Donnerstag, 16. Juli 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

09. Dezember 2019 CML: TIGER-Studie bestätigt tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen unter Nilotinib-basierter Therapie

Die Erstlinienbehandlung von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (CML-CP) mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Nilotinib (Tasigna®) oder einer Kombination aus Nilotinib und pegyliertem Interferon-alpha 2b (PEG-IFNα) führt zu einer hohen Rate an tiefen, langanhaltenden Remissionen. Ein tiefes molekulares Ansprechen – die Voraussetzung für ein späteres Absetzen der TKI-Behandlung – kann mit der Kombination aus Nilotinib und PEG-IFNα schneller und häufiger erreicht werden als mit der Nilotinib-Monotherapie. Das sind die Ergebnisse einer Interimsanalyse der TIGER-Studie, die Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Jena, bei der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando, Florida, als Oral Presentation vorstellte (1).
Die Behandlung der CML hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich weiterentwickelt. CML-spezifische TKI der zweiten Generation wie Nilotinib haben in klinischen Studien ihre Überlegenheit gegenüber dem Erstgenerations-TKI Imatinib hinsichtlich des Erreichens rascherer und tieferer Remissionen gezeigt (2). Auch im Langzeitverlauf zeigt Nilotinib gegenüber Imatinib eine erhöhte Rate an molekularen Remissionen, ein reduziertes Risiko für eine CML-Progression in akzelerierte Phasen und/oder Blastenkrise sowie ein vermindertes Risiko für CML-assoziierte Mortalität (2).

Aktuelle Studien wie die TIGER-Studie untersuchen nun, ob die molekularen Ansprechraten noch weiter gesteigert werden können, wenn Nilotinib mit pegIFNα kombiniert wird. Die Rationale für diese Therapieintensivierung besteht darin, dass auch für Imatinib eine Steigerung der Ansprechraten durch Kombination mit pegIFNα gezeigt werden konnte (3). Nun deuten Interimsdaten der TIGER-Studie an, dass dies voraussichtlich für die Kombination aus Nilotinib und pegIFNα ebenso der Fall ist.

Die TIGER-Studie vergleicht die Therapie von Patienten mit CML-CP mit Nilotinib (300 mg bid), kombiniert mit der Gabe von pegIFNα (30-50 μg/Woche), randomisiert mit einer Nilotinib-Monotherapie (300 mg bid) (3). An die mindestens 24-monatige Induktionstherapie schließt sich bei Erreichen einer „major molecular response“ (MMR: ≤ 0,1% BCR-ABLIS) eine Erhaltungstherapie für mindestens weitere 24 Monate an. Diese besteht im Monotherapiearm aus einer Fortführung der Nilotinib-Therapie, im Kombinationsarm aus einer Therapie mit pegIFNα (50 μg/Woche). Bei Erreichen einer mindestens 12 Monate anhaltenden MR4 (<0,01% BCR-ABLIS) ist in beiden Armen ein Absetzversuch vorgesehen. Primäre Endpunkte der Studie sind die MMR-Rate nach 18 Monaten sowie die Möglichkeit des Absetzens bei stabiler MR4 nach den jeweiligen Erhaltungstherapien.

Wie Prof. Dr. Hochhaus in Orlando berichtete, wurden 692 Patienten in Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Studie eingeschlossen. 353 wurden in den Nilotinib-Monotherapie- und 339 in den Kombinationsarm randomisiert. Die mediane Beobachtungszeit seit der Rekrutierung betrug 44,6 Monate. Derzeit haben 225 Patienten bereits eine therapiefreie Remission (TFR) erreicht. Hochhaus stellte die finalen Ergebnisse zur MMR nach 18 Monaten vor, also zum ersten primären Endpunkt. Sie betrugen 81,9% für Nilotinib mono und 86,5% für Nilotinib/pegIFNα und unterschieden sich damit nicht signifikant (p=0,13). Im Gegensatz dazu führte die Therapieintensivierung mit pegIFNα im Vergleich zur Nilotinib-Monotherapie zu einer signifikant höheren Rate an MR4 (49,0% vs. 39,2% vs. p=0,022) und MR4,5 (<0,0032% BCR-ABLIS: 32,6% vs. 23,1%; p=0,0097) (1). Darüber hinaus erreichten die Patienten unter der Kombinationstherapie deutlich früher tiefe molekulare Remissionen: Die mediane Zeit bis zum Erreichen einer MR4 betrug unter Nilotinib mono 21,0 Monate gegenüber 12,0 Monaten unter der Kombination, die mediane Zeit bis zum Erreichen einer MR4,5 entsprechend 36,0 vs. 22,1 Monate. Die Patienten, die alle Medikationen abgesetzt hatten, hatten gute Chancen, anhaltend in molekularer Remission zu verbleiben. Für die 225 Patienten, die bereits in TNF waren, betrug die Wahrscheinlichkeit, ihre MMR zu erhalten und folglich kein molekulares Rezidiv zu entwickeln, 63% (1). Wie schon in andern Studien zuvor erwies sich auch in der TIGER-Studie eine frühes molekulares Ansprechen nach 3 Monaten als prädiktiv für das spätere Erreichen einer MMR (1). Hinsichtlich der dokumentierten Nebenwirkungen aller Grade unterschieden sich die Nilotinib-Monotherapie und -kombinationstherapie nicht, aber unter der Kombination waren Nebenwirkungen von Grad 3 bis 5 häufiger, etwa ein Anstieg der Alanin-Aminotransferase (ALAT) und eine Reduktion der Neutrophilenzahl.

Bislang deuten die Interimsdaten der TIGER-Studie an, dass die Therapie mit Nilotinib in Kombination mit pegIFNα gegenüber der ebenfalls hochwirksamen Nilotinib-Monotherapie häufiger und früher zu tiefen Remissionen führt. Ob die Intensivierung der Therapie durch Addition von PEG-IFN langfristig mehr Patienten die Chance eröffnet, eine therapiefreie Remission zu erreichen und diese auch aufrechtzuerhalten, muss die finale Auswertung der Studie zeigen, die für 2021 erwartet wird.

Dr. Claudia Schöllmann

Quelle: ASH 2019

Literatur:

(1) Hochhaus A et al. Nilotinib vs. Nilotinib plus pegylated interferon alpha (Peg-IFN) induction and Nilotinib or peg-IFN maintenance therapy of newly diagnosed BCR-ABL1 positive chronic myeloid leukemia patients in chronic phase (TIGER Study): The Addition of Peg-IFN is associated with higer rates of deep molecular response. Oral Presentation im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) am 8. Dezember 2019 in Orlando, Florida, USA, Abstract 495
(2) Hochhaus A et al. Leukemia. 2016;30(5):1044-1054
(3) Preudhomme C et al. N Engl J Med 2010; 363:2511-2521
 


Das könnte Sie auch interessieren

Große Jubiläumsaktion „Ich zieh‘ den Hut“

Große Jubiläumsaktion „Ich zieh‘ den Hut“
© Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

„Hut ab“ oder „Chapeau“ - das sagen Menschen, um Wertschätzung und Anerkennung vor der Leistung Anderer auszudrücken. Am 25. Juni 2016 bietet die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums an 40 Orten in Deutschland Mitbürgern die Möglichkeit, durch die Geste des „Hutziehens“ ein Zeichen der Solidarität mit an Krebs erkrankten Menschen zu setzen und das Engagement der ehrenamtlich...

40 Jahre Frauenselbsthilfe nach Krebs

40 Jahre Frauenselbsthilfe nach Krebs
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Am 26. August 2016 begeht die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) im Rahmen ihrer Bundestagung ihr 40-jähriges Jubiläum. Als einer der größten und ältesten Krebs-Selbsthilfeverbände Deutschlands leistet sie unverzichtbare Hilfe für Betroffene und beeinflusst aktiv politische Entscheidungsprozesse im Gesundheitswesen. Dort tritt sie für die Bedürfnisse von Betroffenen ein – dass Patienten heute wesentlich mehr Recht auf Mitsprache...

Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten

Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten
Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine repräsentative Umfrage* vom Dezember 2017 hat gezeigt: Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen weist aus Sicht vieler Befragter Defizite auf. Bemängelt wurden lange Wartezeiten auf Arzttermine, weite Wege und weniger Informationsmöglichkeiten. Auch für Krebspatienten und ihre Angehörigen kann diese Situation belastend sein. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ersetzt keinen Arzttermin, er bietet aber Antworten auf...

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen
© pathdoc / Fotolia.com

„Ich hatte große Träume für mein Leben, jetzt denke ich oft viel, viel kurzfristiger“, sagt die 25-jährige Studentin Mia*, die vor anderthalb Jahren an Krebs erkrankte. Nach der Diagnose musste sie ihr Studium unterbrechen, ihre Familienplanung in Frage stellen und auch mit ihrem Freundeskreis einen neuen Umgang finden. Sie ist eine von rund 15.000 jungen Menschen, die jährlich im Alter von 18 bis 39 Jahren die Diagnose Krebs erhalten.

HPV-Impfung schützt vor Krebs

HPV-Impfung schützt vor Krebs
© pixelaway - stock.adobe.com

Krebsprävention ist eine zentrale Strategie im Kampf gegen Krebs. Zur Prävention zählen auch Impfungen, mit denen vielen Krebserkrankungen gezielt vorgebeugt werden kann. Beispiel: Humane Papillomviren (HPV), deren Hochrisiko-Typen für Gebärmutterhalskrebs und andere Krebserkrankungen verantwortlich sind. Doch es gibt eine wirksame und gut verträgliche Impfung, die vor der Infektion mit HPV schützt und der Entwicklung von Krebs vorbeugt. Wer sollte sich...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"CML: TIGER-Studie bestätigt tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen unter Nilotinib-basierter Therapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden