So, 01.08.10 - 11:29
 
 

 

Suche:  
10.03.2010
Arbeitsgemeinschaft individuelle Mammadiagnostik fordert: „Wir brauchen in Deutschland eine individuelle Brustkrebs-Früherkennung inklusive der Mamma-MRT für alle Frauen“

Alle Frauen mit Brustkrebsfällen in der Familie - nicht nur die mit stark erhöhtem Brustkrebsrisiko oder solche mit „erblichem“ Brustkrebs - profitieren von einer Brustkrebsfrüherkennung mit MRT. Davon ist der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Individuelle Mammadiagnostik, Prof. Dr. Fischer, Göttingen überzeugt. Zeigt doch die jetzt von der Bonner Forschungsgruppe um Prof. Dr. Kuhl veröffentlichte EVA-Studie erneut und eindeutig: Die Mamma-MRT ist in der Früherkennung von Brustkrebs der Mammographie wie auch der Kombinationsuntersuchung aus Mammographie und Brustultraschall überlegen.

Einbezogen in die EVA-Studie waren keineswegs nur Frauen mit „erblichem Brustkrebs“, also solche, bei denen eine Genmutation (BRCA-Mutation) vorlag oder diese aufgrund zahlreicher Erkrankungsfälle in der Familie zu vermuten war, sondern gerade auch Frauen mit nur moderat erhöhtem Risiko. Die EVA-Studie konnte eindeutig nachweisen: Auch Frauen – bei denen nur einzelne Brustkrebsfälle in der Familie aufgetreten sind – profitierten von der alleinigen Mamma-MRT mehr als von Mammographie und/oder Sonographie.

Selbst für Frauen mit „normalem“, Brustkrebsrisiko, davon ist Prof. Fischer überzeugt, ist die MRT-Früherkennung die Methode der Wahl, wenn die Mammographie und/oder die Ultraschall-Untersuchung beispielsweise wegen einer hohen Gewebedichte oder wegen Zysten keine sichere Diagnose ermöglichen. Gegner der Mamma-MRT führen als Reaktion auf die EVA-Studie aktuell wieder eine angeblich besonders hohe Rate falsch positiver Befunde („falscher Alarm“) gegen die MRT ins Feld. Doch die Ergebnisse Multi-Center-Untersuchung der Bonner Forscher widerlegen auch diese wiederkehrende Behauptung: Die falschpositiv-Quote in der MRT war in der EVA-Studie sogar niedriger war als in Mammographie oder im Ultraschall. Fischer kann aus eigener Erfahrung bestätigen: Falsch-positive Befunde kommen auch beim MRT vor. Sie aber resultieren vor allem aus der Unerfahrenheit der Untersucher. „Nicht die Methode ist das Problem. Häufig fehlt es an der notwendigen technischen Untersuchungsqualität – benötigt werden hochauflösende Aufnahmen von exzellenter Qualität – und/oder an der fachlichen Expertise der Ärzte“ unterstreicht der Göttinger Arzt. „Wenn die Bildqualität stimmt und ein fachlich versierter Arzt die Untersuchung beurteilt, kann anhand einer Mamma-MRT erheblich sicherer als mit der Mammographie Brustkrebs nachgewiesen werden – und zwar ohne eine besonders hohe Rate an falsch-positiven Befunden in Kauf nehmen zu müssen.“

Heißt die Schlussfolgerung deshalb: Brustkrebsfrüherkennung mit Mamma-MRT pauschal für alle Frauen? „Das wäre nach unserer Überzeugung nicht nur mit Blick auf die Kosten nicht wünschenswert“, erläutert Fischer. „Im Gegenteil: Wir treten für eine differenzierte, individuelle Vorgehensweise ein. Zu berücksichtigen sind das persönliche Erkrankungsrisiko der Frau und die Grenzen des Diagnostikverfahrens „Mammographie“. Denn unabhängig vom Erkrankungsrisiko gilt: Je nach Drüsengewebsdichte ist die Mammographie zur Früherkennung mehr oder weniger gut geeignet. „Eine solche individuelle Vorgehensweise setzt voraus, daß die Frauen sachgerecht über die Vor- und Nachteile der Früherkennung grundsätzlich wie die der einzelnen Untersuchungsmethoden im speziellen aufgeklärt werden“, betont Fischer. Nur so kann für jede Frau ein maßgeschneidertes Konzept erarbeitet werden, das die verschiedenen medizinischen Diagnoseverfahren gestuft einsetzt, um die Früherkennung an die jeweilige individuelle Situation anzupassen. Frauen müssen wissen: Zu standardisierten Reihenuntersuchungen wie dem Mammographie-Screening-Programm gibt es leistungsfähigere Alternativen, deren Effektivität inzwischen hinreichend wissenschaftlich nach gewiesen ist.

Deshalb AIM kritisiert entschieden die undifferenzierte Propagierung der Mammographie als der angeblich „einzigen allgemein anerkannten Methode zur Brustkrebsfrüherkennung“. Diese gerade in jüngster Zeit häufig zu lesende Aussage wird durch die Ergebnisse der EVA-Studie erneut eindrucksvoll widerlegt. „Jetzt noch daran festzuhalten, die Mammographie als „Goldstandard der Früherkennung“ anzupreisen, kommt einer gezielten Fehlinformation der Öffentlichkeit gleich“, meint Fischer.

Kontakt AIM e. V.
Geschäftsführung und Presseverantwortliche:
Annette Kruse-Keirath
Friedrichstraße 171
10117 Berlin
Telefon: 0 30 / 3 03 66 - 41 56
Telefax: 0 30 / 3 03 66 – 41 57
e-Mail: akk@aim-mamma.de

Beitrag bewerten (nach Schulnoten):
1 2 3 4 5 6
1 = sehr gut ... 6 = ungenügend

Stichwortsuche: Mammakarzinom Früherkennung  

Weitere Artikel zum Thema:

Brustkrebs: Immunhistochemischer Nachweis von Mikrometastasen im Sentinel ohne prognostische Bedeutung / Mikrometastasen im Knochenmark scheinen Prognose zu beeinflussen (15.07.2010)  

Brustkrebs: Axilladissektion bei positivem Sentinel führt zu keinem Überlebensvorteil (15.07.2010)  

Brustkrebs: Rezeptorstatus der Metastasen stimmt nicht immer mit dem des Primärtumors überein (15.07.2010)  

EvAluate: Zukunftsweisendes Studienprogramm zur individuellen Brustkrebs-Therapie (02.06.2010)  

Bisphosphonate in der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms (20.04.2010)  

Metastasiertes Mammakarzinom: Effektive Therapie und mehr Lebensqualität mit Capecitabin (23.07.2010)  

Aktueller Termin der kostenlosen ärztlichen Sprechstunde zum Thema Brustkrebs am 2. August 2010 (27.07.2010)  

Senologie-Kongress 2010: Effektivität und Verträglichkeit in der adjuvanten endokrinen Therapie des postmenopausalen Mammakarzinoms (16.07.2010)  

BIG 1-98-Studie: Daten sprechen für frühen upfront-Einsatz von Letrozol bei allen postmenopausalen Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom (09.07.2010)  

Senologiekongress 2010: Ibandronat im Praxisalltag – Schmerzreduktion und renale Verträglichkeit bestätigt (06.07.2010)  



Zuletzt geändert am: 10.03.2010

© JOURNAL ONKOLOGIE 2000 - 2010