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26.02.2010
Positive Opinion für Pazopanib bei fortgeschrittenem Nierenzellkrebs

Das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der EMA hat am 18. Februar 2010 die „Positive Opinion“ für ein neues Krebsmedikament ausgesprochen, das von GlaxoSmithKline (GSK) entwickelt wurde. Die Zulassung von Pazopanib (geplanter Handelsname Votrient®) wird unter Auflagen für die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms empfohlen, sowohl als First-Line-Therapie als auch als Second-Line-Therapie bei Patienten nach vorangegangener Zytokintherapie. „In den vergangenen drei Monaten hat das CHMP vier Empfehlungen für innovative, von GSK entwickelte Tumorbehandlungen ausgesprochen“, kommentierte Professor Torsten Strohmeyer, Leiter Forschung und Medizin bei GlaxoSmithKline Deutschland. „Das zeigt, dass unser klinisches Entwicklungsprogramm sich bewährt und Wirkstoffe liefert, die Patienten und Behandlern neue Optionen bei schweren Erkrankungen bieten.“

Nierenzellkrebs: Verlängerte progressionsfreie Überlebenszeit unter Pazopanib

Das positive Votum des CHMP für eine Zulassung von Pazopanib unter Auflagen beruht auf Daten aus einer doppelblinden Phase-III-Studie an 435 Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkrebs, die entweder nicht medikamentös vorbehandelt waren oder eine Therapie mit Zytokinen in der ersten Linie erhalten hatten.1 Die Ergebnisse zeigten für Pazopanib eine signifikante Verlängerung der medianen progressionsfreien Überlebenszeit (PFS) im Vergleich zu Placebo, unabhängig davon, ob sie eine Zytokin-Vorbehandlung erhalten hatten oder nicht. In der gesamten Studiengruppe betrug die mediane PFS 9,2 Monate unter Pazopanib im Vergleich zu 4,2 Monaten unter Placebo. Bei den Auswertungen der Subgruppen fand sich für nicht-vorbehandelte Patienten eine mediane PFS von 11,1 Monaten unter Pazopanib (2,8 Monate unter Placebo), für Zytokin-vorbehandelte Patienten eine mediane PFS von 7,4 Monaten (Pazopanib) gegenüber 4,2 Monaten (Placebo). (1)

Unerwünschte Ereignisse unter Pazopanib waren meist leicht bis mäßig ausgeprägt. Am häufigsten (bei mindestens 20 % der Patienten) fanden sich Durchfälle, Blutdrucksteigerungen, farbliche Veränderungen der Haare, Übelkeit, Anorexie und Erbrechen. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse von Schweregrad 3 oder 4 nach WHO (mit Auftreten bei mehr als 2 % der Patienten) waren Durchfälle (4 %), Blutdrucksteigerungen (4 %) und allgemeine Kraftlosigkeit (Asthenie, 3 %). Die häufigste Laborwertabweichung vom Schweregrad 3 oder 4 war eine Erhöhung der Leberenzymwerte (ALT, AST), meist asymptomatisch und innerhalb der ersten 4 Monate der Behandlung auftretend. Bestimmte Klasseneffekte für antiangiogenetisch wirkende Tyrosinkinase-Hemmer wie Proteinurie, Thrombozytopenie, Schilddrüsenunterfunktion, Hand-Fuß-Syndrom und Mukositis bzw. Stomatitis traten insgesamt bei jeweils weniger als 10 % der Patienten auf, vom Schweregrad 3 oder 4 bei weniger als 1 % der Patienten. (1)

Eine Zulassung unter Auflagen wird einem Medikament oder Medizinprodukt mit positiver Nutzen-Risiko-Bewertung erteilt, das einen bisher nicht gedeckten medizinischen Bedarf erfüllt. Dabei muss der Vorteil einer unmittelbaren Verfügbarkeit die potenziellen Risiken übersteigen, die darin liegen können, dass weitere Daten noch ausstehen. Eine bedingte Zulassung muss jährlich erneuert werden. Im Fall von Pazopanib fordert die EMA weitere Daten aus der laufenden, direkten Vergleichsstudie von Pazopanib mit Sunitinib.


Über Nierenzellkarzinom und Pazopanib

Das Nierenzellkarzinom ist die häufigste Art von Nierenkrebs (2), mit weltweit zunehmender Inzidenz. (3) Derzeit werden jedes Jahr 208.000 neue Fälle diagnostiziert, und über 100.000 Patienten sterben daran. (4) In Deutschland wird die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen an Nierenkarzinom bei Frauen auf etwa 6.500 und bei Männern auf etwa 10.750 geschätzt. Darin sind allerdings zu etwa 10 % Karzinome des Nierenbeckens und des Harnleiters enthalten. (5) Obwohl bei Patienten in den Frühstadien durch einen operativen Eingriff eine Heilung möglich ist, kommt es nach der Operation häufig zu einem Rezidiv, oder die Erkrankung ist zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits fortgeschritten. (6) Das Nierenzellkarzinom spricht im Allgemeinen nicht auf Standard-Chemotherapien an (7) – ein Grund mehr, innovative Therapieansätze zur Behandlung dieser Krebsform zu entwickeln.

Pazopanib ist ein Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor zur einmal täglichen Einnahme in Tablettenform, der am Vascular Endothelial Growth Factor Receptor (VEGFR), am Platelet-Derived Growth Factor Receptor (PDGFR) und an c-kit angreift. (8) VEGF und PDGF sind für die Entwicklung und das Wachstum von Blutgefäßen (Angiogenese) von Bedeutung. Die Angiogenese spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Metastasierung zahlreicher Tumorarten, die VEGF und PDGF überexprimieren. (9) Dazu gehören Tumoren von Leber, Lunge, Brust, Nieren, Blase, Eierstöcken und Dickdarm. Durch die Hemmung von VEGFR, PDGFR und c-kit kann Pazopanib möglicherweise das Tumorwachstum aufhalten oder verlangsamen.


Referenzen
1. Sternberg CN, et al. Pazopanib in Locally Advanced or Metastatic Renal Cell Carcinoma: Results of a Randomized Phase III Trial. J Clin Oncol 2010;28
2. American Cancer Society. “What is Kidney Cancer (Renal Cell Carcinoma)?” http://www.cancer.org/docroot/CRI/content/CRI_2_2_1X_What_is_kidney_cancer_22.asp?sitearea=.
3. Murai M and Oya M. Renal cell carcinoma: etiology, incidence and epidemiology. Curr. Opin. Urol. 2004;14, 229-233.
4. Parkin M, Bray F et al. Global Cancer Statistics. CA Cancer J Clin. 2005;55:74-108.
5. Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut (Hrsg). Krebs in Deutschland – Häufigkeiten und trends. 5. überarbeitete, aktualisierte Ausgabe, Saarbrücken, 2006
6. VEG102616 study protocol
7. Motzer, R.J. and P. Russo, Systemic therapy for renal cell carcinoma. J. Urol. 2000; 163:408–417.
8. Sonpavde G and Hutson T. Pazopanib: A Novel Multitargeted Tyrosine Kinase Inhibitor. Curr Oncol Rep. 2007;Mar9(2):115-9.
9. Jain RK. Antiangiogenic therapy for cancer: current and emerging concepts. Oncology. 2005 Apr;19(4 Suppl 3):
7-16

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Zuletzt geändert am: 26.02.2010

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