10.03.2010
DKK 2010: Cetuximab setzt neue Standards in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren
Beim 29. Deutschen Krebskongress in Berlin wurden im Rahmen des Symposiums „Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren“ die gegenwärtigen Fortschritte in der Therapie von Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und des Halses (squamous cell carcinoma of the head and neck, SCCHN) durch den monoklonalen EGFR-Antikörper Cetuximab erörtert. Die aktuellen Ergebnisse der EXTREME-Studie und der Phase-III-Studie von Bonner et al. belegen den hohen klinischen Nutzen von Erbitux sowohl in der Therapie von rezidivierten und/oder metastasierten als auch von lokal fortgeschrittenen SCCHN. Basierend auf diesen Ergebnissen erteilte die European Society for Medical Oncology (ESMO) in ihrer aktuellen Leitlinie Cetuximabin Kombination mit platinbasierter Chemotherapie bzw. in Kombination mit Strahlentherapie den höchsten Empfehlungs- und Evidenzgrad und bestätigt damit die besondere Bedeutung von Cetuximab in dieser Indikation.
Auf die zunehmende Bedeutung interdisziplinärer Schnittstellen in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren ging Professor Dr. Andreas Dietz vom Universitätsklinikum Leipzig in seinem Vortrag im Rahmen des Symposiums ein. Die Herausforderung für das interdisziplinäre Ärzteteam aus Chirurgen, Strahlentherapeuten und Onkologen besteht darin, die Organfunktionen so weit wie möglich zu erhalten, so Professor Dietz. Ein organ- und funktionserhaltender Therapieansatz wurde in der randomisierten Phase-IITREMPLIN-Studie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen SCCHN getestet.1 In dieser Studie wurde ein Vergleich zwischen Strahlentherapie plus Erbitux und Strahlentherapie plus Cisplatin im Anschluss an eine Induktionschemotherapie mit Docetaxel, Cisplatin und 5-Fluorouracil (TPF) mit dem Therapieziel des Larynxerhalts gezogen. In Bezug auf einen Larynxerhalt war die Behandlung mit TPF gefolgt von Erbitux plus Strahlentherapie genauso effektiv wie die Behandlung mit TPF gefolgt von Strahlentherapie plus Cisplatin. Aufgrund des günstigeren Toxizitätsprofils konnte eine bessere Compliance in der Patientengruppe beobachtet werden. (1)
Deutlicher 5-Jahres-Überlebensvorteil bei lokal fortgeschrittenen SCCHN
Die effektive Tumorkontrolle bei gleichzeitig akzeptablem Toxizitätsprofil gilt als Therapieziel bei der Behandlung von lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren. Bislang war die Radiochemotherapie die einzige Standardtherapie in dieser Indikation. Allerdings werden durch die Hinzunahme von Chemotherapie zur Strahlentherapie die strahlentherapiebedingten Nebenwirkungen erhöht, wodurch die chronische und/oder akute Toxizität der Behandlung erheblich gesteigert werden kann. Während die akute Toxizität oft die Compliance beeinträchtigt, weisen neuere Daten darauf hin, dass die chronische Toxizität mit zum Teil erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden sein kann. Die randomisierte Phase-III-Studie von Bonner et al. verglich die Wirksamkeit von Erbitux in Kombination mit Strahlentherapie gegenüber alleiniger Strahlentherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen, inoperablen SCCHN. (2) Die aktuellen Ergebnisse der 5-Jahres-Auswertung dieser Studie stellte Frau PD Dr. Susanne Staar, Klinikum Bremen-Mitte, in ihrem Vortrag vor. Die Langzeitanalyse bestätigt den effektiven Einsatz von Erbitux in Kombination mit Strahlentherapie bei der Behandlung lokal fortgeschrittener SCCHN. Fast die Hälfte der Patienten, die Erbitux in Kombination mit Strahlentherapie erhielten, lebten nach fünf Jahren (45,6 vs. 36,4 Prozent; p=0,018). Dieses Ergebnis bedeutet einen anhaltenden Überlebensvorteil von neun Prozent (49,0 vs. 29,3 Monate; HR 0,725; p=0,018). Das Auftreten von akneiformen Hautreaktionen korrelierte mit einer signifikanten Verbesserung des medianen Gesamtüberlebens auf 68,8 Monate bei Patienten mit akneiformen Hautreaktionen vom Grad 2 bis 4 gegenüber 25,6 Monaten bei Patienten mit leichten oder keinen Hautreaktionen (HR 0,49; p=0,002). Das Mortalitätsrisiko konnte um 51 Prozent bei Patienten mit Hautreaktionen des Grades 2 bis 4 reduziert werden. (2) Die ESMO bestätigt in ihrer aktuellen Leitlinie die hohe Evidenz einer Therapie mit Erbitux in Kombination mit Strahlentherapie bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren und erteilt der Kombinationstherapie mit Erbitux den höchsten Evidenz- und Empfehlungsgrad. (3)
Derzeit wird in klinischen Studien die Kombination aus Radiochemotherapie und Erbitux untersucht, um möglicherweise noch wirksamere Therapieoptionen bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren zu finden (Phase-III-Studie RTOG 0522). Klinische Studien in Phase I und II zeigen ermutigende Ergebnisse, so Dr. Staar. Durchbruch in der Therapie von rezidivierten und/oder metastasierten SCCHN Erstmals seit 30 Jahren konnte ein signifikanter Überlebensvorteil in der Therapie von rezidivierten und/oder metastasierten Kopf-Hals-Tumoren durch den Einsatz von Erbitux in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie erzielt werden. In seinem Vortrag fasste Professor Dr. Ulrich Keilholz, Charité Comprehensive Cancer Center, Berlin, die aktuelle Therapiesituation bei rezidivierten und/oder metastasierten SCCHN zusammen. Die randomisierte Phase-III-Studie EXTREME, die Erbitux plus platinbasierte Chemotherapie mit alleiniger Chemotherapie verglich, bedeutet einen Durchbruch in der Therapie dieser Indikation.4 Das mediane Gesamtüberleben verlängerte sich um fast drei Monate (10,1 vs. 7,4 Monate; p=0,04) bei Patienten, die Erbitux in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie erhielten im Vergleich mit alleiniger Chemotherapie. Das entspricht einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um 20 Prozent (HR 0,80). Darüber hinaus konnte durch die Hinzunahme von Cetuximab (Erbitux®) zur Chemotherapie eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um 46 Prozent (5,6 vs. 3,3 Monate; p<0,001) und eine annähernde Verdopplung der Ansprechrate erzielt werden (36 vs. 20 Prozent; p<0,001). (4) In der aktuellen Leitlinie zur Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren erteilt die ESMO Erbitux plus platinbasierter Chemotherapie als einziger Therapieoption den höchsten Evidenz- und Empfehlungsgrad bei rezidivierten und/oder metastasierten Kopf-Hals-Tumoren. Damit gilt Erbitux als Therapiestandard in dieser Indikation. (3)
Professor Dr. Keilholz wies darüber hinaus darauf hin, dass der HPV-Status einen Einfluss auf das mediane Gesamtüberleben bei Patienten mit Oropharynxkarzinomen hat. Aktuelle Ergebnisse belegen für HPV-positive Patienten mit Oropharynxkarzinomen ein medianes Gesamtüberleben von 87,9 Prozent im Vergleich zu 65,8 Prozent bei HPV-negativen Patienten (p<0,0001). (5) Daher sollte der HPVStatus als wichtiger prognostischer Faktor bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren mitbestimmt werden.
Referenzen:
1. Lefebvre J, et al. ASCO Congress 2009, Abstract No: 6010.
2. Bonner J, et al. Lancet Oncol, 2010;11(1):21–28.
3. Licitra L, & Felip E. Ann Oncol 2009;20(Suppl 4):iv121–iv122.
4. Vermorken JB, et al. N Engl J Med 2008;359:1116–27.
5. Gillison ML, et al. ASCO Congress 2009, Abstract No: 6003.
Mehr Informationen über Kopf-Hals-Tumoren und Darmkrebs finden Sie unter
www.globalcancernews.com.
Merck Serono
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