So, 01.08.10 - 11:27
 
 

 

Suche:  
26.02.2010
DKK 2010: Neue therapeutische Optionen beim NSCLC und Ovarialkarzinom in Sicht

Neben der Chemotherapie erhalten sogenannte „targeted“ Therapien mit zielgerichteter Wirkung auf tumorspezifische Eigenschaften einen immer höheren Stellenwert in der klinischen Onkologie. Dies betonten aktuell die Beiträge im Rahmen eines Symposiums, mit dem sich Boehringer Ingelheim (BI) auf dem 29. Deutschen Krebskongress (DKK) erstmals mit der eigenen Onkologiemöglichkeiten aktueller Substanzen, die spezifisch die Gefäßneubildung zur Versorgung des Tumors und bestimmte Signaltransduktionsprozesse der Zelle hemmen, die zu einem unkontrollierten Wachstum von Zellen beitragen können. Gerade in der Therapie des Lungenkarzinoms und des Ovarialkarzinoms stellen diese zielgerichteten Ansätze bedeutende Innovationen der klinischen Onkologie dar, so das Fazit der Referenten.

Damit sich Tumoren mit ausreichend Nährstoffen für ihr progressives Wachstum versorgen können, regen sie die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) an. Ziel der spezifischen antiangiogenetischen Tumortherapie ist daher die Hemmung dieser tumorspezifischen Gefäßneubildung. Ein weiterer Ansatz ist die Inhibition bestimmter Signaltransduktionswege in der Tumorzelle, die die Zellen zum verstärkten Wachstum anregen. Andere Wirkstoffe sind gegen Rezeptoren von Wachstumsfaktoren gerichtetund hemmen beispielsweise den EGF- (englisch: Epidermal Growth Factor; epidermaler Wachstumsfaktor) oder den HER-2-(Human Epidermal Growth Factor) Rezeptor der Gefäße bzw. der Tumorzelle. In einigen Tumoren, wie z. B. dem NSCLC, tragen Mutationen der Rezeptoren zu einem übermäßigen Wachstum der Zelle bei. Hier kann die Wirkung der Tyrosinkinaseinhibitoren noch spezifischer erfolgen. Die Substanzen greifen in diesen Fällen zielgerichteter die entarteten Zellen an und schonen gesundes Gewebe.


Auf dem Weg zu einer individualisierten Therapie

Nicht jeder Patient, der eine zielgerichtete Therapie erhält, spricht auch darauf an. „Biomarker erhalten deshalb eine immer entscheidendere Rolle in der Prognose des Therapieansprechens“, erläutert Dr. Thomas Gauler vom Westdeutschen Tumorzentrum des Universitätsklinikums in Essen auf dem DKK. Im Rahmen laufender Studienprogramme wird versucht, anhand bestimmter Gen-Mutationen vorab diejenigen Patienten zu bestimmen, die am ehesten von einer Therapie profitieren könnten. An prominenter Stelle steht hier die Analyse des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR). „Vor allem Patienten mit aktivierenden Mutationen des EGFRezeptors profitieren stark von der Tyrosinkinase-Inhibition“, so Gauler.
Das Vorab-Screening auf Gen-Mutationen wie es z. B. in der laufenden LUX-Lung 3-Studie mit BIBW 2992* integriert ist, ist ein Schritt auf dem Weg zur individualisierten Therapie, bei der ein Patient genau die Behandlung erhalten könnte, die für ihn am wirksamsten und verträglichsten ist.

„Gerade beim Lungenkarzinom, der häufigsten krebsbedingten Todesursache bei Männern, stellt die antiangiogenetische Therapie eine bedeutende Innovationen in der klinischen Onkologie dar“, erläutert PD Dr. Alexander Schmittel von der Medizinischen Klinik für Hämatologie, Onkologie und Transfusion der Charité, Berlin, auf dem Symposium von Boehringer Ingelheim beim diesjährigen DKK zur dualen EGFR/HER2- und Triple Angiokinase-Inhibition. Auch beim Ovarialkarzinom, wo ein Großteil der Patientinnen nach abgeschlossener Primärtherapie ein Tumorrezidiv entwickelt, sind neue Strategien zur Verbesserung der Langzeitkontrolle notwendig. „Hier setzen wir große Hoffnungen auf die Einführung zielgerichteter Therapien in der Erhaltungstherapie“, so Professor Dr. Jalid Sehouli, Klinik für Frauenheilkunde der Charité Campus Virchow-Klinikum, Berlin, und Leiter des Europäischen Kompetenzzentrums für Eierstockkrebs. Sowohl präklinisch als auch in ersten klinischen Studien konnte eine Wirksamkeit verschiedener zielgerichteter Therapieansätze beim Ovarialkarzinomrezidiv beschrieben werden.

Mit seinen zwei onkologischen Leitsubstanzen arbeitet Boehringer Ingelheim intensiv an der Weiterentwicklung der Wirkstoffe, die gezielt in weitere Signaltransduktionswege eingreifen, die bei Entwicklung des Lungen- und Ovarialkarzinoms eine Rolle spielen: BIBW 2992*, ein Vertreter aus der neuen Generation der TKIs, befindet sich derzeit in der klinischen Entwicklungsphase III zur Therapie von NSCLC. Der Wirkstoff hemmt die Aktivität der Kinasen von EGFR und HER2, indem er irreversibel an die Kinasendomäne beider Rezeptoren bindet. BIBF 1120* (Vargatef™), ein neuartiger Angiogenese-Inhibitor, der den VEGF-, den PDGF- und den FGF-Rezeptor gleichzeitig hemmt, befindet sich momentan in den Phase-III-Studien für die Indikationen NSCLC sowie Ovarialkarzinom. BIBW 2992* ist ein neuartiger Tyrosinkinaseinhibitor, der Aktivität der Kinasen von EGFR und HER2 hemmt, indem er irreversibel an die Kinasedomäne beider Rezeptoren bindet. Dadurch hemmt BIBW 2992* auch Tyrosinkinasen, die auf EGFR-TKIs der ersten Generation nicht mehr ansprechen1. Die Substanz wird in zwei Phase III Studien in der Indikation NSCLC geprüft.

* BIBF 1120/ BIBW 2992 sind noch nicht zugelassene Arzneimittel, deren Wirksamkeit und Sicherheit noch nicht
belegt worden sind.

Referenz: 1 Li D. et al. Oncogene 2008; 27: 4702 – 4711

Quelle: Boehringer Ingelheim

Beitrag bewerten (nach Schulnoten):
1 2 3 4 5 6
1 = sehr gut ... 6 = ungenügend

Stichwortsuche: Ovarialkarzinom  

Weitere Artikel zum Thema:

Ovarialkarzinom: Bei früher Immunantwort auf trifunktionalen Antikörper besseres Gesamtüberleben (15.07.2010)  

Ovarialkarzinom: GOG-218-Studie – Erhaltungstherapie mit Bevacizumab verlängert progressionsfreies Überleben (15.07.2010)  

„Die zweite Stimme“ – Film für Patientinnen mit Ovarialkarzinom (24.03.2010)  

Aktuelle Aspekte zur Aszitestherapie beim Ovarialkarzinom (24.03.2010)  

Diagnostik und Therapie des Ovarialkarzinoms (25.03.2010)  

Ovarialkarzinom: Längeres progressionsfreies Überleben mit Bevacizumab auch in der zweiten Phase-III-Studie belegt (16.07.2010)  

Bevacizumab verlängert signifikant das progressionsfreie Überleben bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (17.06.2010)  

Ovarialkarzinom: "Widerstand gegen die Resistenz" mit AD5-10 -Antikörper (12.04.2010)  

Bevacizumab zeigt positive Resultate bei Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs (16.03.2010)  

Neue therapeutische Optionen beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs und Ovarialkarzinom in Sicht (12.03.2010)  



Zuletzt geändert am: 26.02.2010

© JOURNAL ONKOLOGIE 2000 - 2010