Dienstag, 16. Juli 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

14. Juni 2019 ASCO-Highlights: Tumorzelleigenschaften und onkogene Subgruppen rücken weiter in den Fokus

Das Motto des diesjährigen amerikanischen Krebskongresses ASCO lautete „Caring for every patient, learning from every patient“. Alle Patienten sollen Zugang zu einer State-of-the-Art-Diagnostik und Therapie erhalten und gleichzeitig soll jeder Patient zu neuen Erkenntnissen der klinischen Forschung beitragen. „Treibermutationen gezielt zu adressieren und die Immuntoleranz mittels PD-1/-L1-Inhibitoren zu durchbrechen, sind 2 Grundpfeiler einer biologisch rationalen systemischen Krebstherapie, nun folgt die dritte Säule, die Interaktion mit DNA damage repair (DDR) – hier greifen z.B. die PARP-Inhibitoren an, bei Vorliegen von DDR-Alterationen wie BRCA1/2.“ Prof. Dr. Jürgen Wolf, Köln, fasste die aus seiner Sicht wichtigsten ASCO-Studienergebnisse zusammen.
Anzeige:
POLO-Studie: Erste erfolgreiche Biomarker-Studie beim Pankreaskarzinom

Tumoren mit BRCA-Keimbahnmutationen („BRCAness“) können mittels PARP-Inhibitoren adressiert werden. Vor diesem Hintergrund konnten Ergebnisse der jetzt präsentierten POLO-Studie (1) zeigen, dass erstmals beim metastasierten Pankreaskarzinom für die 4-7% Patienten mit BRCAness bei dieser Entität eine personalisierte Therapie möglich ist: nach einer Platin-basierten Erstlinientherapie erhielten die Patienten eine Erhaltungstherapie mit Olaparib. Das progressionsfreie Überleben (PFS) verlängerte sich signifikant auf 7,4 Monate vs. 3,8 Monate unter Placebo (HR=0,53).

TOPARP-B: Auf dem Weg zur personalisierten Therapie beim mCRPC

PARP-Inhibitoren wirken bei zahlreichen DDR-assoziierten Genen, neben BRCA1/2 sind dies bespielsweise FANCG, XXCC3, ATM, CDK12, PALB2 u.v.a. Beim Prostatakarzinom betrifft BRCAness sogar fast jeden vierten Patienten. Hier konnte die Phase-II-Studie TOPARP-B (2) mit Olaparib bei metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom mit DDR-Alteration zeigen, dass die Aktivität von Olaparib stark von der genetischen Subgruppe abhängig ist; so ergab sich ein bestätigtes kombiniertes Ansprechen von 83,3% in der Gruppe mit BRCA1/2 (n=30), 57,1% Ansprechen in der Gruppe mit PALB2-Alteration (n=7) bis hin zu einem Ansprechen von nur 25% in der CDK12-Alterationsgruppe (n=20).

Onkogene Subgruppen, bei denen eine CI-Immuntherapie unwirksam ist

Kontrovers diskutiert habe man die Studie von Skoulidis et al. (3), so Wolf. Hier wurden bei Patienten mit Lungen-Adenokarzinom (Nicht-Plattenepithel-NSCLC) STK11- und LKB1-Alterationen als Prädiktoren dafür ausgemacht, dass die zusätzliche Gabe des Checkpoint-Inhibitors (CI) Pembrolizumab zu einer Platin-Doublette keinen Vorteil für diese Patienten hat. Die Alterationen seien mit einem sog. kalten Tumormikromilieu assoziiert, d.h. hier findet keine Infiltration mit Immunzellen und somit kein Ansprechen auf den CI statt. Allerdings handelte es sich um eine retrospektive Analyse. Dennoch sei die Datenlage sehr solide, so Wolf. Bei Vorliegen von STK11/LKB1-Alterationen habe sich Gesamtüberleben von 6 Monaten gezeigt, gegenüber 20 Monaten beim Wildtyp.

Upfront-Mutationstestung wird alternativlos

„Wenn man die Erkenntnisse zu Treibermutationen und Biomarker wie TMB mit solchen Genmutationen, die ein Ansprechen auf eine Immuntherapie vorhersagen, künftig noch vor der ersten Therapielinie als genetisches Diagnostik-Panel heranziehen kann, ist man ganz entscheidend vorangekommen“, so Wolfs Fazit. „Upfront ein Next Generation Sequencing durchzuführen, wird alternativlos werden.“

Er gab noch einen weiteren Ausblick in die Zukunft: So konnte gegen das erste Onkogen, das in der Onkologie beschrieben wurde, KRAS, in der Vergangenheit aus technischen Gründen nie ein KRAS-Inhibitor entwickelt werden. Der Subtyp KRAS-G12C kommt bei ca. 13% der NSCLC, 3% der Kolorektalkarzinome und mit 1-3% bei anderen soliden Tumoren vor. Nun wird mit dem KRAS-G12C-Inhibitor AMG 510 der erste direkte RAS-Inhibitor entwickelt. „Dies ist eine Phase-I-Studie (4, 5) und es handelt sich um vorläufige Ergebnisse von 35 Patienten, aber das reicht schon sehr weit in eine künftig immer weiter personalisierte verbesserte Krebstherapie.“
 

ab

Quelle: Pressekonferenz "Aktuelles vom Amerikanischen Krebskongress 2019", Düsseldorf, 12.6.2019; Veranstalter: Roche

Literatur:

(1) Kindler H et al. Olaparib as maintenance treatment following first-line platinum-based chemotherapy (PBC) in patients (pts) with a germline BRCA mutation and metastatic pancreatic cancer (mPC): Phase III POLO trial. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr LBA4)
(2) Mateo J et al. TOPARP-B: A phase II randomized trial of the poly(ADP)-ribose polymerase (PARP) inhibitor olaparib for metastatic castration resistant prostate cancers (mCRPC) with DNA damage repair (DDR) alterations. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 5005)
(3) Skoulidis F et al. Association of STK11/LKB1 genomic alterations with lack of benefit from the addition of pembrolizumab to platinum doublet chemotherapy in non-squamous non-small cell lung cancerJ Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 102)
(4) Fakih M et al. Phase 1 study evaluating the safety, tolerability, pharmacokinetics (PK), and efficacy of AMG 510, a novel small molecule KRASG12C inhibitor, in advanced solid tumors.J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 3003)
(5) Sing-Zan Wang J et al. First-in-human study of AZD5153, a small molecule inhibitor of bromodomain protein 4 (BRD4), in patients (pts) with relapsed/refractory (RR) malignant solid tumor and lymphoma: Preliminary data. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 3085)

 


Das könnte Sie auch interessieren

Personalisierte Medizin in der Onkologie: Behandlung bestmöglich auf den Patienten zuschneiden

Medikamente möglichst maßgeschneidert auf die spezifischen Merkmale einer Krankheit zuzuschneiden und diese gezielt bei jenen Patienten einzusetzen, denen sie am besten helfen, lautet das Credo der Personalisierten Medizin. Dank vertiefter Kenntnisse über die molekularbiologischen Ursachen von Krankheiten gibt es heute bereits eine Reihe von innovativen diagnostischen Tests, durch die Patienten identifiziert werden können, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine...

8. Krebsaktionstag – Gemeinsam gegen Krebs

8. Krebsaktionstag – Gemeinsam gegen Krebs
© Olivier Le Moal / Fotolia.com

Der Krebsaktionstag findet alle zwei Jahre am letzten Kongresstag des Deutschen Krebskongresses in Berlin statt und wird von der Stiftung Deutsche Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Berliner Krebsgesellschaft e. V. organisiert. Krebsexperten treffen, Wissen erweitern, Selbsthilfegruppen kennenlernen: Der 8. Krebsaktionstag bietet Ihnen aktuellste Informationen rund um das Thema Krebs. Betroffene, Angehörige und Interessierte sind herzlich eingeladen, an der...

Forschung für besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

Forschung für besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs
© Petry

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren der Welt. Einige Virentypen können Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und andere Krebsarten verursachen. Wissenschaftler kooperieren jetzt in einer neuen Studie, um ein HPV-Typ-spezifisches Modell für den Krankheitsverlauf von HPV-Infektionen zu entwickeln. Dazu werden klinische Daten aus großen populationsbasierten Studien der Frauenklinik Wolfsburg in Zusammenarbeit mit einer...

Hautkrebsreport: Nur jeder Sechste geht zur Früherkennung

Hautkrebsreport: Nur jeder Sechste geht zur Früherkennung
© Alexander Raths / fotolia.com

Hautkrebs ist mit 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Bei jeder siebten Erkrankung handelt es sich um ein sogenanntes malignes Melanom, den gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Allein in Rheinland-Pfalz waren im Jahr 2017 9.907 gesetzlich Krankenversicherte vom schwarzen Hautkrebs betroffen. Die häufigsten Erkrankungsfälle wurden in Hessen, Niedersachsen und Thüringen registriert. Das zeigt der aktuelle Hautkrebsreport der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ASCO-Highlights: Tumorzelleigenschaften und onkogene Subgruppen rücken weiter in den Fokus"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren