08.12.2006 Umfassende Evaluation zur integrierten Brustkrebsversorgung gestartet
Was bringt die integrierte Versorgung von Brustkrebspatientinnen – auf diese Frage kann man eine umfangreiche Evaluation zuspitzen, die im September startete. Die Forschungsmittel kommen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Studienträger ist das beta Institut Augsburg. Untersucht wird mammaNetz, ein Modell, das seit 2003 die Methode Case Management einsetzt, um Frauen über alle Sektorengrenzen hinweg von der Diagnose bis zur Nachsorge zu begleiten. Dabei werden auch alle Leistungserbringer einbezogen. Ziel der Studie ist es, wissenschaftlich evaluierte Daten zur Effektivität und Effizienz der mammaNetz-Versorgung zu erhalten und die Versorgung der Brustkrebspatientinnen weiter zu verbessern.
Studien zum Brustkrebs gibt es viele. Das Besondere an der mammaNetz-Studie ist, dass sie zur Versorgungsforschung zählt. Es geht um den Blick auf das komplette System: Wie kann der Ablauf der gesamten Therapie über alle Sektoren hinweg besser gesteuert werden? Wie wird die Compliance der Patientin gefördert, wie werden alle Therapiebeteiligten besser vernetzt und wie wird am Ende auch Geld gespart.
Den Weg der Patientin optimieren
mammaNetz setzt dafür – einzigartig in der Brustkrebsversorgung in Deutschland – die Methode Case Management ein. Die Case Managerin ist zentrale Ansprechpartnerin für die Patientin, organisiert den bestmöglichen Ablauf des Patientenpfads und ist auch in sozialen, emotionalen und psychischen Fragen Anlaufstation. Gleichzeitig arbeitet die Case Managerin auf der Systemebene, das heißt: Sie vernetzt Leistungserbringer (Kliniken, Ärzte, Therapeuten) untereinander und steht ihnen für Fragen zur Verfügung, zum Beispiel zum DMP Brustkrebs. Ziel ist, den Weg der Patientin durchs Versorgungsnetz zu optimieren. Das entlastet die Patientin und spart Geld, zum Beispiel, weil weniger lang Krankengeld bezahlt werden muss oder weil keine Psychotherapie notwendig wird.
Eine Vorstudie konnte bereits zeigen, dass die Methodik Case Management funktioniert und, dass Patientinnen und Netzwerkpartner entlastet werden. Ziel der aktuellen Studie ist nun, neben dem Nutzen auch die Kosten umfassend zu evaluieren.
Die prospektive Mehrzeitpunktbefragung hat drei Messzeitpunkte: während der stationären Behandlung sowie sechs und zwölf Monate danach. Die dreijährige Studie wird finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Projekt- und Studienleitung hat Andrea Thorenz vom beta Institut für angewandtes Gesundheitsmanagement inne: „Wir freuen uns sehr über diese Studienzusage innerhalb des Förderschwerpunktes „Förderrichtlinien zur anwendungsorientierten Brustkrebsforschung“, denn das zeigt uns die Bedeutung des Themas auch im Forschungsbereich“. Kooperationspartner für die Studie ist Prof. Dr. Dr. Uwe Koch von der Abteilung für medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
Zum Case Management bei Brustkrebspatientinnen gibt es kaum deutsche Studien. Die Studienergebnisse sollen sowohl die weitere regionale Ausbreitung von mammaNetz fördern als auch die empirische Basis legen für die Übertragungen des Case Managements auf andere Indikationen. „Wir erhoffen uns ähnliche Ergebnisse wie bei der Evaluation der pädiatrischen Nachsorge in Augsburg und Bonn, wo ebenfalls mit Case Management gearbeitet wird“, erklärt Thorenz. „Hier konnte gezeigt werden, dass die Versorgung verbessert und die Kosten reduziert wurden.“
Mehr unter http://www.mammanetz.de
Quelle: beta Institut für angewandtes Gesundheitsmanagement, betapharm Arzneimittel GmbH