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Medizin

22. März 2019 Cannabinoide in der Palliation: Herausforderungen und Empfehlungen

Welche Kriterien für die Indikation einer Cannabinoid-Therapie in der Palliation ausschlaggebend sind, darüber wird nicht nur in der Fachwelt diskutiert. Aufgrund der geringen Evidenzlage scheint eine eindeutige Empfehlung heute nicht möglich, doch kann aufgrund der gültigen Kriterien eine solche überhaupt generiert werden? Der praktische Nutzen für Patienten scheint gemäß Erfahrungswerten dennoch zu überwiegen. Daher ist der Einsatz einer qualitätsgesicherten und standardisierten Formulierung für das eigentliche Ziel um so wichtiger: eine möglichst hohe Lebensqualität für Patienten mit schwersten Krankheiten bis zu ihrem Lebensende.
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Fehlende Evidenz

Cannabis in pharmazeutischer Qualität kann für schwerkranke Menschen eine wertvolle Therapieunterstützung sein. Doch der Einsatz in verschiedenen Indikationen bleibt aufgrund fehlender Evidenzlage – vor allem bei den Krankenkassen – umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin hat daher versucht, aus 259 Evidenzberichten eine Praxisleitlinie (1) zu entwickeln, die die Mediziner in ihrer Tätigkeit und in der diffizilen Therapie schwerstkranker Patienten unterstützen soll. Doch selbst die Verfasser der Leitlinie sehen hier Lücken, da die strengen Cochrane-Kriterien (2) in diesem Fall an der Realität vorbeigehen.

Ziel der Palliation: Symptomkontrolle

Eine besondere Problematik wird bei Cannabis als Therapie in der Palliativmedizin deutlich: Das Evidenzniveau nach strengen Kriterien kann schon aufgrund des Aspektes der Ethik schwer eingehalten werden: Die Patienten haben in der Regel schon eine Vielzahl an Therapien durchlaufen und eine Schmerzreduktion von 50% (2) ist somit kaum zu erreichen. Vielmehr geht es für den Patienten in der Palliation um die Symptomkontrolle, unter
anderem der Angst, die als Symptom wiederum als eine der Hauptauslöser für Übelkeiten und Depression angesehen wird.

Gleichmäßiger Wirkspiegel unter Nabilon

Gerade für diese Patienten sollte die Therapiefreiheit des Arztes gestärkt statt erschwert werden. Und genau für diese Patienten sollte die qualitätsgeprüfte und sichere medizinische Versorgung im Vordergrund stehen. Als gute Option in der Palliation hat sich der Wirkstoff Nabilon herausgestellt. Durch eine deutlich langsamere Anflutung als bei anderen Cannabis-Produkten und ohne „Flash“ sowie längerem stabileren Wirkspiegel erfüllt das oral eingenommene Nabilon eines der Hauptkriterien in der Palliation und Schmerzmedizin – eine möglichst gleichmäßige Versorgung des Patienten mit gleichmäßigen Wirkspiegeln zur Erreichung eines „steady state“.

Nabilon hat dabei eine ungefähr 6-fach stärkere Potenz als THC und ist das Cannabinoid mit der längsten Wirkdauer. In der Praxis hat sich gezeigt, dass ein Einsatz von ca. 1-2 mg am Tag genügt, um die gewünschten Effekte in der Palliation zu erreichen.
 

Quelle: 2strom

Literatur:

(1) DGS Praxisleitlinien: Cannabis in der Schmerztherapie.
(2) Cochrane-Kriterien: n > 400, > 8 Wochen Therapiedauer, > 50% Schmerzreduktion.


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