbeitsgruppe besteht aus qualifizierten Ärzten und Ernährungsfachkräften unter der Leitung von Professor...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Chemotherapiefreie Kombination aus Niraparib und Bevacizumab beim Platin-sensiblen Ovarialkarzinomrezidiv wirksam"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden