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30.07.2010
Flexible Sigmoidoskopie kann Darmkrebs-Sterblichkeitum über vierzig Prozent reduzieren

„Eine einfache Darmuntersuchung in mittlerem Alter reduziert das Risiko von Darmkrebs um ein Drittel und die Sterblichkeit um über vierzig Prozent“, erklärt UEGF-Experte Prof. Anthony Axon (Leeds, UK) für die European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE). Bislang gingen Gastroenterologen davon aus, dass eine umfassende Koloskopie notwendig sei, um das Darmkrebsrisiko zu senken. UEGF Experten waren maßgeblich an dieser Studie beteiligt, die belegt, dass auch ein weniger invasives Verfahren das Risiko und die Mortalität aufgrund von Darmkrebs deutlich verringern kann.


Eine britische Studie* mit über 170.000 Teilnehmern zwischen 55 und 64 Jahren zeigt, dass bei Personen, die sich einem Screening mit flexibler Sigmoidoskopie unterziehen, im Laufe der nächsten elf Jahre von einem wesentlich geringeren Darmkrebsrisiko ausgegangen werden kann. Nach einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 11,2 Jahren war das Auftreten von kolorektalen Karzinomen 33 Prozent geringer und die Mortalität 43 Prozent geringer. Gemäß Extrapolierung könnten alleine in England jährlich 5.000 Fälle von Darmkrebs und 3.000 Todesfälle durch die Durchführung von Sigmoidoskopien verhindert werden.

Darmkrebs ist die zweithäufigste Todesursache bei Krebserkrankungen in Europa (nach Lungenkrebs) und betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Der Krebs entwickelt sich aus einfachen Polypen, also pilzförmigen Geschwülsten an der Darminnenwand, die mit der Zeit bösartig werden können. Prof. Axon erläutert: „Werden [diese Polypen] entdeckt, bevor sie sich zum Krebs entwickeln, können sie einfach und sicher im Rahmen einer Kolonoskopie oder flexiblen Sigmoidoskopie entfernt werden.“


Sigmoidoskopie ist risikoarm und patientenfreundlich

Bei der flexiblen Sigmoidoskopie wird ein kurzer, flexibler Schlauch durch den After in den Enddarm eingeführt. Durch diesen Schlauch kann der Arzt bzw. das Pflegepersonal die Innenwand des unteren Darmdrittels untersuchen, wo der Krebs am häufigsten auftritt. Kleine Polypen können erkannt und mit einer Drahtschlinge entfernt werden. Die Schlinge wird durch das Sigmoidoskop eingeführt, um den Polypen gelegt und zugezogen. Anschließend wird elektrischer Strom durch die Schlinge geleitet und verödet den Stiel des Polypen, so dass er schmerzfrei und ohne Blutung entfernt werden kann. „Das gesamte Verfahren dauert nur wenige Minuten und erfordert keinerlei Betäubung oder Narkose“, erklärt Prof. Axon. Somit ist der Eingriff für den Patienten wesentlich weniger unangenehm als eine umfassende Kolonoskopie.

Endoskopische Verfahren werden bei Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen bereits seit mehreren Jahren eingesetzt, doch wurde jetzt erstmals durch eine sorgfältig angelegte prospektive Langzeitstudie belegt, dass eine endoskopische Untersuchung des Darms nicht nur die Mortalität direkt verringert, sondern auch langfristig das Krebsrisiko senkt. „Dies ist als großer Fortschritt in unserem Kampf gegen den Krebs zu werten“, so UEGF Experte Prof. Axon.


Sigmoidoskopie oder Kolonoskopie: Krebsvorsorgeuntersuchungen ab 50 Jahren von grundlegender Wichtigkeit

Es muss festgehalten werden, dass dieser Test das Darmkrebsrisiko nicht vollständig ausschalten kann. Die Studie zeigt, dass eine flexible Sigmoidoskopie keinen signifikanten Effekt auf die Vorbeugung von Krebs im oberen Teil des Darms hat und auch im unteren Darmbereich das Risiko nur halbiert, erläutert Prof. Axon. Vorsorgeuntersuchungen mit Kolonoskopie wären eventuell effektiver, da bei diesem Verfahren ein längeres Endoskop in den gesamten Dickdarm eingeführt wird, so dass auch Polypen im oberen Darmbereich entdeckt werden können. Prof. Axon: „Die britische Studie hat das Potential der Sigmoidoskopie bei Vorsorgeuntersuchungen zur Reduzierung des Darmkrebsrisikos und der damit verbundenen Mortalität belegt. Bei Patienten, die mit positivem Befund auf Blut im Stuhl untersucht wurden, ist jedoch nach wie vor eine umfassende Kolonoskopie empfehlenswert.“ UEGF Experte Prof. Axon betont, dass allen Personen ab 50 Jahren in Europa unbedingt die eine oder andere Form der Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung zugänglich gemacht werden sollte.

* Once-only flexible sigmoidoscopy screening in prevention of colorectal cancer: a multicentre randomised controlled trial. (Einmaliges flexibles Sigmoidoskopie-Screening zur Prävention von Dickdarmkrebs: eine randomisierte, kontrollierte Multicenter-Studie)

Atkin WS, Edwards R, Kralj-Hans I, Wooldrage K, Hart AR, Northover JM, Parkin DM, Wardle J, Duffy SW, Cuzick J; Prüfer bei der Studie zur flexiblen Sigmoidoskopie, UK.
Lancet 2010 8. Mai;375(9726):1624-33.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/pubmed

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Zuletzt geändert am: 30.07.2010

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